Just married 7 – Schnuppschnüss beweist: Die Fondanthölle ist überlebbar (Danke Norbert, Danke Mama, Danke Papa)

Ok… ihr wundert euch, wieso fast drei Wochen nach dem letzten Eintrag vergangen sind? Ganz einfach – um euch ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es sich anfühlt, wenn man mit fünf Torten 250 km weit extremst ungern Auto fährt. Jeder Kilometer war eine einzige Tortur und ich hatte ja keine Ahnung, dass ich so phantasiebegabt bin. Ich habe alles aufgeschrieben, was mir durch den Kopf ging während der Fahrt und es hat eine Kladde von 1267 Seiten gefüllt und ich habe schon einen Regisseur gesucht, der dieses Grauen, dieses Splattermovie erster Güte – allererster Sahne quasi – verfilmen wird. Ja gut… noch habe ich keinen gefunden. Wird schon. Zurück zum Thema:

Es ist Donnerstag. Es ist Feiertag. Es ist der Tag des Tortentransportes. Dieser Torten:

Frühstück bei Ma und Pa

Eigentlich hatte ich vor, gemeinsam mit meinem allerliebsten Norbert (keine Ahnung, wie der Mann das alles aushält mit mir) sehr sehr sehr sehr früh an diesem Feiertagsdonnerstag nach Mönchengladbach zu Mama und Papa zu fahren, damit der Verkehr nicht so dicht ist und die Gefahr gering, dass ich laut kreischend vor Panik umdrehe (also von der Autobahn abfahre), auf den nächsten Parkplatz zusteuere und die kompletten Torten aufesse. Aber da wir in der Nacht zuvor wieder einmal sehr spät bzw. früh die Öhrchen aufs Kopfkissen legten, mussten wir erst mal ausschlafen. Bis 6.00 Uhr. Immerhin.

Danach die übliche Morgenroutine absolvieren, Auto packen = Millionen von Utensilien neben den Torten, Wäsche für drei Übernachtungen, Klamotten für Standesamt und Kirche – ich kam mir vor wie der Marrakesh-Express auf dem Weg nach Dopeington. Meinen Eltern hatte ich vorgeschlagen, gemeinsam zu frühstücken. Daraus wurde dann erst recht spät eine Art Brunch. Während der Fahrt gab Norbert immer wieder unsere Position durch, damit die Eltern nicht vor Sorge ins Gras bissen. Und irgendwann, so gegen Mittag, waren wir dann tatsächlich dort. Im Land meiner Träume. Ich habe vor Erlösung geweint, so froh war ich, als die fünf Biester endlich im Rheydter Keller standen.

Meine Mutter, den irdischen Genüssen nicht abgeneigt, hatte aus lauter Vorfreude auf ihre Kinder und deren glückliche Ankunft – ja! es ist wahr! wir haben MG ohne Probleme erreicht! – ein nettes Tellerchen voller Breakfast-Freuden für das unterernährte Töchterlein vorbereitet.

Frühstück bei Ma und Pa

So sind se halt, die Mütter. Schnell noch Kaffee in der Kopp jeschüttet und dann gingen die Vorbereitungen für die Torte in die nächste Runde. Irgendwie muss mir das Ei und vor allem der Speck sofort auf die Arme geschlagen sein.

Frühstück bei Ma und Pa

  • Memo für das nächste Mal: Ich sollte keine ärmellose Kleidung tragen und Fotos der Po-Ebene unterstreichen die Schönheit meiner wunderbaren Gestalt suboptimal.

Schwamm drüber: Eigentlich hatte ich ja vor, die Torten schon mit Fondant bezogen zu transportieren. Da mir die Zeit fehlte, wurden sie nur im Ganache-Kleidchen nach Gladbach geschafft, was sich im Nachhinein als goldrichtig entpuppte, denn die ein oder andere Delle in der Schoko-Sahne-Masse war doch entstanden. Das ließ sich aber mit einem warmen Messer wieder flott ausbessern. Bei Fondant wäre der Schaden irreparabel gewesen. Puh, Glück gehabt.

Stück für Stück wurden die Torten mit Fondant bezogen. Ich habe mit der kleinsten angefangen und mich langsam nach oben hochgearbeitet.

Frühstück bei Ma und Pa

Ich verwende Massa Ticino Tropica von Carma und bin immer wieder erstaunt, wie gut sich die Masse verarbeiten lässt.

Frühstück bei Ma und Pa

Für die Torten habe ich 7 Kilo Fondant benötigt und auch die ganz große Torte ließ sich absolut problemlos damit beziehen. Hier musste ich den Fondant immerhin auf 60 cm Durchmesser ausrollen und diese Platte dann auf der Torte positionieren. Das klappte viel besser, als vermutet. Uff!

Frühstück bei Ma und Pa

Man darf nur nicht während des Ausrollens mit Quatschen anfangen und kein Ende finden, dann trocknet die Chose ein und es gibt eine schrundige Oberfläche – so geschehen bei Torte Nummer Drei – 25 cm Durchmesser. Meine Mutter hat gesagt: "Datt sieht kein Mensch, mach' datt bloß nich' mehr neu!"

Frühstück bei Ma und Pa

Ausnahmsweise habe ich mal auf meine Mutter gehört und sie hatte auch recht. Wie immer.

Dann standen sie da. Fünf Torten. Alle mit Fondant bezogen. Alle in unschuldigem Weiß und ich mit tränennassen Wangen vor Erleichterung, dass ich tatsächlich soweit gekommen war. Ok, ich hätte vielleicht auf den Basteltisch meines Vaters* eine Decke legen sollen, aber es war mir sowas von piepegal in dem Moment. Ich wollte einfach nur staunen und mich freuen und glücklich sein, dass die fünf Kandidaten endlich parat waren für ihren Auftritt zwei Tage später.

Frühstück bei Ma und Pa

Jetzt musste ich nur noch ungefähr 50 Rosen machen (oder 10? oder 20? oder 100?) – ich hatte immer noch keine Ahnung, wieviele Blüten ich benötigte und da nach dem Spiel vor dem Spiel ist, setzten wir uns dann auf die Terrasse und ich machte Rosen, Rosen, Rosen, Rosen, Rosen.

Meine Mutter (73) hat uns währenddessen aufs beste bewirtet, bemuttert und betreut. Mein Vater (77) war ebenfalls ein wahrer Schatz und ich kann gar nicht genug "DANKESCHÖN" sagen, dass wir euch so lange auf den Wecker fallen durften, liebe Mama und lieber Papa.

Ma und Pa
Gegen 22.00 Uhr war dann Schicht. Ich konnte nicht mehr und wir sind Richtung Bett gewankt. Am nächsten Tag stand schließlich der schönste Tag im Leben meines Sohnes Tobias und seiner lieben Dajana an – die standesamtliche Trauung im Rathaus Abteiberg in Mönchengladbach. Es war soooo schön!

 

Von Anfang an:

Just married 1 – Prolog

Just married 2 – Nougat-Quark-Nuss-Kuchen

Just married 3 – Die Blumen des Grauens

Just married 4 – Backe, backe Kuchen am Samstag

Just married 5 – Punschtortenbäckerin am Rande des Nervenzusammenbruchs

Just married 6 – Wenn mich heute einer anspricht, erschieße ich ihn!

 

 

*Wusstet ihr eigentlich, dass mein Vater ganz tolle Krippen und Schwibbögen und Weihnachtsdekorationen machen kann? Ein richtiger Künstler ist das.

 






29 Antworten auf „Just married 7 – Schnuppschnüss beweist: Die Fondanthölle ist überlebbar (Danke Norbert, Danke Mama, Danke Papa)“

  1. Ach Jutta,
    ich hätte beinahe mitgeweint als ich über euer heiles Ankommen in MG las. Als wäre ich mit Haut und Haar dabei gewesen! Bittebitte, lass uns nicht mehr so lange leiden und berichte weiter! 🙂
    Vorfreudige Grüße
    Nellichen

  2. Hallo Jutta, was ist los, hast Du Dich noch nicht von den Strapazen der Hochzeit erholt, wir wollen wissen, wie es weitergeht.
    Ich habe Dir den One lovely Blog award verliehen, schau mal bei mir rein. LG
    Gudrun

  3. Kann frau das dann auch als E-Book haben 🙂
    Einfach genial wie du die Torten „angekleidet“ hast. Ich hoffe doch, dass deine Kinder gut unter die Haube gekommen sind und sich an der Torte laben konnten. Freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Ganz liebe „fast sommerliche“ Grüße
    aus dem Rhein-Lahn-Kreis
    Petra

  4. Hammerhart! So nen weiten Weg, mit so leckeren Torten und alle kommen heil an. Vorallem sehen sie richtig gut aus, gibts denn noch ein Foto von der fertigen Torte?

  5. Jutta, ich liege hier in Berlin im Hotelbett, Theo schaut Fussball und ich darf zum Glück zur Ablenkung Deinen wunderbaren Blog lesen. Ich Lache Tränen und gerührt bin ich auch. Und dass bei Euch alle richtige Künstler sind…..Quod erat demonstrandum!

  6. Liebe Jutta
    Ich hatte es ja geschrieben – ein Regisseur & Produzent müssen her! Vielleicht Arthur Cohn? Den kenne ich persönlich und er hat schon einige Oscars im Büro rumstehen. Dein Krimi wäre sicher faszinierend genug! Und erst die Protagonisten:
    Berührend, echt und einfach umwerfend!
    Hach, ich möchte dann einfach eine kleine Statistenrolle als Standesbeamtin oder besser als Servicekraft beim Tortenanschnitt…
    In der Zwischenzeit erhälst Du meine lieben Gedanken zugesandt für den Umzug und alles was sonst noch läuft!

  7. auch ich habe mitgezittert, aber es gab ja ein happy end. das wuensch dir auch fuer das naechste zitterprojekt. buch, verfilmung, was auch immer, du hast eine ganze menge fans!

  8. Das ist die Küche meiner Eltern, meine Mutter hat ein wirklich tolles Händchen, was Inneneinrichtungen angeht. Sie fährt aber auch für einen Spiegelschrank in 10 Geschäfte und schaut sich alles mögliche an. Das ist gar nix für mich. Mein Vater ist der Handwerker, der dann alles umsetzt. Die Küche ist aber von einem Fachmann eingebaut worden. Schon 10 Jahre alt, aber immer noch chic.
    Ich werde mal einen Blogeintrag schreiben – aber vielleicht erst in der Vorweihnachtszeit – um die Arbeiten meines Vaters vorzustellen. Er ist wirklich besessen und bastelt unheimlich viel und unheimlich tolle Holzsachen.

  9. Angelika, ich hänge ja auch total mit allem – der Umzug, der Umzug, der Umzug – lass dich also bloß nicht hetzen. Ich denke so oft an deine Umbau-Aktionen und frage mich, wie du das alles packst. Ich bewundere dich wirklich für deinen Elan und deine Kraft. Auch mal fest drücken! Bis bald

  10. Ooooooooooh! Diese wunderschöne Küche, seufz…. Passt ganz toll zu deinen traumschönen Torten. Hast du vielleicht Fotos von den Arbeiten deines Vaters? Ich seh schöne Holzarbeiten zuuuuuu gern.
    LG MamaBeate

  11. Schöne Geschichte, liebe Jutta. Und ich freue mich, Dich auch in den Bildern zu sehen. Morgen kommt dann eine ausfüüüüüührliche Email! Endlich! Eine Umarmung und Gratulation zu dem „Tortenschaffen“, Angelika

  12. *hachz* es macht so spaß mitlesen zu dürfen, ein kleines Stückchen dabei zu sein… toll und danke das du uns mitnimmst 🙂
    super liebe sonnige fränkische Grüße
    Karin
    p.s. wo kann ich mich für das Buch eintragen ?

  13. Und erneut stellte sich Herzrasen beim Lesen ein. So als ob ich die Torten gemacht hätte. Ein wunderbarer Bericht ist das wieder geworden, Jutta.Du solltest wirklich mal ein Buch schreiben. So eine Art Küchen- oder Tortenkrimi.

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