Nachgemacht: Decadence (?) in cubes (M/TM)

Es gibt Tage, an denen ich ich wirklich und wahrhaftig besser im Bett geblieben wäre. Ein solcher Tag war gestern… 

Als das Mädchen ins Boudoir schlich, die Vorhänge zurückzog, mir die leider nur lauwarme Schokolade ans Bett stellte und mich von Schlafbrille und Ohrstöpseln befreit hatte, musste ich entsetzt feststellen, dass es regnete. Dabei hatte ich abends doch Sonne bestellt.

Nach dem mühsamen Aufstehen (ich ahnte bereits, dass der Tag kein guter werden würde), präsentierte der Butler zum Frühstück lauwarmen Toast, der den letzten Hauch Knusprigkeit vermissen ließ. Da ich meine Zeit nicht andauernd damit verplempern kann, neues Personal zu suchen, ließ ich Gnade vor Recht ergehen und der Kretin kam mit einer deutlichen, nun ja, Ermahnung davon.

Das neue Mädchen hatte die falsche Kleidung herausgelegt. Eigentlich wollte ich mit dem Jaguar eine kleine Spritztour machen und ein dünnes Seidenkleid war gänzlich ungeeignet. Allerdings erwies sich der Fauxpas als hilfreich, da ich erfuhr, dass Jaguar und Maybach zur Inspektion in der Werkstatt weilten und ich deshalb den Rolls nehmen musste, um mich zu meinem Fitnesskurs fahren zu lassen. Wieso passieren solche grauenhaften Dinge eigentlich immer nur mir?

Auf dem Weg zum Wagen streifte mein Blick die Rabatten des Parks. Einen Aufschrei des Entsetzens auf meinen Lippen, traute ich kaum meinen Augen. Der grenzdebile Gärtner, der die Buchsbaumhecken schnitt, hatte drei Millimeter zuviel entfernt. Welche Torturen sollte ich noch ertragen? Und es war kaum Mittag.

Seltsamerweise verlief das Fitnesstraining ohne Zwischenfälle. Na gut… mein gutgebauter Vorturner hatte sich entschuldigt (wohl irgendeine Nervensache), aber der Ersatzmann war frisch, jung, willig recht sportlich und enthusiastisch bestrebt, mir alle Übungen so einfühlsam wie möglich nahe zu bringen. Bravo!

Beim Umziehen nach dem Ende des Kurses brach mir der Fingernagel des Ringfingers der rechten Hand ab. Oh mein Gott – wo sollte denn jetzt der Zweikaräter hin? Ein Anruf bei der Nagelstylistin ergab, dass sie sich ein Bein gebrochen hatte. Und das gerade heute, so eine unverschämte Person (ist so gut wie gefeuert!)!!

Der Trottel von einem Kürschner ließ mitteilen, dass der hamsterfellgefütterte Babyrobbenmantel leider erst gegen Abend geliefert werden könne. Dabei hatten wir Spätnachmittag vereinbart.

Nach der Rückkehr in unser bescheidenes Landschloss fand ich eine Notiz meines Mannes, dass es ihm leider nicht gelungen sei, den dreimonatigen Urlaub auf der kleinen Karibikinsel, nur wir beide, nur das notwendigste Personal, zu buchen. KANN MIR MAL JEMAND ERZÄHLEN, WIESO ICH DIESEN STÜMPER GEHEIRATET HABE??? Ach so, jetzt fällt es mir wieder ein, es war wegen des Geldes.

Ein erster Anflug von Migräne machte sich breit. Mittlerweile war es Abend geworden. Die Dinnerparty bei Freunden, die ich zu meinen persönlichen Feinden zähle, fand leider statt. Nach dem Genuss von muffigem Schaumwein, lappigen Brötchen, einem absolut undelikaten Mahl von grauenhaft minderwertiger Beschaffenheit, nach Smalltalk mit Leuten, die ich nicht ausstehen kann, die mich aber seeeehr gerne mögen kam ein herausragend anstrengender, schrecklicher Tag zu seinem krönenden Abschluss. Die von  mir verachtete Mrs. Bääh trug – ich wage es kaum zu beschreiben – das gleiche Designerkleid wie ich. Natürlich zwei Nummern größer, aber… es war so erniedrigend.

Ich ergriff meinen Pelz, schwebte auf meinen Manolo Blahniks zum wartenden Rolls und musste mit Grauen feststellen, dass die Innentemperatur zwei Grad zu hoch eingestellt war.

Das gab mir endgültig den Rest und ich bekam einen nicht enden wollenden Schreikrampf.

Wieder Daheim konnte mich nur eines trösten, ein Kleinod, eine Perle, etwas, das mich wohl nie enttäuschen wird (und wenn doch, dann hat es der Patissier verbrochen):

 
P1150881  

Die Würfel schmecken himmlisch. Nur eines ist mir bis heute nicht klar: Was bedeutet eigentlich "Decadence"?

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Das Rezept stammt von Nicole Stich, zu finden auf "delicious:days" und wurde ursprünglich von ihrer Freundin Hande vorgestellt. 

Die Nüsse habe ich geröstet, aber einen Moment zu lange im TM geschreddert. Deshalb sind sie nicht mehr als solche zu erkennen. Egal – das Zeug hat Suchtcharakter. Nicole empfiehlt die Würfel kühlschrankkalt zu essen. Das habe ich ausprobiert und hat mich nicht überzeugt. Zimmerwarm schmecken mir die Würfel am besten, dann klebt das Karamell so schön an den Zähnen. Und nach dem Rezept bin ich auch schon gefragt worden. Ireeensche…..!

Nachmachen lohnt! Das hat Chaosqueen auch schon längst herausgefunden.

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Decadence in cubes1

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Decadence in cubes (M/TM)
Kategorien: Kleingebäck, Sünde, Nüsse, Schoko, Karamell
Menge: 1 Rezept

Zutaten

H FÜR DEN BODEN
160 Gramm   Weizenmehl
100 Gramm   Zucker, braun
100 Gramm   Butter
1 Prise   Salz, kräfig
H FÜR DIE FÜLLUNG
250 Gramm   Crème double
75 Gramm   Zucker, braun
75 Gramm   Zucker, weiß
2 Essl.   Akazienhonig
25 Gramm   Butter
3 Essl.   Walnusslikör
1/2 Teel.   Meersalz
1     Bio-Orange
100 Gramm   Walnüsse
100 Gramm   Pecan-Nüsse
H FÜR DAS TOPPING
75 Gramm   Schokolade, dunkel
75 Gramm   Schokolade, hell

Quelle

  Rezept modifiziert.
  Original: http://www.deliciousdays.com/archives/2009/02/
  04/decadence-in-cubes/
  Erfasst *RK* 21.06.2009 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Eine rechteckigen Form (20x25cm) so mit Backpapier auslegen, dass es über den Rand ragt. So kann man später die Teigplatte einfach aus der Form heben. Manzfred auf 180°C vorheizen.

Schokolade grob zerbröckelt in den Thermomix (TM) geben und in 5 Sekunden, Stufe 5 zerkleinern. Umfüllen.

Nüsse in einer fettfreien Pfanne anrösten.

Alle Zutaten für den Teig in den TM geben und mit Sichtkontakt in wenigen Sekunden, Stufe 6, zu einer feinkrümeligen Masse verarbeiten. Diese Krümelmasse in die Form schütten und mit den Händen festdrücken. Ca. 15 Minuten vorbacken.

Inzwischen die Zutaten für die Füllung mit Ausnahme der Nüsse und der Orangenschale in einem Topf zum Kochen bringen. Orangenschale nach Geschmack abreiben und zufügen. Eher zu wenig als zuviel, während des Reibens öfter abschmecken. Die Masse soll 5 bis 10 Minuten köcheln. Umrühren nicht vergessen.

Nüsse grob hacken – ab besten per Hand, im TM werden sie schnell zu fein. Die Nüsse auf dem vorgebackenen Boden verteilen und die Karamellmasse daraufgießen. Form in den Ofen stellen und 25 Minuten backen, bis eine schöne goldbraune Farbe entstanden ist.

Form aus dem Ofen nehmen und sofort die zerkleinerte Schokolade gleichmäßig aufstreuen. Sie schmilzt durch die Hitze und bildet den krönenden Abschluss.

Den erkalteten Kuchen mit Hilfe des Backpapiers aus der Form heben und in kleine Würfel schneiden.

Anmerkungen, Jutta: Nicole empfiehlt den Genuss der kalten Würfel. Ich finde sie besser, wenn sie Zimmertemperatur haben. Schmecken herrlich und taugen zum Knallerrezept.

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40 Antworten auf „Nachgemacht: Decadence (?) in cubes (M/TM)“

  1. Hierzu muss ich auch noch verspätet kommentieren. Das ist mit Abstand das Witzigste, was ich jemals! beim Foodbloggen gelesen habe. Hatte es daher schon Freundinnen weitergeschickt, die die Süßigkeit (durch mich vorgestellt) probiert hatten und sonst nix mit Blogs am Hut haben 🙂
    Fast genauso witzig wie das Abschreiben Berti Vogts Biographie.
    Na denn, einen schönen Schönheitschlaf auch heute 😉

  2. Ach, Frau Evenaar, ich sage Ihnen, ich hatte wieder ein Wochenende mit der High Society, ich bin immer noch ganz geschwächt.
    Oh, ich sehe gerade, zu welchem Zeitpunkt ihr lieblicher Kommentar auf den Weg gebracht wurde. Wie steht des denn um den Schönheitsschlaf? Gibt es etwas, das ich wissen müsste und sofort weiter erzählen kann?

  3. Madame, Ihr könnt kaum ermessen, wie mich Euer Schreiben beruhigt – ich dachte schon, Ihr wärt ins Vulgäre abgedriftet. Aristokratischen Gruß nach Wien und küss‘ die Hand, gnä‘ Frau!

  4. Vorkoster? Warum bin ich eigentlich noch nicht auf diese Idee gekommen? Da ist man doch gerne ein klein wenig dekadent. Herzlich Dank und Grüße. Andrea ist gewarnt, habe ihr eine Depesche zukommen lassen.

  5. Hochwohlgeborene Baronin Schnuppschnüss,
    auch in unseren Kreisen gehört es mittlerweile zum guten Ton, wirtschaftlich zu haushalten. Man will dem Volke mit gutem Beispiel vorangehen. Günstige Hamster sind keine Schande, sondern eher ein Zeichen von Weltoffenheit, Eleganz und Aristokratie.
    Mit königlich erhobenem Haupt winkt euch aus der Hofburg zu Wien, Sissi Kaiserin von und zu Buntcooken

  6. Genau für solche Tage habe ich diese Dinger erfunden – Am Ende eines solch schrecklichen Tages (bei mir sind es immer die Vorkoster, die Probleme bereiten, sie ruinieren die Komposition auf dem Teller! Und immer wieder muss frau neue finden, weil denen das Risiko zu hoch sei!) finde ich es doch aufbauend was essen zu können wo frau absolut sicher sein kann, dass es himmlisch ist! Diese Sicherheit, Frau Schnuppschnüss, ist dekadenz!
    PS: Ich hoffe sehr stark, dass Andrea kein Creme Fraiche benutzt hat!

  7. Bussi zurück! Auch im Süden nur Ärger mit dem Personal, es ist skandalös. Lässt Du immer noch den Berliner Starfriseur einfliegen, damit er Deinen Schoßhündchen die Locken legt? Tschüssi!!!!

  8. Küsschen meine Liebe,
    Gott sei dank hast Du diese Teilchen vor mir zubereiten lassen, denn mein Koch hätte einen entsetzlichen Übersetzungsfehler gemacht, hätte anstatt Creme Fraiche einfache Sahne genommen. Unverzeihlich. Tja, gutes Personal ist heutzutage schwierig zu finden. So – meine Liebe, ich muss los, meine Pudel brauchen Ondolieren!
    Küsschen, Andrea

  9. Habt ihr mittlerweile den neuen Privatjet geliefert bekommen? Immer diese Wartezeiten, das nervt so entsetzlich.
    Tipps Deines Persers sind immer willkommen. Wenn er mich ausreichend instruiert hat, kann er den Patissier gleich mitnehmen. Nach einem Fauxpas erster Güte – er hat Gebäck mit Schokolade überzogen, die nach dem Trocknen NICHT glänzte und das Blattgold hielt auch nicht – muss ich mich wohl nach einer Alternative umsehen. Ich verstehen nicht, wieso sich diese Mischpoke nicht mehr anstrengt. Für 5,12 Euro Stundenlohn darf man das doch wohl erwarten, oder?
    Auch Dir die herzlichsten Grüße. Sehen wir uns in Ascot?

  10. Huhu,
    komme gerade erst vom Schoppen aus Dubai zurück. Der Jetlag quält mich noch ein wenig und so bin eigentlich noch zu schwach für diesen Bericht.
    Als die Rede vom „auf dem Perser liegen“ war, musste ich gleich überlegen, wo sich mein Gatte wieder rumtreibt. Erleichtert stellte ich dann fest, dass bei Dir der Teppich gemeint war.
    „Mein Perser“ befindet sich noch auf einem schnellen Jagdtrip in Schottland; ich werde ihn nach seiner Rückkehr bitten, Dir eine verlässliche Adresse für gutes Personal zukommen zu lassen.
    So kann man ja nicht leben!!
    Ach…, und schick‘ doch mal den Patissier rüber 😉
    Ganz besonders liebe Grüße
    mehdi

  11. Ja, ja, nicht nur die Bewerbung von Frau S. Hamster hat mir gestern ebenfalls Einiges abverlangt. Ich wußte nicht, dass hier soviel Möchtegern-Geldadel mitliest. Austausch über elektronische Medien bildet.
    Muss jetzt los, nachsehen, ob der Bursche die Pferde ordentlich gestriegelt hat. Werde gleich die Fuchsstute ein wenig bewegen – dieser Stress!

  12. Oh, königlicher Besuch, ich fühle mich geehrt. Liebend gerne bestätige ich Ihren enthusiastischen Einwurf. Habe die Dinger zu einem Familienbesuch mitgenommen und konnte mich kaum davon trennen. Die Hälfte habe ich dann behalten. Aber dafür habe ich ja das Rezept eingestellt….hihihi.

  13. Der Text wird nur noch durch die Kommentare getoppt! 🙂
    Da kann ich Morgenmuffel jetzt noch nicht mithalten, hab‘ mich aber kringelig gelacht – mein Tag ist jetzt hoffentlich gerettet.

  14. Da wieder irgendein Dummdämel den Kommentar verschoben hat, hier nochmals die Antwort auf ihren Kommentar:
    „Sehr geehrte Frau Buntköchin,
    ich bin erstaunt, dass Sie sich mit B-Ware umgeben möchten, wo Ihr sicherer Geschmack doch überall geschätzt und gerühmt wird. Umstrukturierung und Neuorientierung scheinen mir dringendst geboten. Falls Sie Tipps benötigen, wie Personal zur Raison gebracht wird, bin ich gerne bereit, Sie auf meinem Anwesen zu empfangen.
    Durchlauchtigstes Bussi
    S.“

  15. Ick bin die Minna – Frau S. Hamster, datt haben Se abba jut jemacht. Bloß nich hierhin – grauslich! Zumal die Olle imma komischer wird. Jetzt liecht se jerade mitm Lachanfall uffm Perser (ick meine den Teppich) – Sachen jibbts, wa?

  16. Äh, soeben erfahre ich, dass im Hause von und zu Dingenskirchen eine sehr attraktive Stelle bei äußerst tierliebenden und supertörtchenbackenden Herrschaften für mich zur Verfügung stünde und muss so zu meinem abgrundtiefsten Bedauern Ihrem ach so liebenswerten Angebot eine Absage erteilen.
    😀 und tschüss

  17. Liebe Frau Hamster,
    natürlich könnten Sie sich glücklich schätzen, in meinem Hause dienen zu dürfen. Da ich heute meinen guten Tag habe (was soll nach gestern noch kommen?) zitiere ich aus meinem Beitrag: „… dass der hamsterfellgefütterte Babyrobbenmantel…“ und wünsche, dass Sie Ihr Angebot nochmals überdenken.
    Waidmannsheil!

  18. Dein Leben ist so ganz anders als meins. Mein Patissier kommt nur am Wochenende aufs Anwesen. Ich werde Anweisung zu einer Umstrukturierung geben lassen. Falls Sie den Hamster für 2 Törtchen am Tag nicht mehr brauchen, schicken Sie ihn bitte zu mir.

  19. Bonsoir Madame,
    ich kann millimetergenau Hecken schneiden, wann könnte ich bei Ihnen anfangen?
    Bin günstig, ein bis zwei Eurer Törtchen pro Tag sollten genügen 😀
    A votre service
    s.hamster

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