Pferdegulasch

In Deutschland werden pro Kopf und Jahr 53 Gramm Pferdefleisch verzehrt, was bedeutet, dass wir uns gestern die Vierjahresdröhnung eingepfiffen habe.

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Schon immer habe ich gerne Pferdefleisch gegessen; Sauerbraten beispielsweise ist nicht zu toppen, wird er aus diesem Fleisch hergestellt. Als wir noch in Remscheid wohnten, gab es auf dem Wochenmarkt einen Pferdemetzger, dessen Stand von uns häufig besucht wurde. Als wir danach an die Ahr zogen, war es vorbei mit der Glückseligkeit und dem Super-Sauerbraten. Und mit dem Gulasch sowieso.

Beinahe hätte mich der Schlag getroffen, als ich kürzlich in der Fleischtheke eines naheliegenden Supermarktes hier im wunderschönen Hesseländsche das lang vermisste Fleisch entdeckte. Heureka! Natürlich habe ich mich gleich eingedeckt und aus einem der netten Fleischstücke wurde das wirklich gelungene Gulasch unter Zuhilfenahme eines Apfelperlweins hergestellt. 

Aus regionaler Produktion  hatte ich nämlich noch eine Flasche Apfel-Prosecco im Kühlschrank, der probiert werden sollte und musste. Abwechselnd landete ein Schlückchen im Pferd, eins im Quitten-Apfel-Kompott und eins in mir. Norbert bekam auch einen (!)  Schluck ab und der Rest – na ja, der Secco schmeckte wirklich gut. Ockstädter, morgen mische ich euer Dorf auf und decke mich ein.

Das Pferd jedenfalls bekam nach Beendigung der Flasche noch ein paar Nudeln und Kompott mit auf den Weg und machte uns als Gesamt-Esswerk ziemlich froh. Soll noch Einer sagen, dass das Glück der Erde ausschließlich auf dem Rücken der Pferde liegt.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Pferdegulasch
Kategorien: Fleisch, Pferd
Menge: 2 Portionen

Zutaten

      Butterschmalz
400 Gramm   Pferdefleisch
400 Gramm   Gemüsezwiebeln
50 Gramm   Tomatenmark (ca.)
100 ml   Apfelsecco (ca.)
400 ml   Rinderfond
      Salz
      Pfeffer
      Piment d'Espelette

Quelle

  eigenes Rezept
  Erfasst *RK* 05.10.2011 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Das Fleisch in gulaschgroße Stücke schneiden. In heißem Butterschmalz schön braun anbraten, die in Streifen geschnittenen Zwiebeln zufügen und mitbraten, bis sie goldgelb sind. Tomatenmark zufügen, kurz anrösten und dann mit Apfelsecco (oder Apfelsaft oder Apfelwein oder…) ablöschen. Salz, Pfeffer und Piment d'Espelette zufügen und schmoren. Ab und zu in den Topf schauen und die verkochte Flüssigkeit mit Fond ersetzen.

Am Ende (nach ca. 1,5 Stunden) abschmecken und genießen. Bei uns gab es dazu Pasta und Apfel-Quitten-Kompott (2 Äpfel, 1 Quitte, Rohrzucker, Apfelsecco, 1 Prise Salz zu Kompott kochen).

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25 Antworten auf „Pferdegulasch“

  1. Irgendwie kann ich es ja verstehen – aber bei mir kommt erst das Fressen und dann die Moral – zumindest beim Pferd, ansonsten bin ich meist brav 🙂

  2. Pferd ist auf jeden Fall einen Kumpel essen. Aber ich kann nachvollziehen, dass andere da weniger befangen sind wie ich. Bei Eselsalami haben ja auch wenig Probleme. Und bei Hase und Reh tue ich mich gleichfalls schwer. Hey, Hase?!
    Aber Kälber sind nicht minder süß und die kann ich essen. Ich glaube, bei dem Thema verhedder ich mich. Aber Pferd werde ich wohl nur dann essen, wenn ich in Not bin. Kollege halt ;)!
    Wobei Gulasch und Kompott – da bin ich wieder voll dabei!

  3. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Immerhin 78 Pferdemetzger in der Schweiz und nur 100 in Deutschland – da sieht man schon, wie wenig Bedarf hier besteht. Hast du schon mal "Mostbröckli" gegessen?

  4. Hier in Wien wüsste ich sogar, wo man Pferdefleisch bekommen kann, aber ich hab da eine ziemliche Hemmschwelle. Hundefleisch habe ich schon einmal in Marokko gegessen, allerdings nicht wissend, dass es Hundefleisch war, das habe ich erst im Nachhinein erfahren. War grauslich – allerdings wie fast jedes Fleisch, das ich in dem Urlaub gegessen habe. Und ich hätte das Hundefleisch sicher nicht essen können, wenn ich gewusst hätte, was es war.

  5. Komisch, gell? Ich würde aber auch Katze und Hund probieren, obwohl Hund nicht gut schmecken soll. Im Krieg und in der Hungersnot nach dem Krieg hat man hier die Katzen als "Dachhasen" verspeist. Was bei uns verpönt ist, ist in anderen Ländern üblich, denkt man an die Meerschweinchen in Peru. Wir haben lange Zeit Meerschweinchen als Haustiere gehalten, aber als ich einmal einen Bericht über Südamerika sah, unter anderem mit der Zubereitung von diesen putzigen Viechern, bekam ich richtig Appetit auf so ein Stückchen Fleisch. Es sah wirklich lecker aus.
    Was ich nicht mag ist Hirn. In manchen Ländern isst man Ziegen- und Schafsköpfe komplett. Da würde ich auch auf die Augen verzichten (schüttel), die dort als Delikatesse gelten. Bries mag ich nicht, hab ich schon probiert. Aber sonst fällt mir gerade nichts ein, was ich nicht wenigsten in winziger Menge probieren würde. Wenn man sich vorstellt, dass wir Wurst im Naturdarm essen. Ich habe schon Därme gewaschen, also, da ist mir so ein schönes Stück Pferd eindeutig sympathischer.

  6. Versuch's doch mal als Sauerbraten, das wird dich bestimmt überzeugen. Schön süß-sauer, ein paar Rosinen rein, viel Sauce und dann das zarte Fleisch. Schmeckt wirklich toll. Viele Grüße in die alte Heimat – der Markt in Rheydt ist wirklich schön, gell? 🙂

  7. Au ja, Eselswurst. Salami aus Eselfleisch schmeckt hervorragend, hab ich schon oft gegessen. So einen schönen Pferdeknacker könnte ich jetzt auch vertragen. Mit Kartoffelsalat. Ich mag Pferde übrigens auch lebendig sehr gerne, ich finde, sie riechen so gut.

  8. Em Vie-sche auf dem Markt, das kann ich mir gut vorstellen, wie da das Rauchfleisch schmeckte. Dass im Land der reitenden Royals Pferde nicht auf den Teller kommen, hab ich mir schon gedacht. Schade eigentlich, als Futter für die Jagdhunde werden sie bestimmt verwertet, ohne dass sich darüber ein Mensch aufregt.

  9. Wenn du es als Sauerbraten verzehrst, dann wirst du dich nur über die schöne Fleischqualität wundern. Ansonsten schmeckt es ganz normal, das könnte man Jedem vorsetzen, ohne dass er es merkt. Beim Gulasch hat man aber schon ein anderes Geschmacksempfinden, es erinnert an eine Mischung aus Rind und Wild.

  10. Da schlägt das Rheinland wahrscheinlich wieder durch. Dass die Schweizer auch so komponieren, wusste ich nicht. Zu Nudeln mit Gulasch esse ich immer Kompott. Wenn es fehlt, dann ist für mich das Gericht nicht rund. Norbert hingegen kannte diese Zusammenstellung nicht. Er mag eher Salat zu solchen Gerichten. Auch Sauerbraten ohne Kompott ist nur halb so schön. Wenn überhaupt…;-)

  11. Ja, bei vielen Menschen ist das, als ob man eine Katze oder Hund verspeisen würde. Ich habe auch schon Fohlenfleisch gegessen, es war ausgezeichnet. Leider Ist die Beschaffung ein Riesenproblem.

  12. „Pferde sind vorne und hinten gefährlich, in der Mitte unbequem.“
    – Ian Lancaster Fleming –
    Na, im Magen scheinen sie ganz erträglich zu sein 🙂
    Ich werde ab heute die Pferdekoppel auf meinem Weg zur Arbeit mit ganz anderen Augen sehen… aber *pssst*… nix den Kindern sagen!
    LG Hella

  13. Ich hatte neulich in Fallersleben eine 1a Pferdebratwurst, ich hab meinen doppelten Jahreskonsum also auch schon intus. 😉 Pferd gibts hier in der fränkischen Pampa gleich gar nicht zu kaufen, vor Jahren gab es mal einen Gasthof, der hieß „Zum Alten Esel“, der hatte immerhin, wie der Name schon sagt, Esel im Programm. Ist auch lecker. Nachdem mein Opa Hufschmied war, gab’s die Pferde bei uns als ich klein war meistens zum Geld dran verdienen, nicht zum Aufessen.

  14. Hallo Jutta, endlich mal ein Taboo Thema geblogt. In Viersen gab es auch immer auf dem Wochenmarkt einen Pferdemetzger, das Rauchfleisch, sage ich Dir, vom Feinsten. Ich habe fueher dann auch oft Pferdegulasch, Sauerbraten und Pferdesteak gemacht. Hier auf der Insel kann man es sich wirklich nicht vorstellen Pferd zu essen, barbarisch ist das, da gibt es meines Wissens kein Outlet dafuer, schade. LG
    Gudrun

  15. Pferdefleisch habe ich mich noch nie getraut zu essen. Vielleicht sollte ich doch mal….schließlich gibt es ja auf dem Rheydter Wochenmarkt einen Pferdemetzger.

  16. Leider hier überhaupt nicht zu bekommen. Interessant fand ich bei einer Führung im Zoo vor 3 Wochen, dass diese von Pferd auf Halb Rind – Halb Pferd umstellen mussten, weil plötzlich in den 90er die Nachfrage nach Pferd zugenommen hatte.

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