Die Mumie kehrt zurück

Bardierte Putenbrust, Anschnitt

Ich hatte immer schon ein Faible für das Alte Ägypten. Schon bevor es diesen bescheuerten Film gab, der als Namenspate für den Eintrag fungiert (ich bin für nix fies).

Gerade dem Grundschulalter entwachsen, kopierte ich Hieroglyphen aus Büchern über die Herrscher-Dynastien am Nil und der Held meiner Kindheit hieß nicht Papa oder Supermann, sondern Champollion. Zudem konnte ich mir sehr gut vorstellen, als strenge Pharaonin ein Volk zu unterdrücken regieren, in Eselsmilch zu baden und dabei als einzigen Schmuck Amulette aus Skarabäen zu tragen.

Später habe ich natürlich Nofretete in Berlin besucht und Tutanchamun in Köln, ich weiß, wer Isis und Osiris waren und Mumien ziehen mich immer noch, Belphegor sei Dank, magisch in ihren Bann.

Deshalb war ich beinahe gerührt, als ich in einem Mielekochbuch nun auch noch das passende Gericht zum  Steckenpferd fand:

Putenbrust, Mumie1

Bardierte Rinderbrust heißt es dort ganz unschuldig. Rinderfilet war zu teuer, deshalb wurde Putenbrust verwendet. Egal – denn was sich nach Aufenthalt im Combidampfgarer unter der Verpackung verbarg, das ließ unsere Herzen höher schlagen.

Bardierte Putenbrust

Eine Putenbrust wird mit einer Kräuter-Senf-Masse bestrichen, mit Speck ummantelt und dann mit Hilfe eines Temperaturfühlers (und eines Backofens) auf den Punkt gebraten. Ergebnis war ein butterzartes, saftiges Stück Fleisch, wie es hier bisher nur selten auf den Tisch kam.

Bardierte Putenbrust, ganz und knusprig

Ein Salzen der Beilagen ist nicht notwendig. Die über den Esstisch fließenden Freudentränen genügen als Würze vollauf.

Unbeeindruckt vom  Fluch des Pharao ("Bitte gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen. Es geht uns gut!!!!!") machen wir weiter und eines ist klar: Die Mumie kehrt zurück.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Bardierte Putenbrust
Kategorien: Geflügel, Bacon, Kräuter, Senf
Menge: 6 Portionen

Zutaten

1     Putenbrust
200 Gramm   Bacon
2-3 Essl.   Senf, körnig
      Salz
      Pfeffer
1/2 Bund   Petersilie, glatt
1 Bund   Schnittlauch

Quelle

  Rezept modifiziert.
  Original: Miele Kochbuch "Combi-Dampfgaren"
  Erfasst *RK* 09.03.2009 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Kräuter hacken, mit Senf, Salz und Pfeffer verrühren und auf die Putenbrust streichen.

Speck dachziegelartig übereinander legen, Fleisch darauf geben, mit dem Speck einwickeln und mit Küchengarn verschnüren.

Mumie auf den Rost legen, Speisenthermometer in die Mitte stechen. Auffangschale in die unterste Ebene und Rost in die 2. Ebene von unten einschieben und starten.

Einstellung: Combigaren / 1. Schritt: 200 °C, 95% Feuchte, 20 Minuten / 2. Schritt: 100 °C, 30% Feuchte, Kerntemperatur 85 °C

Fleisch in Alufolie wickeln und im auf 60 °C vorgeheizten Backofen noch 10 Minuten entspannen lassen.

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19 Antworten auf „Die Mumie kehrt zurück“

  1. De Egyptenaren hebben veel dieren en mensen gemummificeerd, maar eh…. de kalkoen????? Die kwam bij de Azteken vandaan. Kennen we pas uit de 16e eeuw in Europa. En zo is dit een prachtige timefusionmummie!

  2. Herrlich, gell? Ich fand früher unvorstellbar, wie eine verlorene Sprache wieder ans Licht gebracht wird. Die minoische Linearschrift A z. B. ist nur fragmentarisch entziffert – faszinierend, dass es mit den zur Verfügung stehenden modernen Mitteln noch nicht komplett gelungen ist.

  3. Ich glaube, hier spielt das Bratenthermometer die Hauptrolle. Im Prinzip ist es ja egal, wie gegart wird, Hauptsache Du hast irgendwann die richtige Kerntemperatur. Ich würde dann eine Temperatur verwenden, die Du normalerweise für Braten nimmst und die dann ein bissi reduzieren.
    Aber bitte nicht so wie Marge Simpson, die gestern unter Zeitdruck Kuchen buk: „Mhh, 30 Minuten bei 200 °C? Das sind dann 5 Minuten bei 1200 °C!“

  4. Jepp! Ich finde, das Bacon sieht aus wie die Binden, die um den Verstorbenen gewickelt wurden (ich hoffe, ich verderbe hier keinem Leser den Appetit…). Und Mumien sind halt auch Päckchen – in gewisser Weise. Nur meine schmeckt besser und ist saftiger :-))

  5. ich habe den Text 2 x durchgelesen, was mir sonst nie passiert!!, aber ich verstehe nicht ganz den Zusammenhang zwischen dem bardierten Teil und Ägypten? Weil’s in Speck und Alufolie eingepackt war?

  6. Das ist nicht nur ein tolles Rezept, sondern wieder mal sehr witzig geschrieben. Ein Genuss, schon vor dem Nachmachen. Ich müsste es allerdings in einem ganz konventionellen Backofen garen.

  7. Hallo Jutta,
    das hast du jetzt falsch verstanden…mein Juno kann auch Dampf und Heissluft
    im Wechsel, aber ich kann nicht so viele verschiedene Feuchteprozente
    einstellen, wie ds bei deinem Miele möglich ist.
    Bei mir geht nur: Heißluft (75%) und Dampferzeuger (25%) im Wechsel
    Und so ist die Frage, ob dann noch was an den von dir genannten Zeiten oder
    so geändert werden müsste??! (dieses Problem habe ich bei allen Miele
    Rezepten, die andere Feuchteprozente angeben als meine 25%)
    Hoffentlich ist es jetzt verständlicher wie ich das meine? 🙂

  8. Hi Eva,
    ich glaube, dass der Braten auch ganz konventionell mit Ober- und Unterhitze gelingt. Ich würde dann die Temperatur nicht ganz so hoch wählen und ihn bei ca. 160 °C so lange braten, bis die Kerntemperatur erreicht ist. Das sollte eigentlich klappen, oder? Falls das Bacon nicht knusprig genug ist, könnte man am Ende der Zubereitung für ein paar Minuten die Temperatur stark erhöhen. Im Prinzip müsste das Fleisch auch bei Niedrigtemperatur gelingen, allerdings nicht bei 80 °C, da würde ich dann schon 100 °C und viel Geduld empfehlen.

  9. Wow, dass das Stück butterzart und saftig ist, sieht man – Kompliment! – Leider kann ich bei mir keine verschiedenen Feuchtestufen einstellen, ob mir das dann also auch so gut gelingen würde??? Käme aber mal auf einen Versuch an – danke fürs Rezept!

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