Wie alles begann – die Kaufentscheidung

Manz vs. Häußler
oder

Die Geister die ich rief, werd’ ich nun nicht mehr los;

Geschichte einer Kaufentscheidung

Wenn man sich, wie ich, auf die Fahnen geschrieben hat, das Brot für den täglichen Bedarf nur noch selber zu backen, dann kommt man irgendwann auf die Idee, sich einen adäquaten Ofen zuzulegen, der möglichst optimale Ergebnisse erzielt. Zwei Firmen stellen solche Öfen her: Manz und Häußler.

Nach intensiven Recherchen im Netz, Fragen, Katalogbestellungen, lieben Infos durch Brotbäcker usw.. habe ich mich dann entschlossen, vor den Kauf den Besuch der von beiden Firmen angebotenen Koch- und Backseminare zu setzen.

21.-22.06.2007: Hefegebäckkurs und Basisbackkurs bei Häußlers:

Ich bin zu Häußler in Heiligkreuztal gefahren mit dem Gedanken: "Anschauen kann ich mir das ja mal, aber ich kaufe sowieso einen Manz.“ Das konnte ich nach dem Besuch in Oberschwaben so nicht mehr unterstreichen… Die Mitarbeiter und die Familie Häußler verstehen es einfach, mit ihrer sympathischen Art eine solch nette Atmosphäre zu schaffen, dass man am liebsten gleich alle Kurse machen möchte und sofort einen Ofen mit nach Hause nehmen will.

Donnerstags war der Hefegebäckkurs. Ein netter Herr Renz, seines Zeichens Bäckermeister, weihte uns in die Geheimnisse des Zopfflechtens und -füllens ein. Mir ist das ein oder andere Licht aufgegangen, aber ich könnte jetzt nicht behaupten, dass ich Essentielles gelernt hätte. Wir waren aber eine sehr nette Gruppe von 11 Leuten, die sich da zusammengefunden hatte und beim Probieren und Kaffee trinken hatten wir eine Menge Spaß. Selber hat man nichts gemacht, nur am Ende konnte sich jeder Teilnehmer seinen eigenen Zopf flechten. Aber ein paar kleine Handgriffe hab ich mir doch abgeguckt, Kniffe, auf die man vor lauter Betriebsblindheit nicht kommt und auch die Rezepte waren ganz nach meinem Geschmack (Osterhasen und Nikoläuse formen, Dreierzopf, Mozartzopf, Nusszopf, Marzipanzopf, Kirschnudeln).

Am Freitag war dann Showtime – Frau Häußler präsentierte ihre Kunst und vor allen Dingen die Geräte. Auch wenn man sich nicht fürs Backen und Kochen interessiert, auch wenn man nicht vor hat, ein Gerät zu kaufen, diesen Kurs sollte man sich mal antun. Es war wirklich faszinierend, wie diese nicht mehr ganz junge Frau sechs Stunden lang eine Art "Kaffeefahrt" veranstaltete. Das meine ich jetzt nicht negativ, ich war wirklich platt, wie nett und nur  ganz wenig aufdringlich man teure Geräte an den Mann oder die Frau bringen kann. Die Frau ist einfach ein Profi und ein absolutes Verkaufsas. Wir haben teilweise Tränen gelacht und Frau Häußler war so temperamentvoll und geschwätzig, es war eine wahre Pracht. Es gab Leute, die waren schon zum dritten Mal dort….

Sie hat die Herde, Knetmaschinen, Getreidemühlen und die Nudelmaschinen präsentiert und man hatte einfach das Gefühl, SOFORT ALLES haben zu müssen. Fünfzig Menschen hingen gebannt an ihren Lippen und es war wirklich lustig.
Frau Adelinde hat Grundrezepte von verschiedenen Brotteigen vorgestellt, die Herstellung von Sauerteig erklärt, eine Lanze gebrochen für vollwertige, regionale und saisonale Produkte, kleine Tipps gegeben, wie man sich das Backen erleichtert, ach, ich kann gar nicht alles aufzählen, was alles an Interessantem aufs Tapet kam. Sie verwendet z.B. für einen Mischbrotteig von 10 kg Mehl nur zwei Würfel Hefe… ich war schon erstaunt! Wahrscheinlich wird der Brotbackguru nichts Neues lernen und vielleicht wird so manch einer denken – och nee, das kenne ich aber ganz anders. Aber für den Hausgebrauch, wenn Brot backen keine Wissenschaft sein soll, dafür reichte es allemal – zumindest bei mir.

Frau Häußler hat gebacken: Dinette mit Speck und Zwiebeln, Dinette nur mit Kümmel und Salz und Dinette mit Äpfeln, Brötchenrad, kernige Weckle, Weizenmischbrote in verschiedenen Ausführungen (im Gärkorb; gebacken mit Schluss nach oben; gebacken mit Schluss nach unten; bemehlt und eingeschnitten; mit Brotstempel verziert; als Knüppelbrot – mehr fällt mir jetzt nicht ein). Übrigens konnte man am Ende der Veranstaltung Brot mit nach Hause nehmen – gegen Bezahlung!

Für mich waren die Kurse, vor allem am Freitag bei Frau Häußler, schon lehrreich. Da ich auch noch nette Leute kennen gelernt habe und die gesamte Häußler-Crew so herzlich und sympathisch war, hätte ich am liebsten sofort einen Ofen gekauft. Mich haben aber natürlich auch die Produkte absolut überzeugt. Die knusprige Kruste der Brote und die feine Textur des Hefegebäcks, die tollen Böden der Dinette… ich war hin und weg. Na ja, und die Teigknetmaschine…. und die Getreidemühle…. mein armer Mann! Ganz toll fand ich auch, dass mich ein Mitarbeiter der Firma am Bahnhof abgeholt hat und am Freitag auch wieder pünktlich zum Bahnhof brachte – das nenne ich mal Dienst am Kunden, gell?

Eine Woche später (29. – 30.06.2007):

Nun habe ich auch ein Komplettseminar bei Manz besucht, in das ich glücklicherweise hineingerutscht bin, weil ein Teilnehmer absagte. Was soll ich sagen – ich bin begeistert. Auch hier hätte mich ein Mitarbeiter am Bahnhof abgeholt und auch wieder zurück gebracht. Ich bin aber kurzentschlossen mit dem Auto gefahren.

Die Art der Präsentation bei Manz kann mit der Häußler’schen Verkaufsshow nicht mithalten. Hier in Creglingen geht es ruhiger und zurückhaltender zu – was ja kein Fehler ist. Und die Vielseitigkeit des Manz-Backofens hat mich absolut überzeugt. Zugegeben, die Ergebnisse des Brotbackens bei Häußler erscheinen mir einen Tick besser – aber dafür ist der Manz einfach umfassender und schneller einsetzbar. Ein Detail, das ich überhaupt nicht in Betracht gezogen habe bei der Kaufüberlegung ist die Möglichkeit des drucklosen Dampfgarens. Frau Manz brachte uns die Facetten nahe, die sich beim „Kochen“ mit dem Manz auftun. Und die haben mich wirklich umgehauen. Diese Pellkartoffeln, das Gemüse, die Niedrigtemperatur- Gerichte und was weiß ich noch alles – für Menschen, die sich gesund, möglichst fettarm und natürlich ernähren möchten, ist dies eine wunderbare Alternative zum Kochen mit Wasser.

Freitags ging es um 10.00 Uhr los. Bis gegen 13.00 Uhr haben wir mit Frau Manz gekocht und mit 14 Teilnehmern folgende Gerichte zubereitet:
Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Kohlrabi (alles nur abgewaschen und mit Schale im Topf mit Deckel gegart – ein Genuss!), Blumenkohl-Auflauf, Gemüselasagne, Hühnerpfanne, Kartoffelmaultaschen, Makkaroni-Auflauf, Hackbraten, Pommes Frites, Rotkohl, Schweinebraten, Ungarischen Kartoffelauflauf, Dampfnudeln, Quark-Apfel-Auflauf, Reis-Auflauf. Dann war Mittagspause und wir haben alles verputzt, was vorher gekocht wurde.

Gegen 14.00 Uhr ging es dann weiter mit dem Backkurs, geleitet von einem jungen, netten Herrn namens Hein, einem Bäckermeister. Bis 18.00 Uhr wurde gebacken und Teig angesetzt, was das Zeug hielt. Hefezopf, Käsekuchen, Biskuitrolle, Streusel mit Pudding und Kirschen, Weizenmischbrot – alles wurde sehr schön und wirklich lecker. Zwischendrin haben wir noch Kaffee getrunken und das Gebackene verspeist. Wir waren vielleicht satt!

Samstags ging es um 8.30 Uhr weiter. Der am Vorabend angesetzte Sauerteig wurde verarbeitet, Laugengebäck, Baguettes, Brötchenrad, Vinschgauer, Roggenmischbrot hergestellt und Pizza gebacken. Ein Schmankerl waren noch die Figuren, die gebacken wurden: Weihnachtsmann, Igel, Maus, Eidechse… wirklich putzig!

Man bekam ein tolles Gefühl dafür, wie sich ein Teig anfühlen sollte, wie lange man ihn gehen lässt und wie man Teig knetet und formt (sehr lustig die Ergebnisse des Laugenbrezel-Formens). Und mit so einer netten Truppe wie der unseren machte das ganze Werkeln noch mal so viel Spaß. Es war richtig toll! Natürlich haben wir auch hier zwischendrin alles aufgefuttert, was wir so hergestellt hatten. Und bekamen am Ende noch einen riesigen Korb mit den selbstgemachten Broten und Brötchen mit nach Hause. Hier waren die Backwaren im Seminarpreis inbegriffen!

Fazit: Eine eindeutige Empfehlung für einen der Öfen kann ich nicht geben. Dafür sind die individuellen Vorstellungen eines jeden Bäckers einfach zu speziell. Ich habe mich für den Manz 30/2 entschieden, andere Backwütige werden mit dem Häußler glücklich.

Wer einen Ofen möchte, der hauptsächlich zum Brotbacken dienen soll und wer langfristig planen kann, für den ist wahrscheinlich der Häußler die bessere Wahl Aber den Häußler muss man halt 1,5 Stunden vorheizen und dann noch 30 Minuten warten, bis sich die Hitze komplett verteilt hat. Wer das nicht möchte und zudem noch drucklos dampfgaren möchte, der kauft besser den Manz.

5 Antworten auf „Wie alles begann – die Kaufentscheidung“

  1. @Iris:
    „Schnöfen“ – das Wort habe ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen bzw. gehört. Da muss ich gleich an meinen Vater denken. Der schnöfte immer im Keller herum, wenn meine Mutter die Wochenration Süßigkeiten vor uns Kindern versteckte, fand sie jedesmal und ließ uns an der gelungen Suchaktion teilhaben. Auch sonst wurde viel „geschnöft“. In Töpfen, um zu schauen, was es zu Mittag gibt, vor Weihnachten nach Geschenken usw., usw.. Ich mag diese Wörter…
    Das mit den Steilhängen bewundere ich jedesmal. Wir haben ein paar Jahre an der Ahr gewohnt, wenn ich da manchmal die Weinbaueren im Hang gesehen habe, wurde mir ganz anders. Aber manche Stellen am Rhein sind ja noch doller. Ich kann oft nicht glauben, dass man an solchen Stellen stundenlang stehen kann, um die Weinstöcke zu pflegen. Hab ich Achtung vor!

  2. Danke für die Berichtigung, Jutta, da habe ich mal wieder zu schnell getippt…. und da es in den letzten Tagen hier zu stürmisch ist, um im Weinberg zu stehen, schnöfe ich auch wieder auf Ihren Seiten – die Torten sind ja ganz gemein:-) – die kann man sich wirklich nur mit vielen Mitessern oder vor einer Holzruckaktion im Wald leisten, sonst geht das garantiert auf die Hüften (und am Steilhang merkt mann jedes Pfund zuviel – da kann ich ein Lied von singen!).
    Aber trotzdem, die eine oder andere werde ich mir merken – kann man ja auch versuchen, in ganz klein zu backen:-).

  3. Liebe Iris,
    in Frankreich, auf Ihrem Weingut, war ich auch schon zu Besuch. Virtuell, natürlich. Deshalb freue ich mich besonders über den lieben Besuch und den netten Kommentar.
    Der „Nazfred“ heißt übrigens „Manzfred“, weil er bei Manz in Creglingen hergestellt wird. Und er benötigt nur eine Steckdose und keinen Starkstrom, um seine Arbeit aufnehmen zu können.
    Vielen Dank für die lieben Worte und eine Menge Spaß weiterhin
    Jutta

  4. wunderschöne Rubrik über Nazfred (und seinen Konkurrenten) – ich habe das mit sehr viel Spaß gelesen, auch wenn ich mir ein solches Gerät mangels ausreichender Elektrizität leider nie werde anschaffen können.
    Im Winter sind ja die Abende land, da werde ich sicher öfter zurückkommen und in ihren fantastisch geschriebenen Berichten und Rezepten stöbern.
    So machen Kochblogs Spaß und können selbst einen manchmal etwas betriebsblinden Weinblogger über die Grenze locken:-)
    Viele Grüße aus Südfrankreich

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