Just married 5 – Punschtortenbäckerin am Rande des Nervenzusammenbruchs

Guten Morgen, liebe Leser. Wir schließen die Augen (NEIN! Du nicht! Du musst weiterlesen!!!), wir atmen ruhig, wir gehen zurück in die Vergangenheit. Es ist Mittwoch, noch drei Tage bis zur Präsentation. Mittwochmorgen, 3.50 Uhr. Langsam gehen wir weiter zurück in die Vergangenheit. Es ist Dienstagnacht. Dienstagabend. Dienstagnachmittag. Dienstagmittag. Dienstagvormittag. Dienstagmorgen…..Montagabend. Was sehen wir?

2012 05 14_0933 Worschtdealer – Best Worscht in Town

Diese nette kleine Portion Worscht vom Worschtdealer

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wird für die nächsten Stunden und Tage das letzte herzhafte Gericht sein, das die Autorin dieser Zeilen zu sich nehmen wird. Der Worschtdealer besitzt in Frankfurt und Umgebung ein paar versteckte Winkel, wo er seine heiße Ware vertickt. Als Belohnung für eine gute Nachricht vom Arzt, bei dem ich zuvor war, habe ich mich dem Schlemmen von diesem grässlich abhängig machenden Stoff hingegeben. Man kann dort im Snack Point Currywurst in verschiedenen Schärfegrade bestellen – ich hatte die Weicheiversion – und das phantastische Bauernbrot als Beilage ist der Knaller überhaupt. Man kann sich auch noch was nachholen, wenn man immer noch Hunger haben sollte. Zudem sind die Dealer entweder total freundliche Zeitgenossen oder aber so frankfurterisch-kodderisch, dass es zur Worscht auch noch eine Menge Entertainment dazu gibt.

Ähm, wo war ich? In der Vergangenheit. Stimmt. Also weiter. Wir bleiben stehen auf unserem Weg in die Vergangenheit. Allmählich, Schritt für Schritt bewegen wir uns in die Gegenwart zurück. Es ist Montagabend. Es ist Montagnacht. Es ist Dienstagmorgen.

DINGDONG! DINGDONG!! DINGDONG!!!

Erquickt von einer wunderbaren Nacht springt Frau Schnuppschnüss aus den Federn. Juhu! Heute ist der wunderbare Tag, an dem ich wieder meine geliebte (hust) Punschtorte backen "darf". Ich freue mich schon sehr darauf, weil es doch immer so toll klappt mit der gefügigen Punschtorte. Zum Beispiel damals, als ich die Punschtorte "Biene Maja" buk.

Punschtorte, Detail2

Für meinen Vater. Damals gingen nur vier oder fünf Sachen schief, kaum der Rede wert (klick hier für die ausführliche Story).

Danach habe ich die Torte wieder gebacken zur Hochzeit der Tochter meiner liebsten Nachbarin, der wunderbaren Duuurrris aus Schloggebach.

Punschtorte

Damals gingen nur noch drei oder vier Sachen schief, überhaupt kein Thema. Stand ich total drüber. War mit absolut egal und hat mich überhaupt nicht um Lichtjahre altern lassen (klick hier für die ausführliche Story).

Was soll ich sagen, ich konnte es einfach nicht lassen, die Torte schmeckt eben so gut und sieht so gut aus und da mein Sohn meinte, eine Torte könne nie genug Marzipan enthalten und da er doch, zusammen mit seiner Dajana, die Hauptperson bei der Hochzeit war, hab ich sie halt wieder gemacht. Glaubt es oder nicht, ett fluppte wie am Schnürchen. Zunächst jedenfalls.

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Mein Plan für den Tag: Biskuitböden für die Punschtorte backen. Biskuitböden für die Schichttorte backen. Mürbeboden für die Schichttorte backen. Füllungen für die Torten bereiten. Tränke für die Punschtorte bereiten. Ganache herstellen, einmal dunkel, einmal hell, einmal Nuss. Torten abends füllen und über Nacht ruhen lassen. Tja, das war's schon, das sollte doch wohl bis abends zu schaffen sein.

Ich habe den Punsch-Biskuit (2 x 30 cm) ohne Probleme backen können, auch hier in zweifacher Ausführung, wegen der Tortenhöhe.

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Zwischendurch wurde noch eben die Schichttorte vorbereitet, die Biskuitböden (2 x 20 cm) sollten nach dem Punsch-Biskuit in den Ofen und so geschah es. Zwischendurch immer wieder spülen, spülen, spülen. Und Eier aufschlagen, denn heute benötigte ich derer 28 für meine Aktionen.

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Als die vier Böden gebacken waren, auskühlten und die Küche wieder in einen begehbaren Zustand versetzt war, zog bereits der Nachmittag herauf.

Hilfe! Wo ist die Zeit geblieben? Na, jetzt noch schnell den Mürbeboden backen und dann ist ja schon die halbe Miete drin. Schlau wie ich bin, habe ich den Teig im Thermomix geschreddert, einen Tortenring auf eine Tortenplatte aus Aluminium gesetzt, diese Schredderbröselmasse in den Ring geschüttet, festgedrückt und ab in den Manzfred damit. Das hat schon öfter geklappt, allerdings habe ich damals ein Blech verwendet. Mit dieser Alutortenplatte war das viel einfacher und viel…. blöder. Das merkte ich, als ich den fertigen Boden, der mir ausnahmsweise mal nicht verbrannt war, aus dem Ofen holen wollte. Irgendwie ging das nicht. Ich bekam diese Tortenplatte nicht aus dem Ofen. Sie war festgebacken. Zunächst habe ich noch vorsichtig gerüttelt, dann mit einem Küchenfreund dagegen gedrückt, am Ende musste ich ein großes Tortenmesser zur Hilfe nehmen, mich unter Backplatte und Alublech fummeln und diese Aluplatte quasi vom Ofenboden schneiden. Wieso, weshalb, warum das so war?

Ich hatte total vergessen, dass die Platte auf einer Seite eine Plastikbeschichtung hatte – ich nehme an, um sie vor Kratzern zu bewahren –

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und ich IDIOTIN hatte diese Plastikschicht nicht entfernt. Also löste sich beim Backvorgang das Plastik durch die Hitze auf und ging eine wunderbare Liäson mit meinem armen Manzfred ein.

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Ich habe mir einen Wolf geputzt und mir den Mund fusselig geschimpft, was dazu führte, dass mein Timing total neben der Spur war. Irgendwas ist ja immer mit dieser blöden, doofen, miesen Punschtorte. Obwohl sie eigentlich nix dafür kann. Ach, aber immer diese blöde Punschtorte, ich kann sie nicht ausstehen. Aber sie schmeckt halt so gut. Doofe Punschtorte, doofe! 

Jetzt fing das Routieren an. Ich mache es kurz. Ich habe es an diesem Tag noch geschafft, die Punschtorte zu füllen und für die Nachtruhe bettfein zu machen. Ich habe geschafft, die Ganache vorzubereiten – sie muss eine Nacht im Kühlschrank oder im kalten Keller auskühlen, erst dann kann man sie verarbeiten.

Die Schichttorte habe ich nicht mehr füllen können, denn mittlerweile war der Nachmittag in den Abend übergegangen, dieser in die Nacht und irgendwann war es 3.50 Uhr am Mittwochmorgen – ihr erinnert euch? Ich war fertig mit der Welt. Die Küche war sauber und bereit für den nächsten Tag, also eigentlich für gleich, ich bin nur noch ins Bett gefallen. Wecker war auf 8.00 Uhr gestellt, der arme Norbert hatte einen Zettel vor der Schlafzimmertür liegen: "Kaffee ist in der Maschine, nur noch anstellen. Frühstückstisch ist gedeckt. Bitte in der Kantine essen. Auf keinen Fall wecken.Tschöh."

 

Von Anfang an:

Just married 1 – Prolog

Just married 2 – Nougat-Quark-Nuss-Kuchen

Just married 3 – Die Blumen des Grauens

Just married 4 – Backe, backe Kuchen am Samstag

30 Antworten auf „Just married 5 – Punschtortenbäckerin am Rande des Nervenzusammenbruchs“

  1. En guude, Julia, von der Curry Manufaktur habe ich auch schon gehört und mir fest vorgenommen, mir da mal eine Worscht reinzuziehen. Vielleicht kann man sich ja mal zum Minibloggertreffen zusammenrotten, Frau I-Tüpfelchen ist doch auch aus Wiesbaden, wenn mich nicht alles täuscht. Vielleicht zieht sie ja ihren Wirsinghut an zum Treffen, das tät mir gefallen.
    Wir wohnen allerdings seit Freitag in Fulda, ich muss erst Kaddongs auspacken. In ca. 6 Monaten habe ich es hoffentlich geschafft ;-)Im Frühling melde ich mich dann nochmal *gg*
    Welcher Bäcker backt denn das schöne Brot (ich mein, eigentlich backe ich ja selber…)? Ist das dieser „Lebe gesund“-Laden? Deren Brot ist ja auch super.

  2. Dem kann ich mich als Franfodder Mädsche (und jetzt Wiesbadenerin nach 10 Jahren Exil in München) nur anschließen. Apropos: Jutta, probier doch mal die Currywurst von der Curry Manufaktur in Wiesbaden. Da stinkt Best Worscht richtig ab dagegen – ich habe beide verglichen! Das Brot kann man bei Best Worscht übrigens auch als ganzen Laib kaufen u. sogar vorbestellen. Das gibt es aber auch in der Kleinmarkthalle in ffm. Wir sollten uns dringend mal auf einen Äppler treffen 🙂

  3. Oh, Heidi, ich sehe ja gerade erst, dass du dich aber auch nicht verstecken musst. Alle Achtung, was du da so zauberst. Da muss ich aber mal ausgiebig stöbern. Tolle Sachen!

  4. Liebe Heidi,
    ich bin ja gerührt von soviel Lob, ganz herzlichen Dank!
    Dass mein Norbert für Manzfred gehalten wird, kommt schon mal öfter vor, da bist du nicht allein. Wenn ich mir mit der Vorstellung die Texte nochmal durchlese, liege ich selber manchmal unterm Tisch vor Lachen.
    Liebe Grüße
    Jutta

  5. Hallo
    bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und lese den Tortenkrimi seit Tagen durch .
    Das ist der beste Blog den ich je gelesen habe.
    Ausserdem dachte ich eine ganze Weile Manzfred ist dein Mann (könnt mich tot lachen.)
    weiter viel erfolg beim Backen Grüße
    Heidi

  6. Nääh, Moni, datt jiddet doch nitt – e Öscher Mädsche. Irjenzwie ist der Hesse ja der bessere Rheinländer. Denn so kommunikativ, wie der Hesse ist, wäre der Rheinländer gerne. Und so herzlich sind se hier. Ach ja, is schon schön hier, gelle? Ab und an mal Rheinland ist ja ganz nett, aber auf Dauer? Näää, datt wollen mer nit.

  7. Hallo Jutta,
    äääätsch, ich bin gar keine Frankfurterin, sondern eingeplackte Rheinländerin aus der Nähe von Aachen (Stolberg)!!!
    Aber in Hessen fühle ich mich genauso wohl wie Du.
    LG und ich freue mich schon auf die nächste Folge im Hochzeitstorten-Drama
    Monika

  8. Ei, e Frangfoddährin, des is hammähmähsisch! Ich bin ja nur eine Eigeplackte, aber mein Herz ist schon stark hessisch gefärbt. Isch bleib hier im Hesseländsche. Des is so schee.

  9. Freu! Ich habe mal einen Topf mit Mohnfüllung durch eine gerade renovierte Küche geschleudert. Seitdem zügele ich mein Temperament in der Beziehung. Das war nicht schön 🙁

  10. Ich hab es auch schon gedacht. Die Punschtorte klappt ja immer besser, irgendwann werde ich sie backen und backen und backen und überhaupt nicht mehr wissen, dass es jemals ein Problem gab.

  11. Au weia – das ist ein Fall für die Blogpolizeit und ich fürchte, sie wird bei mir von Vorsatz ausgehen. Ich hoffe, ich komme glimpflich davon. So mit ein bis zwei Tafeln Nougatschokolade essen pro Tag wäre ich einverstanden.

  12. Hallo Jutta,
    nach Deinen Hochzeitstorten-Stories kann man süchtig werden!
    Ich warte gespannt auf die nächste Folge, wie früher auf die nächste Folge des Romans in der Wochenzeitschrift. Ist immer noch nicht Donnerstag?!?
    Wenn ich beim Lesen Deiner Berichte dann am PC sitze und laut lachen muss, kommt regelmäßig die Frage meines Mannes: Gibt’s Neues von der Hochzeitstortenfront? Ich mag Deinen Schreibstil sehr, Du solltest Bücher schreiben…
    Ich werde die verdammte Punschtorte mal nachbacken allein aus Neugierde, wie sie schmeckt und was bei mir alles daneben geht. Sollte ich irgendwann noch einmal heiraten (die Gefahr besteht nicht!), werde ich meine Hochzeitstorte bei Dir bestellen!!!!!!!!!!!
    Und wenn Du das nächste Mal in FFM bist, könnten wir uns vielleicht mal zu einer Best Worscht in Town treffen?
    Liebe Grüße aus FFM in die Wetterau
    Monika

  13. Ich lese schon eine Weile heimlich hier mit. Aber jetzt muss es einfach mal gesagt werden: deine Geschichten sind so herrlich witzig und spannend. Mensch war braucht da noch Bücher?!
    Ich hätte die Kuchen sicherlich schon längst an die Wand geworfen ;). Du bist zu bewundern!

  14. Super Jutta! Sieh’s mal so: so langsam ist dann bei dieser Torte alles schiefgegangen, was schiefgehen kann. Das Plastik ist jetzt auch ab – also sollte irgendwann bei der übernächsten oder über-übernächsten alles flutschen wie von selbst 🙂
    (Ich hätte mich angesichts dieser Aufgabe mit einem Nervenzusammenbruch unter die Bettdecke verkrochen.)

  15. Hallo Jutta, ich warte gebannt auf die naechste Etappe dieser Story. Also die verschmolze Tortenplatte haette mich ‚over the edge‘ gebracht…. MUTIG – SEHR MUTIG.
    LG
    Gudrun

  16. Ich bin fertig mit den Nerven – Wallander habe ich jetzt mal zur Seite gelegt!
    Nachtaktionen kenn‘ ich zwar (ganz besonders solche mit immer wieder demselben Gebäck) – aber grad so gut vorbereitet? Verträgst Du eigentlich noch das Tageslicht oder gehst Du mit der Sonnenbrille und Lichtschutzfaktor 99 aus dem Haus?

  17. Grundgütiger – ich bin allein vom Lesen völlig fertig. Und spätestens bei der mit dem Ofen verschmolzenen Tortenplatte wäre ich nicht mehr nur am Rand eines Nervenzusammenbruchs gestanden. 🙂 Du hast meine staunende und uneingeschränkte Bewunderung!

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