Jecke Kall*: „Rezeptangebot im Internet führt zum Niedergang der Kochbuchkultur“

Pah! Jecke Kall*!! Hab' ich doch schon immer gesagt. Und warum? Das war nämlich so:

Gestern las ich bei Petra von Chili und Ciabatta einen wunderbaren Blogeintrag über die Herstellung einer "Zitronen-Biskuit-Roulade". Mein Blick fiel auf den Urheber des Rezeptes, Chocolatier Heinz-Richard Heinemann und dies ließ mich umgehend einen kleinen Kommentar verfassen:

"Ah, Heimatklänge! Mit Heinemann-Kuchen bin ich aufgewachsen.

Aber die waren (und sind?) so teuer und edel, dass Kuchen von Heinemann immer etwas ganz besonderes war. In Rheydt, meiner Heimatstadt, in Mönchengladbach, Düsseldorf, Krefeld, Neuss, Duisburg und München (sic!) gibt es Cafés und wenn man zu "Kaffee Heinemann" ging, konnte man sich darauf schon etwas einbilden.

In unserer Familie gibt es bei Mama und Papa traditionsgemäß zu Weihnachten für jeden Gast ein kleines süßes Geschenk auf dem Teller: "Rhe'er Knööp" eine gehaltvolle Spezialität, von der man wirklich nur einen Knoop auf einmal essen kann. Und wenn man das Päckchen aufgefuttert hat, reicht es für ein Jahr. Auf der Heinemann-Website heißen sie Gladbacher Knööp, aber als Rheydterin isst man sowas natürlich nicht 🙂 Die Kuchenkreationen bei Heinemann sind wirklich außergewöhlich, auch viele kleine Törtchen, Babas usw. gibt es dort, die allesamt ein Traum sind.

[…]

Ich glaube, jetzt sind alle Dämme gebrochen und ich bestelle mir umgehend das Buch.

[…]

Bisher habe ich mich immer noch zurückhalten können, aber nu is Schicht:-) "

So geschah es, ich bestellte umgehend ein Exemplar eines Backbuches, das Herr Heinemann verfasst hat, nicht ohne zu bemerken, dass es inzwischen schon zwei Bücher des Autors gibt (Freudentanz! Narhallamarsch! Rakete! – ich habe dann das mit Schokolade bestellt – und soeben noch das mit Gebäck, hihihi). Was war ich gerade geplättet, als es an der Haustür klingelte und das Buch "Schokoladenträume" schon geliefert wurde!

Heinemann - Schokoladenträume_bearbeitet-1

Und die Moral von der Geschicht': Wir Foodblogger und Rezeptjunkies  kurbeln das Kochbuchgeschäft an. Und alles andere ist – genau!!!! Jecke Kall!*

Leute schreibt Kochbücher, ich kaufe sie, ganz bestimmt!

Ach so: Kurzkritik nach dem ersten Duchblättern: 144 Seiten Schoko-Wahnsinn! Ich breche zum wiederholten Male in dieser Woche meine Diät ab.

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* Der Kölsche ansisch würde wahrscheinlisch "Jecke Verzäll" sagen, der Niederrheiner ansisch sacht "Jecke Kall"  was soviel bedeutet wie "Blödsinn".

14 Antworten auf „Jecke Kall*: „Rezeptangebot im Internet führt zum Niedergang der Kochbuchkultur““

  1. Ich bin nach dem Backen der Muffins zu jedem Opfer bereit :-))
    Ja, ja, auch hier: Kochbücher in der Küche. Ich schreibe auch rein, so wie ich auch immer in Lehrbücher geschrieben habe. Die Haptik fängt bei mir schon beim Papier an. Die Greno-Bücher früher, dieses Papier, dieser Druck… leider ist das ja Schnee von gestern. Kaufen wir uns halt noch ein Kochbuch, was für ein Jammer 🙂

  2. Gewissen? Was ist das denn? Gemein wäre es, wenn wir uns tolle Bücher vorenthalten würden. Soll ich dir mal meinen Namen bei Librarything verraten? Da kannst du dich durch meine Kochbücher wühlen – obwohl Norbert und ich der Meinung sind, dass es zu wenig sind. Er kauft mir ab und an sogar welche, der Gute.

  3. Jenau! „Vertälle“ gibt es auch bei uns. „Watt ene doofe Vertäll!“Dä hätt misch ene Driss vertällt, du jlöfst et nit.“ Man kann aber auch sagen: „Watt wor datt dann för ene jecke Kall?“ „Dä hät misch de Uhr volljekallt, isch kann nit mieh.“ Interessant, ist mir heute rst so richtig bewußt geworden, dass wir die Wörter synonym verwenden.
    Dialekt ist so toll. In meiner Altenheimzeit konnte ich auch feststellen, wie eng die Grenzen sind, in denen sich der Dialekt bewegt. 10 km weiter spricht man schon ganz anders, verwendet andere Wörter. Odenkirchen anders als Giesenkirchen. Herrlisch!

  4. Ich bin noch auf der Suche nach dem Schokoladenrührkuchen, der eine Offenbarung ist. Bitte zügig nachbacken und berichten. Meine Hüften gehn hier schon auseinander wenn ich an die vergangenen Schokoladentestreihen denke. Diese Qual muss mir mal jemand abnehmen.
    Ich kaufe Kochbücher auch sehr gerne nach Empfehlung von Bloggern bzw. gut gepflegten Blogs oder Webseiten der Autoren. Das haptische Element ist beim Kochen ja generell nicht zu vernachlässigen. Konsequenterweise auch Kochbücher zum Anfassen in der Küche. Das Regal ächzt, der Buchhandel freut sich.

  5. Liebe Suchtknubbel,
    ich habe die Muffins gebacken, sie sind der Hit und wer in der Früh um 0.01 Uhr am Donnerstag noch wach sein sollte, darf sich mit dem Muffins-Rezept beschäftigen.
    Ich weise aber nochmals darauf hin, dass nicht zu jedem Rezept Fotos vorhanden sind und gerade beim Titelrezept Unstimmigkeiten auftraten. Ich backe diesen Schokorührkuchen vom Foto aber bald nach. Mal sehen, ob ich ihn so hinbekomme.

  6. Jutta, so geht das nicht! Hast Du kein Gewissen? Du weißt doch, welche zwanghaften Auswirkungen jeder Buchempfehlung auf sämtliche Leser (selbst die hartgesottenen ;o))hat!!!
    Gewissen Dinge muß man sich bewahren, und dazu gehört die alten Argumente, die schon Mutti vorgetragen wurden, um triftige Belange zu rechtfertigen: „Aber die Jutta hat auch…!!!“ Heutzutage sage ich mir das dann selber vor :). Und bei Koch- und Backbüchern brauche ich IMMER genau das, welches ich noch nicht habe. Du erinnerst Dich *Das beste Kochbuch ist dasjenige, das ich noch nicht besitze*. Und schwärmerische Töne versetzen mich fast in eine leichtsinnige Stimmung. Aber vielleicht lasse ich Dich noch etwas Werbung machen und freue mich auf das erste Rezept, das Du uns daraus vorbäckst!

  7. So isset. Das Wort ‚kalle‘ kenne ich nur als Verb. Als entsprechendes Substantiv ist mir auch nur ‚Verzäll‘ bekannt. – Aber in Mönchengladbach könnt Ihr das natürlich alles ganz anders halten ;o) Abgesehen davon glaube ich nicht, das Internet und Blogs zum Niedergang von irgendwas Gutem beitragen. Ich könnte mit höchstens vorstellen, dass allgemein die Ansprüche steigen und sich die Qualität verbessert. Schlechter wird dadurch nix.

  8. Dein Resümee kann ich aus tiefem Herzen unterschreiben.
    Wie viele Kochbücher ich mir durch deren Erwähnung in Blogs und besonders durch ein nachgekochtes Rezept mit Foto, das meine Neugier geweckt hat, gekauft habe kann ich zwar nicht genau angeben, aber es sind viele bis sehr viele.
    Wir Blogger sind definitiv viel mehr Freund als Feind der Kochbuchverlage.
    … und bevor ich es vergesse, ich hätte gerne das Rezept für die Muffins …
    Vielen Dank

  9. Werte Damen, darf ich auf gewohnt zurückhaltende Art anmerken, dass gerade ein Teig für Schokoladenmuffins im Kühlschrank ruht (ja, er muss zwei Stunden kühl stehen, obwohl sich Backpulver in der Masse befindet) und in 90 Minuten sein schreckliches Schicksal im Manzfred des Grauens erleiden wird? Danke für den Hinweis auf die mangelhafte Hitzefestigkeit der Kalorien. Das bestärkt mich, meine Forschungen auf dem Gebiet der Schokoladenkuchen zu intensivieren.
    @Frau Ulrike vom Küchenlatein: ich kann mir nicht erklären, wieso das Buch nicht zu Ihnen möchte. Ich brauchte nur an „1-Click-Bestellung“ zu denken, und schon wenige Stunden später befanden es sich Heinemanns Versuchungen in meinem Besitz. Ein neuerlicher Gedankenaustausch wurde heute am Vormittag gestartet, über den Fortgang der Ereignisse werde ich berichten.
    @Rockiesküche: bravo!

  10. Sehr geehrte Frau J. S. Schnuppschnüss!
    Ich fordere ebenfalls sofort das Rezept des Rührkuchens mit Schokoladenglasur. Da Sie ja versiert sind, wissen sie ja auch, dass Kalorien beim Backen tot gehen. Schnellstmöglich könnte eigentlich schon jetzt sein, denn Sie hatten schon über 1 Stunde – seit Abgabe Ihres Kommentaras – Zeit, diese Köstlichkeit in Angriff zu nehmen.
    Ich sitze hier schmachtend vor dem Monitor und heule mir die Augen aus, weil dieses Buch bislang bei mir keinen Adoptionsantrag gestellt hat. Was mache ich falsch?
    Ihre U. vom Küchenlatein

  11. Liebe Frau mehdi,
    leider kann ich Ihrem Wunsch nicht nachkommen, da ich partiell paralysiert bin. Die Rezepte im Buch führen zum Verlust diverser Hemmschwellen, ein Umstand, den ich Ihnen ersparen möchte.
    Ich habe mich jedoch auf die Suche begeben und darf Ihnen mitteilen, dass es sich bei dem Rezept um einen „Rührkuchen mit Schokoladenglasur“ handelt. Das hätte ich nun nicht gedacht, irgendwie sieht er spektakulärer aus, als er heißt. Auch die Anleitung lässt mich staunen, ist dort doch von „Zwei Kastenformen von je 30 cm Länge“ die Rede. Der Kuchen auf dem Cover ist jedoch in meinen Augen in einer runden Form gebacken worden. Nun ja, versierte Naturen (zu denen ich mich zähle) lassen sich von solchen Kleinigkeiten nicht aus dem Konzept bringen. Dieses Konzept lautet: „Backe schnellstmöglich den Kuchen nach!“
    Sobald dies geschehen ist, werden Sie wieder von mir hören.
    Bis dahin verbleibe ich freundlich grüßend
    Ihre J. S. Schnuppschnüss

  12. Huhu,
    ich verlange (jawoll!!) sofort!!! das Rezept von diesem (sicherlich nicht fettarmen) Schokoschocktraum, der sich bereits in einem angemessenen Stück präsentiert.
    Nach der fettarmen Brioche habe ich mir das verdient 🙂
    LG, mehdi (auf Schokoentzug)

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