Teil 2 – Laborbericht: Integration des Miele DGC 5080 // Testbericht – Kaisersemmeln

Wer lehret mich? was soll ich meiden?

Soll ich gehorchen jenem Drang?

(J. W. Goethe – Faust)

Miele - DGC 5080

Fragen über Fragen und auch im Hause S. taten sich während des und nach dem Praktikum(s) ähnliche Gedanken auf. Sollten wir das Wagnis eingehen und unser Dasein der ausufernden Zubereitung von Mahlzeiten unter Nutzung hochwertigen Geräts weihen? Fortan Lukullus huldigen und unsere Namen mit dem Zusatz  Gourmand "Gourmet" schmücken? Der Zunahme an Körperfülle bei gleichzeitiger Abnahme des pekuniären Polsters frohgemut entgegenstreben?

Um zweifelsfreie Klarheit zu erlangen, wurde eine weitere Kapazität hinzugezogen. Claudia Fool for Food, Trendsetterin auf dem Gebiet der Dampfgarerforschung,  hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr dem Combi-Dampfgaren zugewandt und hier beträchtliche Erfolge erzielt. Unsere Forschungen und Erkenntnisse können daher nur Ergänzungen ihres umfassenden Oeuvres sein. Allerdings verfügt sie nicht über die technischen Möglichkeiten, um vergleichende Arbeiten durchzuführen. Ein Manzfred befindet sich nicht in ihrem Besitz. Gerne sind wir deshalb bereit, hier  Nischenforschung zu betreiben und über deren Fortgang zu berichten.

Nach einem regen Diskurs zwischen uns hessischen Novizen und der Futterverrückten aus Hamburg kristallisierte sich schnell heraus, dass ab sofort kulinarische Versuche mittels eines Miele Combi-Dampfgarers angestellt werden. Schnellstens wurde der Umbau des bereits recht gut ausgestatteten Wöllstädter Labors in die Wege geleitet. 

Schützenhilfe leistete auch diesmal Küchenstudio Kern aus dem benachbarten Bad Nauheim, mit dem die "Akademie für lecker Essen" bereits beim Einbau des Manzfreds gute Erfahrungen gemacht hatten.

In Windeseile wurden der Umbau der Räumlichkeiten, die Lieferung des Testgeräts sowie dessen Einbau absolviert. Innerhalb von nur vier Tagen schuf ein engagiertes Team die notwendigen Voraussetzungen, um in die heiße Phase der nach ihrer Anzahl zum Unendlichen hin tendierenden Testreihen einsteigen zu können.

Zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin mutiert, begann ich das aufopferungsvolle Werk im Dienste des guten Geschmacks mit der Zubereitung von Kaisersemmeln. Frau Marla, eine Garantin für Kleinode gelingsicheren Backwerks, stellte ohne ihr Wissen selbstlos eine Anleitung für jene hochherrschaftlichen Brötchen zu Verfügung.

Manz und Miele, schweigsam ob der großen, an sie gestellten Herausforderung, harrten der Semmeln, die da kommen sollten.

Miele-Manz, gegangen

Beide Probanden bekamen exaktement die gleichen Teigstücke nach bewährter Rezeptur (s.o.) vorgesetzt. Gewicht, Knetzeit, Ausformung, Gehzeit, alles identisch.

Nach ausreichender Ruhephase wurde es dann ernst.

Während sich Manzfred in der rechten Ecke schon einmal warm machte und es in genau 27 Minuten schaffte, die benötigte Arbeitstemperatur zu erreichen, schaute Miele zu. Kühl, ruhig, beinahe ein wenig überheblich. Hier genügte eine kurze Programmierung nach Einschieben des Backwerks und schon ging er seinen Weg allein.

Automatik – Backen – Weizenbrötchen – 1 Ebene – Bräunungsgrad mittel – sofort starten. Nach einer gewissen Aufheizzeit setzte eine unglaubliche Beschwadung mit Dampf ein, dem die Teiglinge nichts mehr entgegenzusetzen hatten.

Am Ende erreichten beide Geräte ungefähr zeitgleich ihr Ziel und versorgten uns mit köstlichem Gebäck.

Miele - Manz, fertig

Manzfred:

rustikal aussehende, knusprige Semmeln, die nichts von ihrer Bemehlung eingebüßt hatten. Die Form hatte sich während des Backvorgangs nicht großartig verändert, die Ausgangformung war gut zu erkennen. Krume feinporig, Kruste knackig.

Miele:

Bemehlung durch die Bedampfung zu Beginn des Backens nicht mehr vorhanden. Form hat stark gelitten, die Konturen sind miteinander verschmolzen. Krume feinporig mit minimalem Hang zur Kleisterigkeit. Kruste knackig, allerdings ist die Unterseite recht weich.Dafür glänzen die Semmeln wunderschön, als wären sie mit etwas bestrichen. Liegt wahrscheinlich an der Stärke im Mehl, das sich durch den Dampf aufgelöst hat. 

Miele - Manz, Krume

Fazit:

wer Manzfred  nicht kennt, wird mit dem Backergebnis des Mielegerätes hochzufrieden sein. Im direkten Vergleich gewinnt allerdings der gute Manzfred (mir ist ein Stein vom Herzen gefallen!).

Gedankengänge:

Nach dem Besuch des Miele-Kocherlebnisses war ich angenehm überrascht, was die Öfen alles können. Die Technik, die vielfältigen Programmierungsmöglichkeiten und die Ergebnisse beim Kochen und Braten waren sehr überzeugend. Zudem haben die Öfen durch die Klimagarfunktion, bei der Dampfstöße in den Innenraum geleitet werden, Gärschrank- bzw. Bäckereiofencharakter. Fleisch garen wird sehr bequem durch Niedrigtemperaturgarfunktionen, Bratenthermometer mit Kerntemperaturmessung und all die anderen tollen Möglichkeiten, die sich mit den Backöfen bieten.

Nur, ich habe bereits zwei Backöfen. Einen ganz normalen Mieleherd mit integriertem Kochfeld, den ich gerne behalten wollte und den guten Manzfred, der im August zum ersten Mal Geburtstag feiern durfte (na ja, zum zweiten Mal, aber das nehme ich jetzt nicht so genau). Hätten wir uns noch einen Einbauofen gekauft, dann hätten wir drei Exemplare gehabt. Aber keinen Dampfgarer. Dessen Vorzüge sind mir zum ersten Mal während des Kocherlebnisses aufgegangen. Das war schon toll, zu sehen, wie Gemüse aussieht und schmeckt, das im Dampf lag statt im Wasser. Drucklos dampfgaren kann der Manzfred eigentlich auch – aber nicht so!

Zudem gab es ja noch die Möglichkeit, ein Combigerät zu kaufen, das, neben der bis 100 °C reichenden Dampfgarmethode noch einige Vorzüge eines normalen Backofens bietet. Ober- und Unterhitze sowie Grillfunktion sind nicht vorhanden. Aber sonst? Der Garraum ist klein. 32 Liter (Petra Holzapfel! Aufgemerkt!) ersetzen keinen normalen Backofen. Aber als Ergänzung zum vorhandenen Maschinenpark kann ich mir den Miele schon jetzt nicht mehr wegdenken.

Und sollte der "alte" Mieleherd einmal das Zeitliche segnen, dann wird aber sofort ein Einbaubackofen angeschafft. Auch wenn ich mich dann von meinem heißgeliebten, riesigen Kochfeld trennen müsste. Aber bis dahin wird noch so mancher Trunk die Kehle benetzen und so macher Bissen den Magen füllen.

Und soll ich euch mal was verraten? Ich habe zur Zeit tatsächlich keine Pläne, die Küche zu erweitern, mich auf anderen Gebieten der Forschung zu betätigen. 

 

20 Antworten auf „Teil 2 – Laborbericht: Integration des Miele DGC 5080 // Testbericht – Kaisersemmeln“

  1. Danke für diesen informativen Bericht.
    Ich bin schon lange Besitzerin eines Miele DGC den ich endlich auch mehr nutzen möchte.
    Schau mal, ich schreibe im November 2014.
    Deine Rezepte gefallen mir jetzt beim kurzen lesen sehr sehr gut.
    Deine Seite kenne ich seit längerem.
    Leider fehlt ein Blog der Rezepte für diesen Miele DGC mit genau diesen Funktionen d.h. Keine BO bzw. grillfunktion, dafür habe ich einen Backofen.
    Du bist mit vielen anderen Rezepten beschäftigt, ich warte gespannt auf Deine Rezepte
    Gruß
    Ingrid

  2. Es ist wirklich immer eine Vergleichssache: Wie Du schon schreibst: Wer keinen Vergleich hat, freut sich auch über die Brötchen aus dem DGC. Hätte auch vermutet, dass Dein Manzfred bei Brot & Brötchen die Nase vorn hat.

  3. Hallo Schnuppschnüss,
    wenn Du das Klimagaren genommen hättest,
    das nehme ich am liebsten als Besitzer
    eines 5461,
    wäre wahrscheinlich der Manz nicht der Sieger
    gewesen.
    Mit den von Dir probierten Automatikprogramm
    bekomme ich auch nicht die Ergebnisse, die wir
    und wünschen.
    Eine schöne Beschreibung von Dir.
    HBG
    eibauer

  4. Meine Schwestern haben mich schon veräppelt und sich vorgestellt, wie mein Zimmer im Altenheim aussehen wird. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und ansonsten nur Küchengeräte. Gehen wir mal davon aus, dass so ein Herd 20 Jahre hält, dann wäre das vielleicht auch was für Dich, oder? Wir können ja ne WG ins Auge fassen.

  5. Sehr interessant. Toller Bericht, danke! Leider kannte ich den Manz noch nicht als ich meinen AEG erstanden hab…. 6 Jahre hmmmm, wie alt werden die Dinger im Durchschnitt ? *grins

  6. Mir war sofort klar, dass die Brötchen aus dem Manz gewinnen, ich habe ja mit dem DGC 4080 (dem Vorgänger des DGC 5080) die gleichen Erfahrungen gemacht. ;.)
    Trotzdem schätze ich den Combi sehr, nur eben nicht zum Brot und Brötchen backen.

  7. Danke für den interessanten Testvergleich. Zum Glück läuft mein Miele Backofen noch, aber falls er mal das zeitliche Segnen sollte, weiss ich wo ich Nachlesen muss.

  8. Und Du hast noch einen großen Vorteil – Du kennst die Originale, weißt, wie sie schmecken sollten. Das kann ich nicht beurteilen, da nützt der schönste Dampfgarer nichts. Ich habe, nachdem ich beim Kocherlebnis war und das Gerät noch nicht hatte, alles nachgekocht, was dort angeboten wurde. Das geht auch… ich habe z. B. den Dampfgaraufsatz vom Thermomix benutzt, um Gemüse zu garen. Es ist ja nicht so, dass man nur mit Miele gute Ergebnisse erzielen kann. Ich hatte jahrelang so ein aufklappbares Metalldings, das man in einen Topf mit Wasser setzte, um Gemüse im Dampf zu garen. Klappte ebenfalls. Und die dreistöckigen Bambusgarer sehen toll aus und sind seit Urzeiten erprobt. Warum also nicht?

  9. Schön, die Brötchen; schöner aus dem Manz, für meinen Geschmack.
    Ich dachte auch seit Jahren an einen Dampfgarer, ja, nur Miele wäre in Frage gekommen, aber Frau H fand, wir müssten nicht alles haben. Da hat sie schon Recht, alles nicht, aber einen Miele Dampfgarer. Dann sie, ja, eigentlich habe sie nichts gegen Dampfgaren. Und so haben wir seit einigen Wochen einen Dampfgarer, aus Bambus, 3-stöckig. Er gibt sehr gute Resultate mit Gemüse, Fisch, Garnelen und so. Semmeln oder Brötchen versuchten wir nich nicht, sie kämen wohl raus wie die weissen chinesischen Baos.

  10. Herrlich suhle ich kleine Profankocherin mich in diesen Spähren kochbacktechnischer Genusskunst und sehne gierig nach mehr!
    P.S.: Und bleibe heimisch doch der Profanität verschrieben!
    Wie schön, hier in Wörtern, Texten, Bildern, nicht zuletzt kreativer Phantasie (!) schwelgen zu dürfen. Danke!

  11. Ja Brigitte, das ist ja toll. Eben, beim Spülen, haben Norbert und ich uns noch über Holzbacköfen unterhalten. Wenn wir einen größeren Garten hätten, würde er (ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört) sich so ein Teil in die Botanik setzen. Da wäre ich natürlich sofort Feuer und Flamme (hihihi), aber das geht nicht. Super, dass Du jetzt Deine Leidenschaft auch mal beim Holzofenbacken ausleben kannst. Das werden aber bestimmt interessante Berichte. Ich muss öfter mal bei euch vorbeischauen!!!

  12. Na ein Glück, dass Manzfred bei den Brötchen die Nase vorne hat. Ich hätte wirklich nicht gewusst, wohin mit einem neuen Gerät, auch wenn sich deine Beschreibungen über das Garen von Gemüse und Fleisch im Dampfgarer seeeehr verführerisch anhören.
    Ab März werde ich auch neue Erfahrungen als Holzofenbäckerin in unserem „Joint Venture Holzbackofenunternehmen“ sammeln können. Da wird das gute Stück von Häussler nämlich in den Garten unserer Tochter geliefert.

  13. Ja, die Aufheizdauer war für mich der ausschlaggebende Punkt, den Manz zu kaufen. Zudem bekommt man für Manzfred Strom aus der Steckdose und muss nicht noch Anschlüsse legen lassen. Aber das Backergebnis beim Häussler ist trotzdem toll und als Brotbackofen für den größeren Bedarf macht er eine sehr gute Figur. Na ja, wem erzähle ich das 🙂

  14. Danke für den Bericht! Für mich war schon klar, dass nur ein großer Backofen in Frage kommt – ich habe die beiden Modelle schon mal geistig an die Pinnwand gehängt. Zum Backen gefällt mir dein Manz aber wirklich besser als der Dampfgarer (zur Aufheizzeit meines Primus sag ich jetzt lieber nix ;-))

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