Blogevent XXXIII: Aphrodisische Gaumenfreuden === Akt II: Kalbsmedaillons mit Spargel und mit ohne Bärlauchpesto

Akt II

Sekt – ein spritziges Getränk, leicht, prickelnd, süffig. Tröstlich nach verunglückten ersten Akten und dazu angetan, in der Küche beim Kochen von Hauptgerichten Gesellschaft zu leisten. Also wurde die Pulle vom Esstisch in die Küche befördert, wo sie gute Dienste leistete. Ich wurde sehr lustig, pfiff munter "Veronika, der Lenz ist da" und bekam Appetit auf den zweiten Teil unseres sündigen Mahls. Es sollte besser werden, wenn auch im Abschluss die komplette Befriedigung nicht ganz gelang. Trotzdem – die Zeiten wurden rosiger.

Rosige_zeiten

Doch der Reihe nach:

Grundlage der Hauptspeise war ein Rezept von Rainer Sass aus dem Buch "Kerners Köche", einem Werk, das solide, interessante und manchmal auch experimentell-abgedrehte Rezepte enthält. Bei unserer Rezept-Recherche hatten wir Glück, unser Gericht entpuppte sich als raffinierte Version eines Spargelgerichtes, das ich zunächst als "solide-interessant" einstufte.

Spargel, ein Gemüse mit einem Aussehen, das auch anatomisch nicht wirklich bewanderten Zeitgenossen ein schelmisches Leuchten in die Augen zaubert, zählt zu den Hauptvertretern aphrodisischer Genüsse. Isabel Allende meint dazu: "Die dicken, hellfarbigen Sprossen mit rosa bis violetter Spitze sind die aphrodisischeren. Sie ähneln anämischen Phallen." Ob die landläufige Meinung ein Körnchen Wahrheit enthält, wollten wir am eigenen Leib erfahren.

Kalbsrckenmedaillons

Der Spargel war frisch, knackig und schnell zubereitet. Überhaupt war die Hauptspeise in kürzester Zeit auf dem Tisch, da das Pesto bereits am Vortag zubereitet wurde und nur noch mit Sahne, Wein und Butter erhitzt werden musste. Allerdings wurde ich während des Essens von Lachkrämpfen geplagt, hervorgerufen durch mentale Beschäftigung mit Allendes Ausführungen zum Spargel. Ich konnte mich kaum beherrschen, wenn ich an "anämisch" dachte.

Zurück zum Thema:

Statt des wohlbekannten Schinkens gab es hervorragend mundende Kalbsmedaillons (das Portemonnaie war nach dem Besuch beim Fleischer angenehm leicht zu tragen) und die Deko-Idee mit den kurz gebackenen Tomaten war nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein wunderbares Geschmackserlebnis.

Tomatenschwemme

Auch die Tomate zählt zu den Gemüsen mit spezieller Wirkung auf das Gefühlsleben. Von den Spaniern aus Amerika eingeführt, wurde sie wegen ihrer Farbe auch als "Liebesapfel" bezeichnet. Die Österreicher nennen sie "Paradeiser", eine wunderschön doppeldeutige Bezeichnung, die neben absoluter Glückseligkeit auch allergrößte Sünde suggeriert. Genau so wollen wir das haben, jawoll!

Das verfeinerte Bärlauchpesto hätte bestimmt eine Explosion auf den Geschmackspapillen hervorgerufen – wenn es nicht absolut bitter und deshalb ungenießbar gewesen wäre. Versierte Köche tippten auf "zu lange im Mixer verarbeitet". Das kommt hin und ist – mal wieder – mir zuzuschreiben. Als Alternative wurden junge, gegarte Kartoffeln in der Pfanne knusprig gebraten. Dass das Pesto fehlte, war schade, aber durch diese schöne Beilage immerhin zu verkraften.

Das Kalbsmedaillon mit Spargel und mit ohne Bärlauchpesto war trotzdem ein absolut gelungenes Gericht, dem ich bescheinigen kann, nachkochenswert zu sein.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Kalbsmedaillons mit Spargel und Bärlauchpesto
Kategorien: Kalb, Spargel, Bärlauch, Pesto, Tomaten
Menge: 2 Personen

Zutaten

H FÜR DEN SPARGEL
10 Weiße Spargelstangen
1 Essl. Butter
Salz
Zucker
H FÜR DIE TOMATEN
6 Cocktailtomaten (an der Rispe)
2 Essl. Olivenöl
Grobes Meersalz
H FÜR DAS PESTO
20 Pinienkerne
100 Gramm Bärlauch
4 Essl. Olivenöl
100 Gramm Sahne
100 ml Trockener Weißwein
1 Essl. Butter
H FÜR DIE MEDAILLONS
2 Kalbsrückensteaks (à ca. 120g)
Salz
Pfeffer aus der Mühle
1 Prise Zucker
1 Essl. Butter
2 Essl. Olivenöl

Quelle

Rezept modifiziert.
Original: Rainer Sass in dem Buch "Kerners Köche"
ISBN: 978-3-89883-142-0
Erfasst *RK* 12.04.2008 von
Jutta Hanke

Zubereitung

Die Spargelstangen schälen und die holzigen Enden abschneiden. In einen Topf geben, mit Wasser bedecken und 1 EL Butter sowie je 1 TL Salz und Zucker hinzufügen. Das Wasser zum Kochen bringen und den Spargel darin offen 15 bis 20 Minuten bissfest garen.

Manzfred auf 160° C vorheizen (Backofen auf 180 °C). Die Cocktailtomaten an der Rispe waschen und vorsichtig trockentupfen. In eine kleine Auflaufform geben, mit 2 EL Öl beträufeln und mit Meersalz bestreuen. Die Tomaten im vorgeheizten Manzfred auf der mittleren Schiene etwa 5 Minuten garen, bis die Haut der Tomaten aufplatzt.

Für das Pesto die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne ohne Fett leicht anrösten und abkühlen lassen. Den Bärlauch waschen, trockentupfen und grob schneiden. Bärlauch und Pinienkerne mit 4 EL Öl im Blitzhacker oder im Küchenmixer pürieren.

Die Kalbsrückensteaks mit Salz und Pfeffer würzen. In einer Pfanne das restliche Öl und 1 EL Butter erhitzen und die Medaillons darin auf jeder Seite 3 Minuten braten. In Alufolie wickeln und 2 bis 3 Minuten ruhen lassen.

Das Bärlauchpesto in einen kleinen Topf geben. Die Sahne, den Weißwein und die restliche Butter dazugeben und das Pesto nur erhitzen, nicht kochen! Mit wenig Salz, Pfeffer und 1 Prise Zucker würzen. Die Kalbsmedaillons mit dem Bärlauchpesto, den Tomaten und dem Spargel auf Tellern anrichten.

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Dennoch: Irgendwie stand diese Kochaktion unter keinem guten Stern.

Nun, wir wollen hier nicht vorgreifen… Herr Schnuppschnüss und ich hatten jedenfalls immer noch den festen Willen, nach dem ausgiebigen Studium aphrodisierender Freuden einen von Erfolg gekrönten Abschluss zu erleben.

Das Essen war köstlich, der Schampus schmeckte immer noch, zu Wein zu wechseln wurde glatt vergessen, wir vermeinten schon, eindeutige Wirkungen zu verspüren und hatten die tolle Idee, schnell das Dessert zu vernaschen, um keine Minute des spannenden Nachmittags zu vertun.

Deshalb stürzten wir in die Küche, holten unsere Dessertgläser, warfen uns an den Tisch und widmeten uns inbrünstig

Akt III,

der, wie ihr richtig vermutet, morgen folgt…

Das Zitat ist dem Buch "Aphrodite – Eine Feier der Sinne" entnommen, geschrieben von Isabel Allende, ISBN 3-518-39546-7.

14 Antworten auf „Blogevent XXXIII: Aphrodisische Gaumenfreuden === Akt II: Kalbsmedaillons mit Spargel und mit ohne Bärlauchpesto“

  1. Zeker, dank je, wel heel moe want ’s middags een lezing gehouden voor meer dan honderd academisch geschoolde dames in het Noorden van het land. Tjonge wat een hoop herrie maakt dat….

  2. @Ulli:
    nein, es folgt ein allerletzter Akt, quasi die Quintessenz der vorangegangenen Akte. Ein erschütterndes Finale, soviel kann ich versprechen, ohne allzu viel zu verraten.

  3. @lamiacucina:
    da muss der Jung‘ durch! Du weißt ja, für ein gelungenes Ergebnis benötigt es sorgfältige Vorbereitung. Gut Ding will Weile haben, ich sach nur: Apfelprost.

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