Schnuppschnüss infiziert: Lactosearmer Joghurt mit unglaublichen Heidelbeeren

Joghurt, Heidelbeeren, Joghurt und Heidelbeeren1

Auslöser der "Ichmussunbedingtjoghurtselbstmachen"-Welle war Hedonistin. Sie stellte einen Joghurt-Bereiter als DAS Küchenutensil des Jahres 2009 vor.

Danach nahm die Ansteckung ihren Lauf: Ulrike Küchenlatein, Claudia Fool for Food mit einer unglaublichen Vielfalt an Anregungen, Petra chili & ciabatta, Petra Brot und Rosen, Gabi Crockyblog, Chaosqueen und bestimmt noch viele andere BloggerInnen, die ich nicht gefunden habe, wurden erwischt. Ein Virus war es nicht, eher eine bakterielle Milchsäureinfektion, die Opfer fand, deren Widerstandskraft schnell erlahmte. (Nachtrag: Weitere Opfer haben sich geotet: Barbara von der Spielwiese, Christel koch und back oase ….) 

Dabei wurden die Joghurts nicht nur mithilfe des gepriesenen Bereiters hergestellt; zum Einsatz kamen auch Slowcooker und Combi-Dampfgarer. Und genau das Teil nutzte ich, um nach einer grässlichen Inkubationszeit, geschüttelt von Zweifeln und Versuchungen, endlich den Joghurt herzustellen.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Joghurt, lactosearm (DGC)
Kategorien: Joghurt
Menge: 1 Liter

Zutaten

1 Ltr.   H-Milch, 3,5%, lactosefrei
4 Essl.   Joghurt, 1,5%

Quelle

  eigenes Rezept
  Erfasst *RK* 22.01.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Zutaten gut vermischen, in 2 Weckgläser à 3/4 Liter Inhalt verteilen und im Miele-Automatik-Spezial-Joghurt zubereiten. Das dauert fünf Stunden.

Anmerkungen, Jutta: ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert. Sehr milder, sahniger Joghurt. Nicht wirklich stichfest, aber auch nicht flüssig. Tolles Ergebnis, wir sind begeistert.

=====

Nach einer Einkaufsaktion für Weihnachten war noch lactosefreie H-Vollmilch im Haus und in einem Anfall von Über-Mut habe ich die Tüte gegriffen, noch schnell einen Joghurt mit 1,5 % Fettgehalt ins Körbchen für "oben" gepackt (das Zeug war im Keller und ich gehe immer mit einem Einkaufskörbchen runter, wenn ich Lebensmittel benötige) und los ging's. Die farblich nicht ansprechende Milch mit vier Esslöffeln Joghurt verrührt (sicher ist sicher), die Flüssigkeit in zwei Weck-Gläser mit 3/4 Liter Inhalt verteilt, Deckel locker aufgelegt und ab in den Combi-Dampfgarer, Automatikprogramm "Joghurt".

Hätte ich wetten sollen, dass das funktioniert, ich hätte nicht viel Geld eingesetzt. Eher gar keines. Fünf spannende Stunden später war es soweit. Ich rüttelte vorsichtig an einem Glas und konnte es kaum glauben: der Inhalt war fest.

Joghurt, natur, fast lactosefrei (1. Versuch gleich gelungen)

Nach dem Abkühlen und Probieren sind wir begeisterte Jünger der "Ichmussunbedingtjoghurtselbstmachen"- Gemeinschaft. Der Joghurt ist nicht stichfest, aber auch nicht flüssig, schmeckt sahnig, mild und hat uns restlos überzeugt. "Normale" Milch ist aber auch noch da – daraus wird die nächste Fuhre hergestellt.

Damit ist der Bericht aber noch nicht zuende. Die eigentliche Sensation ist nämlich das hier:

Heidelbeeren vom 3.8.2009

Bei diesen Heidelbeeren handelt es sich um Früchte, die ich am 3. August 2009 "eingekocht" habe. Die Gänsefüßchen schmiegen sich deshalb ans "eingekocht" an, weil ich unter Einkochen verstehe, dass man Lebensmittel mit Flüssigkeit in Gläser füllt und dann für eine bestimmt Zeitspanne erhitzt.

Das – für mich – Sensationelle ist aber, dass die Heidelbeeren nach Maßgabe des Weck-Einkochbuches einfach so ins Glas kamen. Waschen, einfüllen, "einkochen", fertig. Wenn dieser Vorgang mit mehr Arbeit verbunden gewesen wäre, hätte ich von einem Versuch abgesehen. Aber so… was sollte schon groß passieren? Ich habe also vier kleine Einmachgläser mit den gewaschenen Früchten gefüllt, gerüttelt, damit viel hineinpasst und die ganze Chose 30 Minuten bei 80° C "eingekocht". An die genaue Früchtemenge kann ich mich nicht mehr erinnern, ich glaube, die im Rezept angegebenen 800 Gramm sind reichlich bemessen. Aber ein oder zwei Gläschen mehr schaden ja auch nicht, oder?

Beim Kontrollieren vor zwei Tagen habe ich entdeckt, dass ein Glas offen war und der Inhalt zu schimmeln begann. Die anderen Gläser waren geschlossen und die Beeren sahen gut aus. Ein Glas kam ins Körbchen für oben und dort angelangt, auf die Fensterbank in der Küche. Dann gings los: "Soll ich? Soll ich nicht?? Soll ich? Soll ich nicht??" Mir war wirklich mulmig und überhaupt nicht wohl bei dem Gedanken, den Inhalt eines Glases zu testen. Aber die Neugierde überwog dann doch. Wie heißt es so schön im Rheinland: "Juut Schwein fritt alles." Und das tat ich auch.

Die Heidelbeeren waren einfach nur gut. Nicht matschig, nicht schimmelig, ohne Zusatz von Zucker oder anderen Stoffen – irgendwie kann ich es immer noch nicht glauben, aber es hat tatsächlich hingehauen. Und die Beeren schmecken nicht nur pur wunderbar, sondern auch mit Joghurt.

Joghurt mit Heidelbeeren

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Heidelbeeren (DGC)
Kategorien: Früchte, Einmachen, Ohne Zucker
Menge: 4 Gläser

Zutaten

800 Gramm   Heidelbeeren

Quelle

  Weck-Einkochbuch
  Erfasst *RK* 24.01.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Die gewaschenen Früchte randvoll unter Rütteln ohne irgendwelche anderen Zutaten und ohne die Früchte zu drücken in kleine Weckgläschen füllen. Mit Gummi, Deckel und Klammern verschließen.

30 Minuten Dampfgaren bei 80° C, Gläser im Gerät erkalten lassen.

Anmerkungen, Jutta: ich habe die Heidelbeeren am 3.8.2009 so wie beschrieben eingeweckt. Von vier Gläsern ist eines aufgegangen. Dass die Früchte nach über fünf Monaten Aufbewahrung und nach dieser Methode "eingekocht" genießbar und schmackhaft sind, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ist aber so. Unglaublich!

=====

34 Antworten auf „Schnuppschnüss infiziert: Lactosearmer Joghurt mit unglaublichen Heidelbeeren“

  1. Im letzten Sommer – bekommen wir jemals wieder einen?! – habe ich auch Unmengen an Joghurt im Combi-Dampfgarer gemacht. Der Gitterrost war gefüllt mit den 0,75 Liter Weck-Gläsern aus ca. sechs Litern Milch
    Das Ergebnis war auch ohne Joghurt-Programm, das haben sie wohl dem Nachfolger spendiert, genial. Solche Mengen an Joghurt haben wir noch nie gegessen. Im nächsten Sommer, so er denn komme, werde ich es wieder so machen. In der Zwischenzeit darf unser altgedienter 1 Liter-Bereiter wieder werkeln.
    Das mit den Heidelbeeren werde ich auf jeden Fall ausprobieren. Ich liebe die Beeren am Liebsten pur und dank Dir kann ich sie jetzt auch so einkochen.

  2. Milchsäureinfektion … :-)))))))))))
    Am festesten wirds bei mir mit 10%igem griechischem oder türkischem Joghurt als Starter (nicht Sahnejoghurt, sondern die „strained“-Version), 10 Stunden Reifezeit, abgesetzte Molke weggießen und dann noch mindestens 2 Stunden Kühlschrank. Wenn das nicht reicht, kannst du’s noch in ein Tuch packen und über Nacht abtropfen lassen – was übrig bleibt, hat dann aber im Verhältnis mehr Fett.
    Die Heidelbeeren gefallen mir ganz ausgezeichnet. Ich hab schon ewig keine Beeren mehr eingekocht, weil ich mich mit dem labrigen Kompott, das draus wird, gar nicht anfreunden kann. Aber so ohne Zucker und extra Flüssigkeit – das klingt genial. Und ist schon vorgemerkt für den Sommer. (Der dürfte bitte in den nächsten Tagen langsam anfangen, ich kann gar nicht so schnell bibbern, wie ich friere.)

  3. Ach, das ist interessant! Ich habe Peggy Schatz von multikulinarisch.es gleich mal auf deinen Kommentar hingewiesen. Dann werde ich die Gläser auch mal mit heißem Wasser ausspülen, mal sehen, wie sich das anlässt.

  4. Wie, Heidi, du willst ein Elektrogerät kaufen? Das ist ja mal was ganz Neues *ggg*
    Wenn du das ausprobierst, dann aber erst mal mit einer kleinen Menge. Die schönen Kirschen, stelle dir vor, das haut nicht hin!

  5. Es gibt wohl auch ein Pulver, das man mit lactosefreier Milch verarbeitet. Wie bereits geschrieben, ist der Joghurt sehr mild. Das, so habe ich gelernt, liegt daran, dass die Lacotse versäuert wird. Und wo nix ist, da kann auch nix säuern. Mich würde aber trotzdem noch interessieren, wieso die Milch dann die Konsistenz ändert und joghurtartig wird.

  6. Ich musste die ganze Zeit an deinen Versuch mit dem kurz erhitzten Obst denken, das dadurch länger haltbar wurde. Sowas Ähnliches ist das hier anscheinend auch, nur dass wegen des Vakuums die Haltbarkeit noch länger ist. Ich finde es sehr erstaunlich. Auch nach einer Nacht im Kühlschrank mit nur lose aufgelegtem Glasdeckel waren die Früchte wunderbar.

  7. Auf der Jean-Pütz-Seite war ich, kurz bevor ich deinen Kommentar las. Meine Schwiegermutter hat auch immer Joghurt selbst gemacht. Ich glaube, sie hatte einen Joghurt-Bereiter von Petra, mit gelben Deckeln auf den Gläsern. Wenn ich das Teil auf dem Regal in der Küche gesehen habe, fand ich das immer komisch. Ich wäre damals nicht auf die Idee gekommen, sowas auch mal zu probieren. Aber jetzt… macht Spaß!

  8. Wir machen schon seit Jahren selbst Joghurt, mit einer alten Speisethermos. Die Milch wird erhitzt, ca. 60°-65°, dann muss man sie auf 45° abkühlen lassen, 2 EL Naturjoghurt einrühren und ab in die Speisethermos. Nach ca. 10 Stunden gibt es wunderbares Joghurt. Wir spühlen weder das Glas der Thermos, noch das Glas für die Aufbewahrung mit Spülmittel, nur mit heißem Wasser und bilden uns ein, dass es deshalb besser geht. Mit Biomilch und Bio-Joghurt wird es auch fester. Das mit den Heidelbeeren ist eine tolle Sache und schon registreirt!

  9. Meist mache ich es aus 0.1% H-Magermilch, wegen der Kalorien, aber der joghurt ist etwas sähmig flüssig, nicht wirklich fest. Ein Versuch mit 3.5% Vollmilch „länger haltbar“ kam ziemlich fest raus. Ich werde noch die Magermilch fertig brauchen und ab dann Vollmilch verwenden, sch… auf die Kalorien.

  10. Die Einkochaktion interessiert mich auch noch mehr als die Joghurt-Zubereitung. Das werde ich zur gegebenen Zeit in meinem Weck-Büchlein nachschlagen und dann ebenso kritisch wie Du vor dem ersten Bissen alles begutachten und -schnüffeln.

  11. Aha, das funktioniert also wirklich auch mit lactosefreier Milch. Dann kann ich mir sowas auch anschaffen. Da war immer diese Unsicherheit, ob das auch ohne Lactose funktioniert. Merci, für den Test!

  12. Ich muss gerade lachen, weil ich auf deiner Seite Werbung für einen Joghurt-Maker gesehen habe. Also, ich glaube, dass du eine konstante Temperatur von 40° C benötigst, damit das was wird. Das Teil, das Hedonistin bestellt hat, ist wirklich sehr preisgünstig. Es kostet mit Versand knapp 15 Euro.
    http://www.mini-url.de/6vagg
    Ich überlege, ob ich mir auch so ein Teil zulegen soll, denn der Miele verbraucht bestimmt mehr Strom als das kleine Fuzziding da. Gerade habe ich wieder Joghurt gefuttert, ich könnte mich wirklich an eine regelmäßige Verkostung gewöhnen.

  13. Wow, ich liebe Naturjoghurt. Habe zwar noch nie selbstgemachten gekostet, aber das kann ja nur sensationell schmecken…
    Ich nehme an, ohne technische Hilfsmittel a la Dampfgarer oder Crockypot kriegt man keinen Joghurt hin, oder?

  14. Wir machen auch schon seit Jahren (Jahrzehnten? Jean Pütz mit irgendeiner Hobbythek-Sendung war schuld, das ist also schon lange her) Joghurt selber. H-Milch ist praktisch, weil man normale Milch erst aufkochen muss, sonst hat man auch wilde „Viecher“ drin.
    Vor kurzem habe ich einen Versuch mit Laktose-Bakterienpulver gestartet, hat auch super funktioniert.
    Die Heidelbeeren klingen auch lecker!

  15. Nun ja, die Eigenschaften von Joghurtbakterien ist ja eigentlich die, die Laktose zu Säure zu vergären 😉
    Nur so als Tipp, es empfiehlt sich nicht mehr als ein paar Mal seinen vermehrten Joghurt als Starter einzusetzen. Die Viecher verwildern sonst zu sehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.