Blog-Event LVIII: Kulinarisches aus Film und Literatur // Quentin Tarantinos Pulp Fiction: Pfannkuchen mit Speck

Blog-Event LVIII - Kulinarisches aus Literatur und Film (Einsendeschluss 15. Juli 2010)

 

 

Buttermilch-Pfannkuchen mit Speck (Pulp Fiction)1

 

In den letzten Wochen habe ich mich ohne Rücksicht auf Person und Ansehen als Fußballfan der dollsten Sorte geoutet.

Um dem schonungslosen Aufdecken der dunkelsten Seiten meiner vielschichtigen Persönlichkeit die Krone aufzusetzen, teile ich der Welt nun auch noch mit, dass ich Quentin Tarantino-Fan bin, ich bin schier verrückt nach Filmen dieses Regisseurs.

Kürzlich habe ich ein wenig geschwächelt. Den letzten Film, "Inglourious Basterds", für den Christoph Waltz den Oscar bekam, konnte ich mir nicht komplett ansehen, weil mich die brutalen Szenen so mitgenommen haben. Als es ans Skalpieren ging, habe ich das Handtuch geschmissen.

"Pulp Fiction" hingegen ist ein Meisterwerk und Kult – ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Film schon angeschaut habe.

Alles an ihm gefällt mir. Die Darsteller, die Kameraführung, die Geschichte, die Frisuren, die Anspielungen, die Rhetorik Samuel L. Jacksons als Jules Winfield, die Erzählstränge, die Musik, die Lakonik, mit der brutale Gewalt ausgeübt wird – der Film ist einfach genial.

Das dachte sich auch die Jury in Cannes, die den Film 1994 mit der Goldenen Palme bedachte. Ein Jahr später wurde er mit dem Oscar für das Originialdrehbuch prämiert.

Es gibt ja so Tage im Leben, wo man sich abends denkt, man wäre morgens besser im Bett geblieben. Genau so geht es wahrscheinlich den Akteuren des Films. Jeder Einzelne ein Loser, jeder auf seine Art überfordert von Verpflichtungen, geknechtet von Angst und Druck, gefangen in Ressentiments. Trotzdem erwecken die Charaktere den Eindruck, dass sie cool durchs Leben tingeln, dass die abstrakten Modelle, in denen sie sich bewegen, Normalität sind.

Eine der bekanntesten Szenen, die häufig zitiert wird, ist wohl der Twistwettbewerb von Vincent und Mia im Restaurant "Jack Rabbit Slim's".


 

Hier werden unter anderem Hamburger kredenzt, ich serviere jedoch etwas anderes, nämlich Pfannkuchen mit Speck.

 

Buttermilch-Pfannkuchen mit Speck (Pulp Fiction)

Diese Pfannkuchen werden in einer Art Imbiss, dem Diner serviert, das Prolog und Schlussszene des Filmes markiert. Junk-Literatur findet ihr kulinarisches Pendant im Junk-Food, zumeist von Junkies oder Typen aus halbseidenem Milieu konsumiert. 

Der nicht chronologisch erzählte Film beginnt also im Diner und er endet auch hier. Ein total verrücktes Pärchen – der Darstellerin Honey Bunny traue ich Abgründigstes zu – überfällt diesen Laden, wird aber am Ende des Films von den kriminellen Protagonisten Jules Winfield und Vincent Vega beim Beutezug gestört.

Jules und Vincent haben zu diesem Zeitpunkt schon die abstraktesten Situationen erlebt, Vincent steht noch der Tod durch Erschießen bevor, nachdem er von der Toilette eines Boxers kommt, der mit Vincents und Jules' Boss eine nicht wirklich kinderprogrammgeeignete Auseinandersetzung überstanden hat. Soweit alles klar? Nee? Kann ich verstehen. Schaut euch den Film an, dann wisst ihr, worüber ich hier fasele.

Jedenfalls bestellen Jules und Vincent im Diner etwas zu essen, nicht ahnend, dass gleich ein Überfall stattfinden wird. Jules möchte ein Muffin und Vincent Pfannkuchen mit Speck.

Das Rezept ist dem amüsanten Buch "Ich schau dir in den Kochtopf, Kleines!" der Autoren Keller, Geisler, Westendorf entnommen.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Buttermilch-Pfannkuchen mit Speck (Pulp Fiction)
Kategorien: Filmessen, Pfannkuchen, Buttermilch, Speck
Menge: 1 Portion

Zutaten

1     Ei
2 Essl.   Butter, flüssig
1/8 Ltr.   Buttermilch
140 Gramm   Weizenmehl
1 Teel.   Backpulver
1 Messersp.   Backsoda (Natron)
2 Essl.   Zucker
1 Prise   Salz
      Öl zum Braten
12 Scheiben   Frühstücksspeck

Quelle

  "Ich schau dir in den Kochtopf, Kleines!" – Filmreif
  kochen. Rezepte, Anekdoten und Hintergründe aus über 50
  Kinohits.
  Erfasst *RK* 13.07.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Das Ei gut verquirlen, anschließend Butter und Buttermilch einrühren. Mehl, Backpulver, Soda, Zucker und Salz mischen, in die Flüssigkeit geben und kurz verrühren.

Frühstücksspeck ausbraten und warm stellen. Ins Bratfett mit einer Schöpfkelle den Teig klecksartig hineingeben. die gestockten kleinen Pfannkuchen auf beiden Seiten goldbraun backen und heiß mit dem knusprigen Speck servieren.

Anmerkungen, Jutta: Statt des Mehls, Backpulvers und Natrons 120 g Self-Raising Flour verwendet. Alles in den Thermomix geworfen und kurz verrührt. Pfannkuchen in Ringen gebacken.

6 Scheiben Speck pro Person gereicht, 12 sind doch ein wenig happig.

=====

 

Speck würde Jules niemals essen, denn er stammt von Schweinen, und "Schweine sind dreckig". Da sind wir aber alle froh, dass Jules so eine weiße Weste hat.

Die Pfannkuchen im Film kann man nach 3:45 Minuten sehen. Aber den kompletten Track anzuschauen lohnt auf jeden Fall. Den ganzen Film schauen noch viel mehr. 

 


Als Absacker möchte ich euch einen Kommentar von der youtube-Seite nicht vorenthalten. Dort schreibt "QoolEntent":

 "I'm a chef and at work, our biggest iron skillet is named "Samuel L." because its the biggest, blackest frying motherfucker around. "

Herzlichen Dank an Evi von kochen375 für die Ausrichtung dieses schönen Events.

12 Antworten auf „Blog-Event LVIII: Kulinarisches aus Film und Literatur // Quentin Tarantinos Pulp Fiction: Pfannkuchen mit Speck“

  1. Fabienne redet doch auch die ganze Zeit von Pancakes, oder? Aber mit Blaubeeren.
    Ach, der Film ist klasse. Kill Bill gefällt mir fast noch besser, falls das überhaupt geht. Und From Dusk till Dawn. Die Klassiker halt. 🙂
    Inglourious Basterds habe ich noch nicht gesehen.

  2. Super Idee, an die Bestellung von Jules habe ich gar nicht mehr gedacht! Wir haben ja ebenfalls Pulp Fiction ausgewählt und den von dir bereits angesprochenen Burger aus dem Jack Rabbit Slim’s gemacht.
    Und was Inglourious Basterds anbelangt, bin ich noch ein wenig unentschlossen. Ich mag ihn schon sehr gern und bin von Waltz aber auch von Pitt sehr beeindruckt, aber ihm fehlt igrendwie die Nötige Coolness – und ich kann Till Schweiger nicht ausstehen – um in mein persönliches Tarantino Triumvirat aus Reservoir Dogs, Pulp Fiction und Kill Bill einzusteigen.

  3. Na ich hoffe doch er hat Mäßigung geübt. 😉
    Wir haben bei jedem USA-Urlaub übrigens mindestens 1x die Woche die große Frühstücksportion (Pancakes, Bacon, Würstel, Eier, Sirup, Toast) verdrückt, wir hatten ja auch immer das große Besucherprogramm und ein paar Kilo extra im Urlaub sind schon vertretbar. Da kann man dann mitleidig auf die Büroangestelltengestelle gucken, die ihr takeaway-porridge mit Nutrasweet und 3 Rosinen wie einen Gral vor sich hertragen.

  4. Das Hin- oder Nichthingucken ist bei mir von der Tagesform abhängig. Aber dieser Waltz spielte so perfide, dass ich nicht auch noch das haben musste. Beim nächsten Mal halte ich bestimmt länger durch, auch wenn ich die Hände vor die Augen halten muss ;-)….

  5. Bei der Skalpier-Szene in „Inglourious Basterds“ konnte ich auch nicht hingucken, ich habe danach aber weitergeschaut 😉
    Sehr schönes Rezept und mit solch einem Frühstück kann ja nichts mehr schiefgehen!
    Viele Grüße und schöner Tag noch
    Juliane

  6. Während des Gesprächs von Honey Bunny und Pumpkin, in dessen Verlauf sie sich zum Überfall entscheiden, macht sie einen derart durchgeknallten Eindruck, dass mich gruselt.
    Wohingegen die anderen Charaktere natürlich vollkommen normal erscheinen 😉
    Ich habe die Pfannkuchen heute Morgen gebacken und nach 18 Jahren Ehe hat mein Mann das erste Mal statt Brot mit Marmelade und Honig diese Pfannkuchen gegessen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
    Ich war schon erstaunt, als ich gestern anfragte, was er von dieser Frühstücksaktion hält, dass er grünes Licht gab. Dass er aber so eine riesige Portion verdrückt, hätte ich im Leben nicht gedacht.
    Wir waren uns nach dem Ende der gehaltvollen Mahlzeit einig, dass die Amis nach solchen Frühstücken gestählt aus dem Haus gehen und es nicht weiter verwunderlich ist, wenn das in Gewalt ausartet. Irgendwo muss die Energie ja hin.
    Bin mal gespannt, was Norbert heute so anstellt ;-))

  7. Frisurentechnisch kann Paul Pulpo nicht mithalten. Dafür haben Vincent und Jules wenig zu tun, bis zur WM hat sich Paul von selbst erledigt. Obwohl ich mich frage, ob es Nachkommen mit ähnlichen Fähigkeiten gibt.
    Ich glaube ja, entgegen anderslautender Berichte, dass es sich bei den Ergebnissen der WM um sich selbst erfüllende Prophezeiungen handelte. Sobald die Spieler von Pauls Vorhersagen erfuhren, konnten sie nicht mehr anders spielen. Doofer Paul!

  8. Everybody freeze, this is a robbery! 😀 Diese Frau ist wirklich abgründig. 😉
    Pfannkuchen mit Speck sind in ihrer Perversität schon wieder ungeheuer anregend. Ich klau mir mal von dir einen Stapel und schmiere noch großzügig Butter und Ahornsirup drauf. 🙂
    Vielen Dank für’s Mitmachen!

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