Nasenspitzenbrot nach Art der Peppinella (M)

Nasenspitzenbrot (M), Detail1
 

Zunächst mal soviel: das ist eigentlich ein Brot nach Art des Peppinello. Aber nach dem, was man so liest, nimmt man das in der Familie Peppinelli nicht so genau. Partiell. Und da "Die" schließlich bloggt und der Herr Peppinello kocht (hüstel…), schreibe ich das Brot mal der Frau Peppinella auf die Fahne. Aus Gründen der Ausgewogenheit.

Dann noch die kleine Anmerkung, dass ich keine Ahnung von italienischen Endungen habe. Falls sie nicht stimmen, denkt euch einfach die richtigen.

Vorausschicken möchte ich ebenfalls, dass ich keiner Gefahr aus dem Wege gehe. Ich habe, nur getragen durch die Kraft meiner Muskeln, haushohe Wellenberge im hiesigen Hallenbad durchpflügt. Unerschrocken blickte ich den wildesten Tieren ins Auge – zuletzt im Kronberger Zoo. Ich habe die höchsten Gipfel bezwungen – per Seilbahn in der Steiermark und auch in Bayern.Todesmutig bin ich von Teppichkanten gesprungen und auch die Eiswüsten Grönlands sind mir nicht fremd. Aus dem Fenster des Flugzeugs betrachtet, machen sie einen schauerlich-gefährlichen Eindruck.

Diesmal jedoch grenzte die Herausforderung ans Unmenschliche.

Ein Brot sollte gebacken werden. Nun gut, das ist nicht schwer.

Nasenspitzenbrot (M), ungebacken

Die Mengenangaben waren ein wenig vage, aber so ein bisschen Spannung darf ruhig sein. Kreativität war gefragt. Heraus kam das:

Nasenspitzenbrot (M)1a

Aaaaaber! Aufgepasst! Wie kann der versierte Backenthusiast feststellen, ob ein Brot durchgebacken ist? Ulrike wird sagen: Mit dem Thermometer. Das haben wir aber nicht zur Hand! Und nu?

Richtig!!!! Per Klopfprobe. Einfach Brot aus dem Ofen holen und auf den Boden klopfen. Auf den Boden des Brotes, versteht sich. Klingt es hohl, dann ist das Brot fertig.

Nun hatte aber Herr Peppinello, der gelernte Bäcker, die glorreiche Idee, seiner Frau einen Trick zu verraten, von dem ich nicht sicher bin, ob der nicht vielleicht ein wenig, ein ganz kleines bisschen, ein Hauch Verarsche war. Er behauptete allen Ernstes, dass man den Boden des gerade aus dem Ofen geholten Brotes an seine Nasenspitze halten solle. Fühle es sich kühl an, sei das Brot fertig (mein Vater hat meiner Mutter mal erzählt, dass man heiße Töpfe fest anfassen muss, dann würde man sich nicht verbrennen…ich kann mich noch heute gut an die blasige Haut auf den Händen der Mama erinnern).

Freunde, ich bin ein leichtgläubiger Mensch. Ein Mensch, der immer nur das Gute und Edle im Gegenüber vermutet. Ich hab' das deshalb auch gemacht. Ich bin das Wagnis, dieses unglaubliche Abenteuer, eingegangen. Kaum gelesen, hatte ich schon die Zutaten in die KitchenAid gepfeffert und das Brot gebacken. Das sah nach dem Backen und Aufschneiden so aus:

Nasenspitzenbrot (M), Anschnitt

Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Bitte greift in die Taschen eurer Mäntel, Hosen, Kittelschürzen. Zieht ein Taschentuch hervor und trocknet die noch nicht vorhandenen, aber in Kürze aus euren Augen hervorsprudelnden Tränen. Denn nachdem ich das dampfende Brot aus dem Ofen holte und es in Richtung meines Riechkolbens führte (Omma sagt: Griechisches Profil), um das Husarenstück zu einem ruhmreichen Ende zu bringen…

… sah meine Nase so aus:

Nasenspitze ohne Brot

Ich möchte Roberts Leistung bei der Verkostung von Meeresgekröse nicht schmälern. Er hat meine Hochachtung, aber…

… der Worte sind genug gewechselt. Nur noch das Rezept. Und vielleicht, zu guter Letzt, die eventuell nicht ganz unerhebliche Mitteilung, dass das Brot eingeschlagen ist wie eine Bombe. Total lecker, knusprig, krachig. Ich hab' auch beinahe geweint. Vor Glück.

Bravo, Bravissimo, Peppinelli! 

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Nasenspitzenbrot nach Art der Peppinella (M)
Kategorien: Hefe, Weizen, Neutral
Menge: 1 Brot

Zutaten

750 Gramm   Weizenmehl, Type 405
1 Würfel   Hefe
350-450 ml   Wasser, lauwarm (hier: ca. 350 ml)
15 Gramm   Salz (2% der Mehlmenge)
1 Schuss   Olivenöl

Quelle

  Rezept erstellt nach einer Steilvorlage von
  "peppinella kocht dir was…"
  http://peppinella.blogspot.com/2009/01/pane-semplice-
  brotbacken-mit-herrn.html
  Erfasst *RK* 27.03.2009 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Alle Zutaten in die KitchenAid geben und 10 Minuten kneten. Zunächst auf Stufe 1, wenn sich alle Zutaten zu einem festen, aber nicht zu festen Teig verbunden haben, auf Stufe 2. Die Wassermenge kann nach Gusto variiert werden. Wer gerne ein feinporiges Brot isst, wie wir es lieben, nimmt eher weniger Wasser. Wer größere Löcher haben möchte, nimmt halt mehr. Aber vorsichtig sein, sonst behält der Laib seine Form nur schlecht beim Gehen und Backen.

Teig abdecken und gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat. Ich habe dafür das Automatik-Programm für Hefeteig des Miele Combidampfgarers genutzt. Dauert eine Stunde.

Teig auf der nicht bis sehr leicht bemehlten Arbeitsfläche durchwalken, nochmals gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Ich habe wieder das Automatik-Programm arbeiten lassen.

Danach zu einem schönen runden Laib formen, auf ein Backblech legen (Jutta: Lochblech und Silpain-Matte), mit vier schnellen, nebeneinanderliegenden Schnitten versehen. Abdecken und so lange gehen lassen, bis der Backofen, den man jetzt anschaltet, auf 180 °C vorgeheizt ist.

Manzfred auf 200 °C vorheizen.

Ist der Ofen vorgeheizt, mit Dampf backen. Dazu Wasser in den Ofen schütten bzw. die Wände des Backofens mit Wasser besprühen. Circa 30-45 Minuten backen.

Wer einen Manzfred hat, kann sich das sparen. Hier wird die Temperatur sofort nach Backbeginn auf 180 °C heruntergefahren. 45 Minuten backen, Tür öffnen, um Schwaden abziehen zu lassen. Weitere 15 Minuten backen.

Und jetzt kommt die Mutprobe: nach Familie Peppinelli ist das Brot fertig gebacken, wenn man die Unterseite des Brotes, sobald es aus dem Ofen kommt, an die Nasenspitze hält. Fühlt es sich nicht heiß an, ist das Brot fertig.

Nun ja, ich halte mich dann doch lieber an die althergebrachte Klopfmethode.

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25 Antworten auf „Nasenspitzenbrot nach Art der Peppinella (M)“

  1. Hallo mehdi,
    eben habe ich noch an Dich gedacht, als ich beim Wühlen nach Sultaninen plötzlich Alu Bokharai in Händen hielt. Wird Zeit, dass ich mal wieder was Iranisches koche.
    Das mit dem Einschneiden stimmt. Der Teig ist recht fest und bis der Ofen vorgeheizt ist, dauert es ja nur noch 20-25 Minuten. Deshalb wird nach dem Formen eingeschnitten. Es schadet aber wahrscheinlich auch nicht, wenn Du erst vor dem Einschießen einschneidest.
    Was den Kuchen angeht, poste ich heute oder morgen ein Käsekuchenrezept. Ich hätte aber nicht schlecht Lust, auf die Suche nach Osterrezepten zu gehen. Mal sehen, ob ich das in den nächsten Tagen schaffe.
    Schön, dass Dir der Beitrag gefallen hat. Ich freue mich immer, wenn Du oder Brigitte hereinschaut. Leider habe ich viel zu selten Zeit, mal bei euch im backrezepte-online Forum zu lauern. Ich wollte mich ja bessern, aber dabei ist es auch geblieben, schäm!
    Liebe Grüße!

  2. Schön war es wieder, liebe Jutta, habe mich köstlich amüsiert, natürlich ohne Schadenfreude;)
    Das Brot wird in ein paar Sekunden rundgewirkt und da war ich ein wenig erstaunt…wird dieses Brot tatsächlich vor (!) der letzten Gare eingeschnitten und nicht erst vorm Einschießen??
    Ich hoffe, es kommen noch ein paar schöne Osterrezepte (vor allem Torten oder Kuchen) von Dir :))
    LG
    mehdi

  3. Ach Jutta, ich lach mir nen Ast!!!! Aber das Brot ist herrlich. Werde ich auf jeden Fall nachbacken und mit der Klopfprobe feststellen, ob es gar ist.

  4. Ja, sagen wir mal so, das Brot zu backen ist ja kein Hexenwerk und die Zutaten sind überschaubar. Aber das mit dem Nasenspitzentest hat mich so fasziniert, dass ich es unbedingt ausprobieren musste. Das Backen war aber eigentlich nur der Aufhänger für die Story. Die „verbrannte“ Nasenspitze war mir sofort eingefallen, als ich bei Peppinella den Bericht gelesen habe. Durch das zweimalige, intensive Gehen und den Schuss Olivenöl war das Brot dann aber überraschend schmackhaft, mit einer ganz knusprigen Kruste. Ein wirklich schönes Brot, das wegen seines neutralen Geschmacks bestens zum Dippen und Stippen geeignet ist.
    Wie Du schon sagst, das ist halt das Schöne und Faszinierende. Mit ein paar Zutaten kann man einfache, wohlschmeckende Dinge zaubern. Wasser, Mehl, Hefe, Salz – fertig ist ein Brot. Ist das nicht toll? Noch besser: Wasser, Mehl = Sauerteig. Wasser, Mehl, Sauerteig, Salz = Brot. Ich bin immer irgendwie andächtig, wenn nach ein paar Stunden oder Tagen die Wasser-Mehl-Pampe zu blubbern anfängt und man mit ihr die schönsten Brote backen kann.

  5. Äh, das fällt mir ja jetzt erst auf, das Rezept kommt mir irgendwie bekannt vor, Basic Bread und Grundteig und so. Da sieht Frau es wieder, Gutes bleibt eben gut

  6. Ach, Jutta, das war wieder so richtig herzerfrischend….hat gut getan an so einem – eigentlich relativ grauen, tristen – Freitagabend; so konnten wenigstens meine Lachmuskeln noch ein wenig arbeiten – danke schön! 🙂

  7. Ist mir auch schon passiert mit dem Schieben 😉 Wir haben das Brot heute mit Paprikasalat und Putenschnitzeln gegessen. Die Schnitzel waren von b*frost und von einer leicht nach Estragon schmeckenden Kräutersauce umhüllt. Den Fleischsaft haben wir dann mit dem Brot aufgetunkt – herrlich!

  8. Ich schließe mich Christel da völlig an. 😉
    Das Brot gefällt mir ausgezeichnet, das werde ich bald nachbacken. Ich schummle es einfach auf die Nachbackliste weit nach vorne.

  9. Oooch, ich komme aber eher nach Neuss als Herr Peppinello nach Frankfurt (glaube ich zumindest). Deshalb würde ich mich opfern und mal Herrn Peppinellos Brot im Original probieren. Natürlich aus rein wissenschaftlichem Interesse im Dienste des Blogs, versteht sich.

  10. Auaaaaaaa, aber was erleidet man nicht alles für ein Lob 🙂 und was machst du jetzt mit Herrn Peppinello?
    Ein italienischer Abend mit Blogfreunden müßte doch drin sein, oder?
    Ich würde mich opfern 🙂

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