Just married 8.2 – Fluch der Akribik

Als die standesamtliche Trauung vorüber war,

Ma und Pa
wir gut gegessen hatten und auf der Terrasse meiner Eltern saßen machten Norbert, meine Eltern und ich – jaaaa, richtig! Rosen

Rose
und während wir da so saßen, meine Mutter zwischendurch noch eine Erdbeertorte, eine Apfeltorte und eine Käsesahnetorte buk (phänomenal, was sie alles schafft!) überlegte ich, wie ich die Torte wohl nach Rasseln, dem Ort der Feier nach der kirchlichen Trauung, transportieren soll. Und ob alles gut geht und wie ich die Torte aufbauen soll und wie lange das dauert und wieviel Zeit noch bleibt. Eigentlich hatte ich vor, am Tag der Trauung morgens ganz früh die einzelnen Torten zu transportieren, zu stapeln, mich dann umzuziehen und um 14.00 Uhr bei der Trauung zu sein. Irgendwie erschien mir dieser Plan immer gewagter, je mehr Zeit an diesem Nachmittag verstrich. Zumal ich immer noch nicht wußte, wieviele Rosen ich endgültig benötigen würde.

Ich warf also  – mal wieder und zum Glück – alle Pläne über den Haufen (darin bin ich Weltmeisterin) und fing an zu routieren und mit mir mein armer Mann, meine Eltern, die andere Familie von Tobias im fernen Rasseln (12 km Landstraße) und der Rest meines kompletten Umfeldes. Ich entschied, dass wir abends noch die Torten zur Scheune transportieren – und ich hatte Angst. So große Angst, dass ich zweimal fuhr – falls ich einen Unfall gebaut hätte, wären zumindest ein paar Torten für den Beerdigungskaffee übrig.

Ich muss noch erwähnen, dass man nicht auf normalem Wege nach Rasseln fahren konnte. Im Ort war eine Baustelle und die Durchfahrt gesperrt. So musste man über einen Schleichweg fahren, von dessen Existenz ich wußte und von dem ich dachte, dass ich genau weiß, wo er sich befindet. Der Fokus liegt auf "dachte". Norbert und ich packten also drei Torten in das Auto, winkten meinen Eltern noch einmal zu (vielleicht zum letzten Mal?) und machten uns gaaaanz langsam auf den steinigen Weg in die Mönchengladbacher Pampa. Dort angekommen, fuhr ich irgendwie am Schleichweg vorbei – mittlerweile befand ich mich wieder in belebtem Gebiet und steuerte zielstrebig die Mönchengladbacher Innenstadt an – nur, da wollten wir ja nicht hin.

Also umgedreht und eine Ehrenrunde durch den Ort gedreht, in dem sich – irgendwo, aber wo nur? – dieser vermaledeite Schleichweg befinden musste. Die Zeit lief, der Zeiger tickte unaufhörlich und ich war am Rande der Nervenkrise – vielleicht auch ein wenig darüber hinaus. Nur mit Hilfe des Smartphones, google maps und meinem Mann als Navi aus Fleisch und Blut gelang es uns endlich, diesen doofen Weg zu finden. Stunden später kamen wir in Rasseln an, schmissen die ersten drei Tortenconainer aus dem Auto, warfen uns ins Cockpit, flogen nach Rheydt = "Melanie Gebler-Klüpfel Gedächtnisrallye", packen zwei Torten und jede Menge Werkzeug ein, fuhren wieder gaaaaanz laaangsam nach Rasseln, fanden sofort den Schleichweg, packten aus und dann begann in der schön hergerrichteten Scheune

3 hätten wir schon mal

der Aufbau der Hochzeitstorte, die am nächsten Tag die Kinder und die Gäste erfreuen sollte.

3 hätten wir schon mal

Was soll ich sagen… es hat STUNDEN!!! gedauert. Der arme Wolfgang musste alle möglichen Sachen besorgen, die ich dann doch noch brauchte, aber nicht dabei hatte. Wolfgang kannst mal, Wolfgang haste mal, Wolfgang holste mal…

3 hätten wir schon mal

Wir haben gemessen und gestapelt und gestapelt und gemessen und gestapelt und wie immer hatte ich mich völlig mit der Zeit verschätzt. Gott, ist das aufwändig!

Um die schweren Torten unfallfrei stapeln zu können, wurde jede Etage mit fünf Holzstäbchen versehen, die das Gewicht der nächsten Etage tragen sollten. Nachdem der Bereich markiert war, wo sich die Stäbe befinden sollten,

3 hätten wir schon mal

wurden die Holzstäbe angespitzt, in die Torte gesteckt, markiert, herausgezogen, abgesägt, wieder reingesteckt. Nur hatten wir leider die Säge vergessen – aaaaahhhh. Irgendwie haben wir dann, auf dem Bogen liegend, mit einem Messer die Holzdinger zerstückelt, es war schrecklich.

Auf jede Torte kam EXAKT!! mittig ein Zwischenboden,

3 hätten wir schon mal

damit eine Lücke entstand, in die später die Rosen eingepasst werden sollten. Ohne diese Zwischenlage wären die Rosen zu weit nach vorne an den Rand gelangt, das hätte nicht so gut ausgesehen. Und ein Bändchen drumrum gab es auch.

3 hätten wir schon mal

 Wichtig war, dass wirklich alle Böden

3 hätten wir schon mal

 akkurat mittig

3 hätten wir schon mal

positioniert wurden

3 hätten wir schon mal

 und das dauerte halt seine Zeit.

3 hätten wir schon mal

Vorteilhaft war, dass ich während der gesamten Prozedur stets meine gute Laune behielt. Ich bin dafür bekannt, dass ich in brenzligen Situationen stets ruhig, ausgeglichen und überlegt handle.

3 hätten wir schon mal

Trotzdem hatte ich zwischendurch, wenn ich hier und da und dort noch eine winzige Korrektur vornahm,das Bedürfnis, weniger sorgfältig zu sein und immer wieder kam mir ein Gedanke: "Fluch der Akribik!" Schludern war nicht.

3 hätten wir schon mal

Irgendwann stand dann endlich die Torte, zunächst noch ein wenig windschief, aber mit ein bisschen gutem Zureden stand sie dann wie eine Eins.

Gucken, prüfen, testen
Rosen? Haben wir nicht mehr geschafft, die mussten bis zum nächsten Morgen warten. Denn mittlerweile war schon der neue Tag angebrochen und wir fielen mal wieder erst kurz vor zwei Uhr ins Bett – total feddisch!

3 hätten wir schon mal

Das Feintuning musste dann halt am nächsten Morgen erfolgen, dem Tag der kirchlichen Trauung – es war soooo schön!  Aber vorher mussten wir erst einmal das Grauen überwinden. Was das war? Kommt in der nächsten Folge. Zorri!

 

Von Anfang an:

Just married 1 – Prolog

Just married 2 – Nougat-Quark-Nuss-Kuchen

Just married 3 – Die Blumen des Grauens

Just married 4 – Backe, backe Kuchen am Samstag

Just married 5 – Punschtortenbäckerin am Rande des Nervenzusammenbruchs

Just married 6 – Wenn mich heute einer anspricht, erschieße ich ihn!

Just married 7 – Schnuppschnüss beweist: Die Fondanthölle ist überlebbar

Just married 8.1 – Die lieben Kinder heiraten

 

28 Antworten auf „Just married 8.2 – Fluch der Akribik“

  1. Genialer Bericht, Jutta!!!
    Am Besten gefällt mir dieser Passus „Vorteilhaft war, dass ich während der gesamten Prozedur stets meine gute Laune behielt. Ich bin dafür bekannt, dass ich in brenzligen Situationen stets ruhig, ausgeglichen und überlegt handle.“ – da kann ich mich voll mit identifizieren ;-)))
    Ich bin schon so gespannt auf den nächsten Teil der Geschichte!
    Süße Grüße,
    Monika

  2. Hallo Jutta, das ist ja eine köstliche Geschichte (Kurzkrimi).Schon beim Lesen hätte mich fast die Panik erwischt ;o)
    Lieben Dank, dass wir so schön an der Hochzeit teilhaben konnten.
    Die Torten sind der absolute Wahnsinn.
    Herzliche Grüße, Renate

  3. Liebe Jutta,
    ich bin ganz hin und weg von deiner Story. Hi hi, und diese Wegsuche, ich brech weg. Ihr, als Schatzsucher findet nur mit Mühe einen Schleichweg 😉 Unbedingt weiterschreiben, der Stoff geht dir ja bestimmt nicht aus, irgendwann musst du dann Torten für eine Taufe backen, für die Erstkommunion usw. deiner Enkel, das wird lustig. Aber ehrlich, Nerven brauchtest du da wie Drahtseile, Respekt!
    Liebe Grüße von Barbara 🙂

  4. Ich bin geplättet und „war dabei“!
    Bitte lass und nicht zu lange auf die Fortsetzung warten. Jedoch andererseits, kannst du nicht bitte eine never ending story daraus machen? Deine Schreibe is ´ne Wucht!

  5. Jutta, ich knie nieder!
    Nein, wart mal, das geht zu lange und ich bin eine alte Frau… Also, ich setz mich auf einen Stuhl und bewundere diese „Unvollständige“ – Dir ist doch hoffentlich bekannt, dass damit einige Leute seeehr bekannt wurden?
    Aber *grmlpfdtshhegonomal*, warum muss ich warten, bis ich weiss, wie es weiter geht!?! KREISCH und HAARERAUF!!!
    Es ist schlimmer als „24“, ich zeige bereits Suchterscheinungen und das am letzten Tag meiner Ferien. Nein Jutta, das ist nicht nett, auch nicht lustig, nein Jutta, ich drück‘ jetzt auf die „AUS“-Taste und geh‘ zu Bett. Da warte ich dann schmollend auf die Fortsetzung!

  6. Platsch, also nachdem ich jetzt den Mund wieder zu bekomme…… ich werd verrückt. Jutta Buch? Ich werde Leser! Ich freue mich auf die Fortsetzung. Die Torte ist mega, bevor ich die Fortsetzung dann lese und die fertige Torte sehe, halte ich profilaktisch meinen Mund von vornherein oben.
    Grandios

  7. Aber eeeecht – DEN Titel hab ich nu dreimal gelesen, um zu begreifen, dass ich mich NICHT verlesen habe… Du bist echt ne „coole“ Socke…
    Wat ein Krimi wieder!!!
    Und was für ein vorsorgliches Denken an die Verköstigung eventuell zukünftig Hinterbliebener..
    Oh ja – ich wünsch mir auch ein Jutta-Buch… (und ich backe keine solchen Torten, nich) – es gab noch nirgendwo soooo schöne Tortenkrimis (Dramödien???)
    Danke, danke, danke… und ob Du die Größte bist! *daumenhoch
    Fortsetzung kommt bestimmt (also nach dieser Story) – irgendwann kommt der Storch vorbeigeflogen…
    Dann wird doch Torte in hellblau oder rosa gebraucht, gefolgt von vielen, vielen Geburtstagstorten, Einschulungstorte, Abi-Torte usw., usf… Jutta – da wartet noch so viel Abenteuer auf Dich…

  8. Ich sehe schon, an der Geschichte können wir uns alle bis Weihnachten oder länger erfreuen, wenn es in dem Tempo weitergeht. 😉
    Jutta, wieso kommst Du nicht zum Kochen? Was heckst Du jetzt schon wieder aus?!?

  9. Aber gerne doch – ich will auch brav sein und mich bemühen, nicht wieder Wochen verstreichen zu lassen, bis zur nächsten Episode. Die dann wohl die letzte sein dürfte, wie ich gerade feststelle.

  10. Hihi, Eva, ich bin ja schon froh, wenn ich derzeit den Einkaufszettel geschrieben bekomme. Obwohl – ich muss ja gar keinen schreiben, weil ich keine Zeit zum Kochen habe *g*. Ich drück dich (und habe gerade natürlich mal wieder maßlos übertrieben. So schlimm ist es nicht. Aber fast. Na ja…)

  11. Ich freue mich so, dass wir die Story jetzt weiterlesen dürfen. Ich bin auf die finale Version der Torte so gespannt. Ganz, ganz herzlichen Dank

  12. Zitat: „So große Angst, dass ich zweimal fuhr – falls ich einen Unfall gebaut hätte, wären zumindest ein paar Torten für den Beerdigungskaffee übrig.“ – Jutta, DANKE für diese wunderbare Fortsetzungsgeschichte – du bist die Größte! – Und bitte: schreib endlich ein Buch! 🙂

  13. Die super und vielen Fotos werden mal wieder nur von dem Text getoppt – ich fühle mich, wie wenn ich dabei gewesen wäre, und Rosen falte, Holzstecken abkaue, an Beerdingskaffee denke und mich verfahre…
    Und bin gespannt auf den nächsten Teil!!!

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