Ein letzter Gruß: Gruselköche-Abgesang

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Mit einem furiosen Finale endete gestern in den frühen Morgenstunden eine Ära. Die vielgelesene Samstagskolumne "Gruselköche" wurde eingestellt.

Am Showdown beteiligt waren vier Teilnehmer. Robert L., der Urheber der Serie in 50 Episoden und Träger seltsamer Brillenmodelle, eineiige Gruselkochzwillinge, die aussehen, als hätte sie nach Genuss der von ihnen selbst hergestellten Kost der Schlag getroffen und ein weiterer Koch, vor dem mir auch gruselt, den ich aber leider nicht benennen kann, da mir dessen Name entfallen ist.

In der letzten Woche, nach einer Wanderung am Rheinsteig (Tour 6) und auf dem Weg zum Bahnhof, wurde ein Exemplar der Gruselkoch-Gattung gesichtet, das mich bat, einen letzten Gruß in die Schweiz zu senden:

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Es handelt sich um einen würdigen Vertreter seiner Art, der seltsamerweise statt der Speisekarte eine Blumenampel präsentiert. Im Vordergrund war eine Art Elektrorollstuhl zu sehen (oder ein Golfwagen) – möglicherweise für die Gäste, die nach Verzehr von Mahlzeiten und Getränken angeschlagen ihren Heimweg antreten. In der rechten Hand das ehemalige Blumenarrangement, das an vertrocknete Kränze drei Wochen nach Beerdigungen im Hochsommer erinnert. Oder an die Bestattungskultur auf Kuba.

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Vergehen, Verlust, Ewigkeit. Auch uns meist positiv gestimmten Foodbloggern bleibt die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht erspart.

Auch wir müssen nun Abschied nehmen von vertrauten Gewohnheiten, einer gehörigen Portion Gänsehaut am Samstagmorgen und den ritualisierten Handlungen, die sich mit der Betrachtung dieser Subjekte verbanden. Vorbei das Gruseln, Grausen, Schütteln, spitze Schreie ausstoßen, verbunden mit der Erkenntnis, dass man ihnen nicht entkommen kann.

Und wenn wir da draußen demnächst einen Vertreter treffen von Deiner Art, dann wird ein sanfter Hauch der Erinnerung und der Sehnsucht unser Begleiter sein.

Farewell, Gruselkoch! Hinein mit Dir in die Gruft. Was haben wir Dich geschmäht. Vermissen werden wir Dich trotzdem.

Aber nur kurz! Basta!

11 Antworten auf „Ein letzter Gruß: Gruselköche-Abgesang“

  1. Die Hoffnung auf Auferstehung – das Thema passt zu Ostern – bleibt. Ich bitte, sollten Dir oder Robert oder anderen mit offenen Augen noch unverstorbene Exemplare der Gattung begegnen, diese der Bloggergemeinde nicht vorzuenthalten.

  2. Jutta und Robert: wollt ihr euch nach der gebührenden Beerdigung der Gruselköche nicht zusammentun? Ein Geplänkel mit eurem Wortwitz und eurer Eloquenz wäre eine Bereicherung für die Foodblogszene und ich wäre euer treuester Leser! 🙂

  3. Also, ich lasse mich ja verbrennen und dann unter einem Baum begraben. Vielleicht auch wegen der Tatsache, dass Herzstiche nach vermutetem Ableben nicht mehr uptodate sind.
    Über einen möglichen Scheintod Deiner Köche musst Du Dich nicht grämen. Wer im „Leben“ schon so bedauernswert daherkam, für den kann das Jenseits eine Erlösung sein, wie auch immer man dort hingelangt. Sollte Angst vor Wiederauferstehung herrschen, empfehle ich spitze Holzpflöcke und geweihte, silberne Kugeln.
    Nun gut, da ich mich noch recht lebendig fühle, nehme ich erst mal die Kohle. Aber nur, wenn ich nichts essen muss, was ein Gruselkoch-Besitzer angerichtet hat.

  4. Liebe Jutta, wir müssen heute annehmen, was uns unannehmbar erscheint. Danke, für Deine tiefbewegten Worte. Danke.
    Bis vor 100 Jahren konnte man in der Schweiz Verstorbenen den Herzstich verfügen: Ein Arzt stößt dem Verstorbenen einen Dolch in das Herz, wo dieser verbleibt. Ein probates Mittel gegen Scheintod. Leider habe ich diese Verfügungsmöglichkeit um 100 Jahre verpasst. Und nun quält mich die Frage nach dem Scheintod meiner Gruselköche !
    Übrigens: Trauerredner sind Künstler und dürfen sich deshalb über die Künstlersozialkasse kranken- und rentenversichern. Das stellte das BSG in Kassel in einem unlängst veröffentlichten Urteil fest. Nimm, was Dir zusteht.

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