Lachsersatz – das Grauen aus dem Kühlregal

Manchmal wische ich Bedenken einfach weg. Zum Beispiel neulich, als ich am Kühlregal eines Discounters stand und in Öl schwimmenden Lachsersatz erblickte. Zunächst zuckte meine Hand zurück, als sie nach dem Päckchen griff, während vor meinem inneren Auge ein Film ablief:

Damals. Ich als Stationsschwester im Altenheim. Spätdienst. Die Planungen für die nachmittägliche Pause waren am Vortag in Angriff genommen wurden und der kulinarischen Freizeitgestaltung stand nichts mehr im Wege. Eier wurden gekocht, Zwiebeln in Ringe geschnitten und ein Hauch (eher mehr) Majonnaise verbanden sich mit fetttriefendem Lachsersatz und Brot zu einer, zumindest in meiner Erinnerung, wunderbaren Einheit.

Was lag näher, als sentimentale Erinnerungen auch Zuhause zu beschwören? Flugs wurde der Fisch (ist das überhaupt Fisch?) gekauft, das Altgedächtnis nochmals angeleiert und genau das hergestellt, was mir so heimelig und köstlich erschien:

Lachsschnittchen 

Ehrlich? Tut es nicht. Nicht nachmachen! Es ist einfach zu schrecklich.

Was ist das eigentlich, was das im Fett schwimmt? Und woher kommt der schreckliche Sonnenbrand auf dem "Fisch"? Und wie muss es um mein Neu-Gedächtnis bestellt sein, wenn mich schon das alte so schmählich im Stich lässt? Und habe ich das wirklich mal gerne gegessen?????

Das einzig Gute ist, dass man mit mindestens zwei Flaschen Bier nachspülen muss, um den Salzgeschmack einigermaßen zu neutralisieren. Ansonsten taugt dieses Häppchen nur als Rausschmeißer für ungeliebte Gäste.

16 Antworten auf „Lachsersatz – das Grauen aus dem Kühlregal“

  1. Meine Erinnerung an Lachsersatz erschöpft sich darin, dass, wenn man ihn mit Zwiebelringen und Eierscheiben auf einer Brötchenhälfte serviert bekam, die Lachsscheibe sich kaum beißen ließ. Mit dem 1. Bissen rutschte die Lachsscheibe mitsamt den Zwiebelringen und Eischeiben in den Mund. Man könnte die Menge kaum kauen und hatte fettige Hände, von denen man den Fischgeruch nicht wegbekam.

  2. Da kommt die Kindheit mit einem Schlag zurück. Nach dem Krieg hat man diesen Lachsersatz mit Wonne gegessen.
    Gekauft habe ich ihn schon lange nicht mehr, das werde ich aber mal nachholen, so ein bißchen Nostalgie oder Balsam für die Seele kann nie schaden 🙂

  3. Da kommt die Kindheit mit einem Schlag zurück. Nach dem Krieg hat man diesen Lachsersatz mit Wonne gegessen.
    Gekauft habe ich ihn schon lange nicht mehr, das werde ich aber mal nachholen, so ein bißchen Nostalgie oder Balsam für die Seele kann nie schaden 🙂

  4. Das ist ja witzig, ich habe mich vor ein paar Tagen einfach im Regal vergriffen, dachte, oh, das ist aber eine praktische,kleine 1-Personen-Lachs-Packung. Als ich die erste triefende Scheibe aus der Folie holte, standen schon meine Haare zu Berge. Ach ja, wenn man nicht genau hinguckt, hat man statt leckerem Räucherlachs diese Strafe verdient!
    Lieber Gruß und schönes Wochenende wünscht
    Wurzerl

  5. Lustig, auch ich habe das richtig geliebt frueher, aber ohne Mayo (immerhin:-), dafuer mit jeder Menge Zwiebel. Im Gegensatz zu Dir esse ich diesen (Kunst)fisch auch heute noch. So alle 3 Jahre, wenn ich nach D komme, muss es mal wieder sein. Nach einer Scheibe ist aber wieder Schluss, sehr zum Aerger meiner Mutter, die den Rest dann wegschmeisst und sich ueber das Oel aufregt, das garantiert aus der Packung gelaufen ist und den ganzen Kuehlschrank verstinkt.
    Mit dem BigMac geht’s mir uebrigens genauso. So alle 3 Jahre muss mal wieder einer sein :-))

  6. Jaja, diese kulinarischen Erinnerungen… 😉
    Du hast recht, ab und zu reizt es einen, aber meine Erfahrungen sind ähnlich wie Deine – verklärte Erinnerung oder es war früher doch besser – ich mag das alles auch nicht mehr…

  7. De kleur is een uitvinding van chemieconcern DSM – wordt tegenwoordig zelfs aan ‚echte‘ kweekzalm toegevoegd. De vis is waarschijnlijk koolvis, althans, daar werd het vroeger van gemaakt. Ik was ooit in een labo in Bremen/Bremerhafen, waar ze dit soort knutselwerkjes bedachten. Wellicht is ook koolvis nu te duur en bestaat het voor het merendeel uit goedkope algen of sojaprut met vissmaak.

  8. Ich oute mich hiermit ebenfalls: ich habe das Zeug früher auch gegessen, ja sogar gemocht. Und auch den schwarzen „deutschen“, so schön salzig ploppenden Kaviar. Aber ich habe beides seit sicher 20 Jahren nicht mehr gekauft – und dabei belasse ich es wohl auch lieber 😉

  9. Schämt Euch …. NICHT!!!
    Natürlich ist Lachsersatz ’ne Schweinerei: von Salz gehärtete Fischstücke, giftig gefärbt mit E-weißichdochnicht.
    Ich stelle gern eine Platte voll Pumpernickeltalern mit einem Kleks Creme fraiche und viel, viel Lachsersatz (gehäckselt natürlich) obendrauf aufs Party-Bufett – was ist wohl immer als erstes ratzekahl weggeputzt? – Eben.

  10. @Christel:
    eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss ;-)) Interessieren würde mich die Wirkung auf Dich ja schon. Aber kann ich dazu raten? Mit gutem Gewissen jedenfalls nicht. Ob beichten hilft?
    @Gabi:
    und obendrauf noch dieser komische Kaviarersatz. Boah, habe ich mich toll gefühlt – Russenei hieß das Zeug. Schmeckt heute bestimmt genau so wie s.o.
    @Kaffeebohne:
    die Schnitzelversion gab (gibt?) es bei Nordsee im Brötchen. Das haben wir uns damals (ich arbeite schon seit 1994 nicht mehr in der Pflege) auch öfter „gegönnt“.

  11. Au ja, Lachsersatz, grins… Die gehäckselte Version, auf remouladen-beklecksten halben Eiern serviert, war der Höhepunkt diverser Cocktailparties meiner Eltern in den 70ern, so meine ich mich dumpf zu erinnern. Gegessen habe ich die allerdings nie – ich hatte es mehr mit den Fliegenpilz-Eiern und den Käse-Mandarinenwürfeln an Salzstangen 🙂

  12. @Hedonistin:
    auch wenn mich beim Kommentieren bei Dir zuweilen der Übermut packt, so ernenne ich Dich doch für heute zu meiner
    LIEBLINGSBLOGGERIN!!!
    Mein Leben hat wieder einen Sinn.

  13. Ähnliches auch schon erlebt habend, weigere ich mich, die Ursache für den Geschmacksschock in meinem eigenen Verfall zu sehen: Das Zeug war früher mal wirklich besser. Damals, als die Foodindustrie noch nicht so hochgerüstet und noch keine Unterabteilung der chemischen Industrie war. Das muss einfach so sein, denn schließlich hatten wir in jüngeren Jahren noch Hochleistungsgeschmackspapillen, die uns nicht dermaßen in die Irre geführt haben können. 🙂

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