Teil 5: Dreistöckige Hochzeitstorte zur Goldhochzeit meiner Eltern: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…..

So, Sachertorte, Schichtkuchen und Baumkuchen hätten wir also. Nun ging es ans Verzieren.

70 Rosen sollten gefertigt werden.

Der erste Versuch wurde aus Marzipan hergestellt. Schon das Arbeiten mit der Masse gefiel mir nicht. Die Finger wurden klebrig, die Farbe war nicht schön (wie bitteschön bekommt man Marzipan champagnerfarben?), die Blätter waren recht dick und irgendwie konnte ich mich mit Marzipan nicht anfreunden.Dafür freute sich die Enkelin meiner Nachbarin, sie bekam Marzipanrosen geschenkt und war mächtig stolz.

Der nächste Versuch wurde mit Fondant gestartet. Schon besser! Aber die Blätter waren immer noch ziemlich dick und behielten nicht die Form, wenn ich sie dünn ausgerollt hatte.

Fondantrosen_3_arbeitsschritt 

Nach ein wenig Übung sahen die Rosen zwar besser aus, aber sie entsprachen noch noch nicht dem, was mir vorschwebte.

Fondantrosen_goldhochzeit 

In den Internetforen war von "Gum Paste" die Rede – zum Ausprobieren habe ich mir ein Paket bestellt und ich war sehr angetan von dem Produkt. Es ist essbar, lässt sich herrlich dünn ausrollen, mit den Fingern gut modellieren, es trocknet schnell und es behält die Form. Zudem lässt es sich wunderbar färben und man kann es selber herstellen (Zum verlinkten Rezept eine Anmerkung: das dort benötigte CMC ist Cellulose Gum und das ist genau das hier – gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert und ist viel günstiger in der Anschaffung als CMC).

Prima! Es ging also los.

Arbeitsplatz_torte_goldhochzeit 

Vierzehn Tage lang sah die Essecke so aus….

Arbeitstisch_von_oben_goldhochzeit 

Zunächst wurden Steckschaumkissen und Holzstäbchen angeschafft. Irgendwo mussten die Rosen ja stehen und trocknen. Ausstecher für die Blätter, Pinsel, Rollhölzer usw. kamen ebenfalls zum Einsatz.

Eine Rose besteht aus 17 Einzelteilen. Zunächst wird ein Stück Gum Paste gefärbt, kugelig gerollt, dann konisch geformt und auf einen angefeuchteten Schaschlikspieß gesteckt. Auf dieses Innenteil werden später die Rosenblätter geklebt. Den Spieß steckt man in den Steckschaumkeil und lässt das ganze trocknen. Mindestens bis zum nächsten Tag:

Innenleben_rosen_goldhochzeit 

Um diesen inneren Kern wird eine Art Deckblatt geklebt. Es wird genau so hergestellt, wie die weiteren Blätter. Eine Portion Gum Paste (nicht zuviel, da die Masse schnell trocknet – Rest schnell wieder in einen Plastikbeutel oder eine gut schließende Plastikdose geben)

Gum_paste_1

wird ungefähr so weit ausgerollt, wie ein 5-Cent-Stück dick ist. Dann sticht man mit einem speziellen Ausstecher das Blatt aus.

Gh_gum_paste_2

Mit einem Holzstäbchen wird die gebogene, breitere Seite dünn ausgerollt,

Gh_gum_paste_3_2

das untere Ende mit Wasser benetzt und dann schön rundherum um den "Rosenkern" geklebt. Wichtig ist hierbei, dass man dieses Blatt recht hoch ansetzt, damit es oben beinahe geschlossen ist.

Gh_gum_paste_rose_2_arbeitsschritt 

Das Exemplar hier ist ein wenig zu dick, aber so ungefähr sollte es sein.

Nach dem Trocknen werden in bekannter Manier drei Rosenblätter gefertigt und überlappend aufgeklebt. Nach einem weiteren Trocknungsvorgang werden fünf Blätter angebracht

Gh_gum_paste_rose_4_arbeitsschritt 

und in einem letzten Arbeitsschritt wird die Rose mit sieben Blättern bestückt und darf endgültig trocknen.

Gh_gum_paste_rose_fertig 

Eierkartons bieten eine gute Möglichkeit, die getrockneten Blüten aufzubewahren oder zu transportieren – einen Teil der 70 Blüten seht ihr hier:

Gh_gum_paste_rosenschwemme 

Nach dieser Aktion lagen meine Nerven blank. Am 26.06. fuhr ich nach Möchengladbach – bis dahin mussten alle Vorbereitungen abgeschlossen sein. Am 25.06.2008, mittwochs, beim Deutschlandspiel, saßen Norbert und ich bis tief in die Nacht und fertigten Rosen, Rosen, Rosen – ganz geschafft haben wir es nicht, alle Blüten mit sieben Blättern zu versehen. Deshalb werdet ihr bei der fertigen Torte am Rand der oberen Etage auch Blüten mit nur fünf Blättern sehen.

Fazit: die Dinger lassen sich endlos aufbewahren. Falls ihr in den nächsten 25 Jahren plant, eine Torte mit Blüten zu bestücken… fangt einfach sofort an, sie herzustellen. Ich jedenfalls werde so schnell keine mehr machen, obwohl ich meine Fertigkeiten mittlerweile stark verbessert habe:

Kletterrose_rosarium_uetersen

Bald haben wir es also geschafft. Die Torte muss noch dekoriert und gestapelt werden, dann wird sie präsentiert… bald!!!!

PS: kleiner Scherz, hihihi. Die schöne Rose stammt aus unserem Garten und ist die Kletterrose Rosarium Uetersen.

Fortsetzung: Teil 6 

22 Antworten auf „Teil 5: Dreistöckige Hochzeitstorte zur Goldhochzeit meiner Eltern: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…..“

  1. Meine Hochachtung – einfach WAHNSINN wie du das alles gemacht hast!!!!!
    …und bei der nächsten Torte geht sicher alles viel schneller von der Hand, wenn man nun so geübt ist 😉

  2. @Eva:
    das ist Musik in meinen Ohren (bzw. in meinen Augen – ich hör ja nix) – Dankeschön!
    @lavaterra:
    tief Luft holen, sonst verpasst Du das Finale ;-))

  3. Jutta, mir fehlen die Worte! – Die Rosen sind so was von schön, aber der Weg dahin…nein, das wäre nichts für mich; aber ich bewundere dich und deine Eltern wird es begeistert haben! – Aber noch mehr als deine künstlerische, gestalterische Ader gefällt mir deine Art zu schreiben und meine Lachmuskeln bis aufs Äußerste anzuregen = DANKE für die tollen Berichte!

  4. @Sivie:
    ich war nahe dran. Aber beim Dekorieren hätte wirklich nicht eine Rose fehlen dürfen. Es hat haarscharf hingehauen.
    @Petra:
    das hört sich sehr vernünftig an ;-))
    @lamiacucina:
    ob Du es glaubst oder nicht, wir haben in der Familie schon drüber gesprochen. Egal, was ich alles über diese Torte schreibe. Sollten meine Eltern dieses Fest wirklich noch feiern, dann lege ich wieder los.
    @rike:
    und Basteln gehört nun überhaupt nicht zu meinen Hobbies. Wie sagt der Rheinländer so treffend: “ Datt is datt gröttste Leed, watt der Minsch sisch selvs andeet.“

  5. Wow!! Die ganzen Rosen selber hinzubekommen. Wahnsinn!! Ich habe die bis jetzt immer fertig gekauft. Ob ich die Geduld hätte weißm ich nicht. Dabei bastel ich eigentlich ganz gerne.

  6. Ich sitz hier nur und schüttel den Kopf – unglaublich, was man sich freiwillig antut 😉 Auch wenn du das so schön dokumentierst – ich glaube nicht, dass ich jemals solche Rosen in dieser Anzahl formen werde.

  7. @Brigitte:
    wenn man sonst keine Hobbys hat 😉
    @Petra:
    wenn man das Ergebnis sieht, ist es ja toll – aber bis dahin, oh nee! Freut mich, dass Dir die Tortenlitanei gefällt. Am Ende gibt es dann aber auch ein paar Impressionen von der Feier und dem Ausflug – nicht nur Torte. Übrigens habe ich Schoko-Amarena-Kuchen im Glas gebacken. Meinen Verwandten hat er sehr gut geschmeckt und mir auch. Das Rezept findest Du hier: http://www.foolforfood.de/index.php/2005/11/11/schokokuchen_mit_amarenakirschen_im_glas

  8. Das ist ja Wahnsinn. Hat dir keiner gesagt, dass man fertige Rosen und Deko-Teile im Bäckerei-Fachhandel kaufen kann? Aber so toll und liebevoll wie deine sind sie natürlich nicht. Hut ab vor deiner Arbeit und den tollen Blogbeiträgen. Wollte heute morgen schon kommentieren, aber irgendwas hat mich nicht gemocht. Also dann jetzt.
    Bin auf die fertige Torte gespannt. Liebe Grüße

  9. @Brigitte:
    Du bist auf diesem Gebiet ja ohnehin sehr versiert und das nicht nur beim Kuchenbacken und -dekorieren. Ich kann mir schon vorstellen, solche Dinge aus Spaß zu probieren. Aber weil ich noch nie zuvor eine solche Torte hergestellt hatte, bin ich mit dem Zeitplan (welcher Plan eigentlich??) total ins Schleudern geraten. Zur Zeit denke ich aber bereits wieder über eine Torte (aber eine kleine!!!) für eine Achtjährige nach. Eine Motivtorte, als Brunnen gestaltet, mit einem Froschkönig. Ich fürchte, das Virus hat mich erwischt…

  10. Ich bin beeindruckt. So viele herrliche Rosen, toll. Ich mache sowas ja sehr gerne, aber mehr aus Spaß. Wenn das erste Rosenbasteln gleich zu so einem tollen Anlass sein soll, artet es allerdings ganz schön in Stress aus. Aber Jutta, du steckst das doch weg, gell? Und das dein Mann dir geholfen hat, finde ich Klasse.
    Die Herstellung hast du prima gezeigt, man bekommt Lust zum Rosen basteln.

  11. @Barbara:
    ist notiert – aber ich muss erst mal wieder zu Kräften kommen – ich musste mich nachmittags hinlegen, weil ich so kaputt war. Dabei träumte ich, dass Ben Becker und Klaus Kinski in einem heißen, asiatischen Land eine Kneipe eröffnen. Diese Kneipe war in einem Rund angeordnet und ich buk dort Eierkuchen, indem ich den Teig aus einem 10-Liter-Eimer mit Schwung im Rund an der Wand entlag auf dem Boden verteilte. Nach kurzer Zeit war der riesige Eierkuchen fertig, wurde in Stücke gerissen und verteilt…. das sollte mir doch wirklich zu denken geben, oder? Ich glaube, ich brauche eine Pause ;-))

  12. Jutta, Du bist ja verrückt!!! 😉
    Das ist wirklich der totale Wahnsinn. Die Rosen sehen wunderschön aus, aber sind sooo aufwändig und zeitintensiv.
    Mir gefallen die Rosen mit 5 Blättern übrigens besser als die ganz vollen mit 7, also falls Du für mich mal eine Torte backen solltest… 😉

  13. Nie, nie, nie würde ich sowas tun, das wusste ich immer schon, und hätte ich Zweifel gehabt, wären sie jetzt beseitigt. Rosen müssen allein wachsen. Ein bisschen Hilfe in Form von Dünger, ok, aber mehr ist nicht. 🙂
    Und es ist unglaublich, wie du das hingekriegt hast. Die sehen einfach toll aus.

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