Andiviestamppot

Nacht. Ich schlendere durch die Gassen einer mir fremden Stadt. Mein Ziel kenne ich nicht, trotzdem fühle ich mich nicht verloren. Ganz im Gegenteil, eine magische Kraft drängt mich, eine bestimmte Richtung einzuschlagen.

Die Straßen sind belebt und viele Menschen bevölkern Cafés und Restaurants. Gesprächsfetzen dringen an mein Ohr und ich meine zu erkennen, dass es sich bei dem Idiom um das Niederländische handelt. Ein sanfter Wind weht wohlbekannte Gerüche herüber. „Pommes rot-weiß und Fleischrolle spezial“ denke ich.

Vor einem hochherrschaftlichen Anwesen verlangsame ich meinen Schritt. Ich wandle eine imposante Einfahrt entlang und stehe plötzlich vor einer beeindruckenden Eingangstür, die sich wie von Geisterhand öffnet, als ich die Schwelle betrete. Anscheinend werde ich erwartet. Ein Bediensteter empfängt mich mit den Worten: „ Gnädige Frau, willkommen in Maastricht. Ich bin sicher, sie werden einen unvergesslichen Abend erleben. Bitte folgen Sie mir.“

Hä?? Unvergesslicher Abend? Ich? Maastricht??? Nun denn, es wird schon seine Richtigkeit haben, also folge ich dem distinguierten Herrn in ein wunderbar geschmücktes Speisezimmer. Kandelaber erleuchten die Tische, die mit Silber und edlem Porzellan gedeckt sind. „Bitte nehmen Sie Platz, der Hausherr wird sofort erscheinen.“

Tja, da bin ich aber gespannt, wer mag das sein, der mich da eingeladen hat? Habe ich bei einem Preisausschreiben gewonnen? Oder wurde ich Siegerin beim Perfekten Dinner und verprasse so mein Preisgeld? Ich habe keine Ahnung und allmählich wird mir diese Amnesie ein wenig unheimlich. Meine Hände schwitzen.

Endlich öffnet sich die Tür und es erscheint – oh nein, das ist nicht wahr, das kann nicht sein, bitte nicht – André Rieu.

André Rieu??? Ich muss tot sein, ich bin gestorben und in der Hölle gelandet. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als er sein bestes Stück aus dem Nichts hervorzaubert und beginnt, damit zu spielen – seine Violine. Er setzt an, Johann Strauß Walzer zu Gehör zu bringen. Im Hintergrund ist ein Salonorchester positioniert, das ihn begleitet. Meine Ohren bluten.

Endlich, nach grauenvoll langer Zeit, wird das Essen serviert und die Musik erstirbt. Meinen Zustand könnte man nun als rekonvaleszent bezeichnen. Ich entspanne mich ein wenig, allerdings ist mir bewusst: Sollte das Gedudel wieder einsetzen, könnte es zu einem überwältigenden Rückschlag kommen – ich hoffe, die finsteren Mächte werden mich davor verschonen.

Nach edler Vorspeise und Suppe folgt ein überraschend schmackhaftes Hauptgericht.

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Einfache Hausmannskost, ganz unerwartet bei dieser Dekoration und diesem Ambiente, aber unheimlich gut. Der Hausherr sagt: „ Mevrouw Schnuppschnüss, das habe ich selber zubereitet.“ Unglaublich, aber wirklich lecker. Diesen Mut zur Schlichtheit habe ich bei meinem Gastgeber nicht erwartet. Nach dem Dessert folgt nun wohl der gemütliche Teil des Abends.

Tief schaut der mir gegenüber Sitzende in meine Augen. Er nimmt meine Hand, er beugt sich über den Tisch und seine Haarpracht bebt, er spitzt seine Lippen, sie kommen den meinen verdächtig nahe, etwas schüttelt und rüttelt mich, zieht mich unsaft am Arm und eine Stimme sagt:

„ Aufwachen, Schnuppschnüss, das ist nur ein Alptraum, Du hast böse geträumt.“

Ich blicke in die besorgten Augen von Herrn Schnuppschnüss, der versucht, mich zu beruhigen und meine gellenden Schreie zu unterbinden. Nach einiger Zeit gelingt dies auch. Bin ich froh, alles nur ein Traum! Nie wieder möchte ich so einen Horror erleben, grauenhaft!

Aber das Hauptgericht war gut. Deshalb hier das Rezept, das mir kurz vor dem Aufwachen der Butler verriet:

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Andiviestamppot
Kategorien: Kartoffeln, Endivien, "Durcheinander"
Menge: 4 Portionen, groß

Zutaten

1 kg Kartoffeln, mehlig kochend
1 Kopf Endiviensalat
1 Zwiebel, rot, groß
200 Gramm Speckwürfel, geräuchert
Rotweinessig
50 Gramm Butter
Salz
Pfeffer
200 ml Milch
2 Eier

Quelle

Rezept modifiziert.
Original: "alfredissimo" mit André Rieu
http://www.alfredissimo.de/rezepte/index.phtml?action=
rezept&id=613&kid=4&alpha=
Erfasst *RK* 30.10.2007 von
Jutta Hanke

Zubereitung

Die Kartoffeln schälen, waschen und in Salzwasser kochen.

Die Salatköpfe waschen, trockenschleudern und in schmale Streifen schneiden.

Die Zwiebel schälen und würfeln.

Milch erwärmen.

Die Butter in einer Pfanne erhitzen und die Speckwürfel darin knusprig anbraten.

In einer zweiten Pfanne Schweinekotelettes oder Kasselerkotelettes braten.

Die Kartoffeln stampfen und nacheinander einen Schuss warme Milch und zwei rohe Eier unterrühren. Die Masse salzen.

Die Salatstreifen ungekocht unter den heißen Kartoffelbrei heben.

Aus der Pfanne überschüssiges Fett abgießen und die Speckwürfel mit den gewürfelten Zwiebeln zu der Kartoffelmasse geben. Mit Salz, Pfeffer und etwas Essig abschmecken.

Stamppot auf einem Teller anrichten und ggf. mit dem Bratfett von Kotelettes oder Kasseler übergiessen.

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Hier ist das Original, wie es der Meister gekocht hat:

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Andiviestamppot (Original)
Kategorien: Kartoffeln, Endivien, "Durcheinander"
Menge: 4 Portionen, groß

Zutaten

1 kg Kartoffeln, mehlig kochend
2 Köpfe Endivien – oder Friséesalat
1 Zwiebel, rot, groß
200 Gramm Speckwürfel, geräuchert
Rotweinessig
50 Gramm Butter
Salz
Pfeffer
200 ml Milch
2 Eier

Quelle

Original: "alfredissimo" mit André Rieu
http://www.alfredissimo.de/rezepte/index.phtml?action=
rezept&id=613&kid=4&alpha=
Erfasst *RK* 30.10.2007 von
Jutta Hanke

Zubereitung

Die Kartoffeln schälen, waschen und in Salzwasser kochen.

Die Salatköpfe waschen, trockenschleudern und in schmale Streifen schneiden.

Die Zwiebel schälen und würfeln.

Milch erwärmen.

Die Butter in einer Pfanne erhitzen und die Speckwürfel darin knusprig anbraten.

Die Kartoffeln stampfen und nacheinander einen Schuss warme Milch und zwei rohe Eier unterrühren. Die Masse salzen.

Die Salatstreifen ungekocht unter den heißen Kartoffelbrei heben.

Aus der Pfanne überschüssiges Fett abgießen und die Speckwürfel mit den gewürfelten Zwiebeln zu der Kartoffelmasse geben. Mit Salz, Pfeffer und etwas Essig abschmecken.

Stamppot auf einem Teller anrichten und ggf. mit dem Bratfett von Schweine- oder Kasselerkotelettes, die zu diesem Gericht gut passen, übergiessen.

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17 Antworten auf „Andiviestamppot“

  1. @Bolli: ich kann Dich ja soooo gut verstehen!
    @lamiacucina: ich bin zur Zeit Bad Vilbel!
    Dass in Lenzburg eine Strafanstalt ist, wusste ich nicht. Wäre ich weiterhin Butzbach, könnten wir uns die Hand reichen. Dort gibt es auch eine JVA. Ich bin jedenfalls heilfroh, dass Dich die Geschichte nicht um den Schlaf brachte 😉
    @lavaterra: hier ist es so ungemütlich, ich glaube, wir können langsam die Glühweinsaison einläuten.

  2. Gottseidank les ich Deinen Eintrag erst heute, Dein Krimi hätte mir den Schlaf geraubt. So kann ich mich wach und ausgeruht dem schönen Gericht widmen. Der aus Lenzburg bin übrigens ich. Aber nicht aus der Strafanstalt Lenzburg, sondern immer(noch)aus Basel. lg.

  3. Na, hier ist ja heute was los – passt ja zum Geträumten!
    Ich danke für die ausführlichen Hinweise zum Kommentardilemma, bin froh, dass es nun wieder klappt (hoffentlich bleibt es so)und hoffe, dass Alexens Schweiß mittlerweile abgetrocknet ist sowie sein Bauch mit Salat-Kartoffelpampe gefüllt.
    Ich freue mich, dass euch die Episode gefällt!
    @Barbara: wenn Du München bist, bin ich bestimmt Frankfurt.

  4. Jetzt ist Axels Eintrag wieder da und die traffic-Einträge passen auch – war wohl vorhin der Wurm drin.
    Ich bin übrigens der Eintrag von „Munich“, das liegt allerdings über 250 km von hier entfernt. 🙂

  5. Mit den Kommentaren hakt’s auch – eben habe ich etwas vom schweißgebadeten Axel gelesen, dem mein Foodblog jetzt definitiv zu langweilig wird… 😉
    Der Eintrag ist jetzt weg, den habe ich wohl verdrängt… 😉

  6. Ich glaube, mein Kommentar von vorhin ging nicht durch? Es kam nämlich kein Fenster, in dem man komische Zeichen-Buchstaben-Kombinationen eintippen muss…
    Wollte nur kurz sagen, dass ich den Text super zum Lesen fand, sehr gut geschrieben und wirklich ein richtiger Alptraum! 😉
    Das Essen sieht aber sehr gut aus, passt auch zu dem winterlichen Wetter…
    Ich glaube, mit dem Live traffic feed funktioniert was nicht, der zeigt die traffic von anderen typepad-blogs an? wüsste aber nicht, wie man das behebt…

  7. Also so kann man Rezepte auch präsentieren. Ich bin immer noch schweißgebadet!
    Am besten, ich schlafe jetzt ein Stündchen und mache mir dann eine reichliche Portion Andiviestamppot. Allerdings fürchte ich, danach alpzuträumen – gibt’s das Wort überhaupt? Egal Mahlzeit!

  8. Jetzt hab ich mich aber sehr amüsiert 🙂 Bei André Rieu hätte ich wahrscheinlich gleich die Flucht ergriffen und dann das Essen verpasst, wäre in der Tat schade gewesen!

  9. Sivie (http://kuechengeister.blogspot.com/) hat folgenden Kommentar geschrieben, den ich zwar im Bearbeitungsprogramm des Blogs lesen kann, der hier beim Rezept aber komischerweise nicht angezeigt wird:
    „Schöner Alptraum, aber das Essen sieht lecker aus. Was hat Herr Schnuppschnüss dazu gesagt?“
    Herrn Schnuppschnüss hat es geschmeckt und was den Alptraum angeht: ab und an schaut er mich noch sinnend an… da denkt er bestimmt darüber nach, welches Grauen ich wohl erlebt habe. Na ja, Kochen und Backen sind bestimmt wichtige und nutzbringende Therapieansätze.

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