Grie Soß

Papier_frankfurter_soe

So was wie mich nennt man in Köln "Imi" – eine imitierte Kölnerin. Wie man mich in Frankfurt nennt, weiß ich nicht, im Zweifel Frau Schnuppschnüss – eine Hessin bin ich jedenfalls nicht. Und so hatte ich auch keine Mutter, die mich in die Geheimnisse der hessischen Kochkunst hätte einweisen können.

In Köln,

Tnnes_oder_schl_kln

Umgebung, Nordrhein-Westfalen und in vielen anderen Teilen des Universums isst man heute, am Gründonnerstag, Spinat, Kartoffeln und Rührei. Bis gestern hatte ich auch vor, genau das zu kochen. Das kann ich nämlich…

Hier, in Hessen, ticken die Uhren nicht nur anders, auch die Mägen und Zungen wollen es Geheimrat Goethe gleich tun und Grüne Soße essen, oft und vor allem am Gründonnerstag. Echte Frankfurter Grüne Soße und die Zutaten liegen, noch jungfräulich in Papier verpackt, allüberall in den Lebensmittelläden des Landes herum. Sogar die beiden großen Discouter A & L bieten die Kräuter für die Soße an.

Kruter_grie_so 

Sieben Kräuter ganz genau. Und hier beginnt es schon, schwierig zu werden. Wie schwierig, kann man auf einer Doppelseite der Frankfurter Rundschau nachlesen. Denn nichts ist schwieriger, als eine so einfache Sache wie die Kräutersoße zuzubereiten. Auch für Hessen, jawoll!

Ob der Übermacht des regionalen Angebotes kaufte ich, sonniges Gemüt, das ich wohl bin, gestern statt des Spinats ein Packerl mit den dubiosen Kräutern in der Annahme, mal schnell eine Sauce zusammenzurühren. Später fiel mir dann die Zeitung in die Hände und bei besagtem Artikel angekommen, erbleichte mein urlaubssonnengebräuntes Antlitz.

"Oh mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" wird zu diesen Zeiten an anderer Stelle gefragt. Ganz so schlimm war es bei mir nicht, aber auch ich befand mich in einem Zustand, der von Ratlosigkeit geprägt war. Pragmatisch habe ich dann aus jedem der Vorschläge, die die verschiedenen Fraktionen auf besagter Doppelseite machen, Dies und Das herausgepickt.

Herausgekommen ist (oh fressack, bitte verzeih mir…) eine sehr flüssige Kräuterpampe, die aber essbar ist. Der Kenwood-Liquidiser, in den ich alle Zutaten geworfen habe, um die Kräuter ein "wenig" zu zerkleinern, hat seinem Namen jedenfalls alle Ehre gemacht. Gut, dass ich die harten Eier nicht auch komplett liquidisiert ("liquidiert" wäre wohl der besser Ausdruck) habe. Die sind später gehackt hinzugefügt worden. 

Ein ordentliches Ei wollten wir aber auch haben. Zur Deko und überhaupt. Das wurde wachsweich gekocht, auf Salzkartoffeln und Sauce drapiert und alles zusammen war einfach hmmm.

Grie_so_fertig 

Ach so, die Sauce (Puristen sollten die Lektüre hier besser beenden):

In den Liquidiser (das ist ein stinknormaler Glasmixaufsatz – hört sich aber nicht so toll an) werfe man: sieben gewaschene Kräuter (Gartenkresse, Borretsch, Kerbel, Sauerampfer, Schnittlauch, Pimpinelle, Petersilie), 500 g Joghurt, 200 g Schmand, Saft einer Zitrone, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker, 1 TL Dijon-Senf, 1 grob gehackte Gewürzgurke,  1 kleine, fein gewürfelte Zwiebel, ein wenig Gurkenessig, 2 dicke EL Mayonnaise. Diese Zutaten werden püriert – was eine sehr flüssige Masse ergibt. Möglicherweise ist der Gebrauch eines Stabmixers oder Kochmessers vernünftiger….

Drei hartgekochte Eier nach dem Abkühlen grob hacken und unter die Soße mengen.

Dazu Kartoffeln und eventuell noch ein Ei… ist ja bald Ostern, gell?

8 Antworten auf „Grie Soß“

  1. 🙂 Ja, bei uns in Offenbach gab’s die auch kürzlich. Und auch nicht mit Mayo sondern aus Magerquark, Joghurt, 1 EL Zitrone, 2 EL bestes Speiseöl, 1 TL Senf, 1 Prise Zucker und ordentlich S+Pf+Pap und besagten Kräutern (ohne Dill ;-)), heftigst kurz und klein gemixt und mit 2 händisch klein gehackten Eiern gemischt. Pellis und extra hart gekochte Eier dazu – zum Drinwälzen. Man/frau kann’s machen, wie man will, aber eine Ideologie-Frage würde ich außer bei Dill nicht daraus machen. Es ist mit eines der allerbesten Sachen zum Futtern, die es in dieser Gegend gibt. Für mich das Allerbeste!

  2. @Ulli:
    ich werde fressacks Rat beherzigen und die Kräuter nur mit einem Teil des Joghurts pürieren. Ist doch schön, dass man experimentieren kann und Rat und Hilfe bekommt.
    @fressack:
    Begnadigung, juhu! Ostern ist gerettet – und die Gurken lasse ich demnächst mal weg. Ich habe mir auch schon überlegt, dass die noch mal so richtig Feuchtigkeit reingebracht haben.
    @Bolli:
    Ja, ja, d’r Dom – ich liebe ihn! Köln ohne Dom, das ist nix. Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich davor stehe. Für mich das schönste Bauwerk Deutschlands.
    Was habt ihr denn Gründonnerstag in Köln gefuttert?
    @Katja:
    Meeeeeeeerrettich, super! Einen Hauch dazu kann ich mir gut vorstellen. Zur Mayo-Fraktion gehörst Du also nicht.
    Heute braten wir uns ein paar Lachsscheiben und geben die Soße dazu – ist bestimmt auch nicht schlecht.
    @Ulrike:
    wieder was gelernt – das mit dem Schnittlauch war mir neu. Schwein gehabt!

  3. Na, ja auf jeden Fall hast du jetzt Schnittlauch am Gründonnerstag gegessen und damit bleibst du gesund das ganze Jahr! Und wenn der Fresssack Absolution erteilt, ist das doch schon ‚was!

  4. Bei uns gibt es ‚eigentlich‘ die grie Soß das erste Mal zu Ostern. Die Kräuter sahen aber schon so toll aus, dass ich sie schon drei Mal gemacht habe und heute gibt es sie wieder.
    Ich werfe die gewaschenen Kräuter in den Fleischwolf mit der groben Scheibe und gebe jeweils 150 g Joghurt und 150 g saure Sahne dazu. Dann kommt noch ein bißchen Meerrettich dran und Salz und Pfeffer. Die Eier gibt es dazu und natürlich auch Kartoffeln.
    Schöne Ostertage! Katja aka Kaffeebohne

  5. Ach wie schön, der Dom!!!!!!!!!!!!
    Ich wusste nicht, dass man in Kölle Spinat mit Spiegelei isst….Man lernt täglich beim Bloglesen!!!
    Fressack hat Dein Rezept „begnadigt“, dann ist ja alles gut!
    Fröhliche Ostern!!!

  6. Ist schon ziemlich lecker so. Zwiebel nur, wenn gleich gegessen wird, sonst wird es möpselig, Gurke finde ich überflüssig, weil Borretsch drin ist und es so nur suppiger wird.
    Tip für das nächste Mal: alle Zutaten mit WENIG Joghurt pürieren und dann erst mit dem Rest und dem Schmand vermengen. Dann bleibt es fester.
    Oder die Kräuter und die festen Bestandteile wolfen und mit dem Rest vermengen.
    Also, ich habe verziehen.

  7. Herzlich willkommen zurück!
    Ich wusste gar nicht, dass es schon jetzt alle Kräuter für die Grie Soß gibt. Lecker, auch wenn Dir der Liquidizer etwas einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.
    LG

Schreibe einen Kommentar zu Jutta Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.