Ein frohes, friedliches, glückliches und gesundes Jahr 2016 für euch, liebe Leser

P1010630

Das Jahr 2015 ist beendet. Was für ein Jahr! 

Ein Jahr voller Entsetzen über den Krieg, das Sterben, die Flucht, das Elend. Über die Hartherzigen, die Dummen, die Brutalen, die Mitläufer. 

Vor allem aber ein Jahr der Freude, des Miteinanders, des Glücks; ein Jahr der Begegnungen mit Menschen, die mein Leben reich machen und meine Seele froh. 

Ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ist eine Tätigkeit, die manchmal schwer ist, manchmal traurig, manchmal frustrierend und manchmal macht sie auch wütend. Es fehlt an vielen Dingen, derzeit ist der Mangel an Wohnraum ein großes Problem, es gibt nicht genug Plätze in Kindergärten usw., usw.. Aber darüber möchte ich heute nicht schreiben, sondern von den anderen Facetten des Miteinanders, denn vor allem empfinde ich Befriedigung und Glück, wunderbaren Menschen ein wenig Hilfe zu leisten, damit sie in der neuen Welt zurecht kommen. 

Ich bin nur ein kleines Rädchen in einem großen Getriebe, dessen Motor die Bereitschaft vieler Menschen ist, ihren Beitrag zur Mitmenschlichkeit zu leisten. Mitarbeiter der großen Verbände – hier die AWO und ein privater Investor – leisten unglaublich tolle Arbeit. Viele kleine Initiativen und Netzwerke sind agile Keimzellen, aus denen Ideen, Projekte und konkrete Hilfe erwachsen. Der Kontakt zu so unglaublich interessanten und engagierten Helfern ist ein weiterer Stein im bunten Mosaik. Was habe ich an tollen Leuten in den letzten Monaten kennen gelernt, es ist wirklich phantastisch. 

Bewundernswert vor allem sind aber die aus ihrer Heimat Geflüchteten, Menschen, die alles, was sie besaßen, hinter sich lassen mussten. Menschen, von Krieg und Verfolgung bedroht, die zu uns kamen, um wieder ein sicheres Leben führen zu können. Menschen ohne Besitz, ohne Heimat, ohne ihre Lieben, die sie in ihrem Land zurück lassen mussten. Trotzdem gibt es jeden Tag so viel Beglückendes, das mein Herz reich und leicht macht, geschenkt von Menschen, die so viel Schweres hinter sich haben, dass ich oft weinen muss. 

Da ist der junge Mann aus Afghanistan, der so viel Liebe und soviel Anstand in sich hat, der alles tut, um die Sprache zu lernen, sich zu integrieren, Kontakt zu den Einheimischen zu bekommen. Er ist eine Bereicherung für uns alle, wenn ich an die Zukunft denke, auch ein Mosaikstein,  einer der sich wunderbar in den bunten Teppich unserer Welt einfügen wird. 

Da sind die beiden älteren Herrschaften aus Pakistan, die meine Verrücktheiten ertragen und mir die Ehre erweisen, immer pünktlich und aufmerksam der Deutschhilfe beizuwohnen. Die mir von ihrem Leben erzählen, die sich die Urlaubspostkarte haarklein erklären lassen und die Namen aller Sehenswürdigkeiten in ihre Kladden eintragen. Die sich für mein Leben interessieren und stolz Fotos zeigen von den Menschen, die ihnen wichtig sind. Die mit mir in der Küche stehen und Tee kochen und Kuchen essen und ebenfalls alles tun, hier heimisch zu werden. 

So viele Schicksale und so viel Mut, Willenskraft und Fröhlichkeit, trotz allem, was geschehen ist. Diese Menschen verdienen meinen und unseren allergrößten Respekt. Und unsere Unterstützung.

Natürlich gibt es auch negative Erlebnisse, Menschen, die nicht klar kommen mit der neuen Situation. Aber diese Episoden sind in der absoluten Minderzahl und eine Lösung gibt es auch in solchen Fällen. Meistens jedenfalls. 

Warmherzigkeit ist das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an die Menschen denke, mit denen ich zu tun habe. Und Offenheit. Ich habe bislang noch nicht einmal irgendeine komische Reaktion erlebt, ganz im Gegenteil. Egal ob Muslim oder Christ, ob Mann, Frau oder Kind, alle Menschen sind mir respektvoll begegnet. Mir ist noch nie im Leben so oft die Tasche getragen oder die Tür aufgehalten worden wie in den letzten Monaten. Und ich habe noch nie zuvor so lustige Mützen getragen. 

Das zur gefälligen Betrachtung ausgewählte Objekt hat eine Dame aus Afghanistan hergestellt. Nach drei Treffen im Handarbeitskreis, ohne dass sie jemals zuvor eine Häkelnadel in der Hand gehabt hätte. Ein Naturtalent. Mein Gott – was haben wir gelacht! 

2015-12-22 10.36.36

Normalerweise ist das nicht meine Art, aber ich überwinde mich und bitte euch um einen Gefallen: schaut doch einmal nach, ob ihr in einer dunklen Ecke noch Wolle habt, die ihr nicht mehr benötigt. Ich kann sie für die Handarbeitsgruppe sehr gut gebrauchen. Die Portokosten für den Versand übernehme ich. Wir sind derzeit zwar noch sehr übersichtlich in der Besetzung, aber ich bin sicher, dass es im Laufe der nächsten Wochen voller wird und dann weiß ich nicht, wie meine liebe Mitstreiterin und ich den Nachschub organisieren sollen. Ich würde die Wolle an die Damen (und vielleicht auch Herren) nicht ganz kostenlos abgeben, um so die Portokosten wieder rauszuholen und habe mir überlegt, dass 0,50 Euro für ein Knäuel schon drin sein müssen. Wir würden uns alle riesig freuen :-) 

 

P1010666Für eines unserer beiden Christkinder

Nochmals wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein tolles Jahr, seid lieb zu euch und nehmt ein Stück Kuchen! 

P1010414

4 Antworten auf „Ein frohes, friedliches, glückliches und gesundes Jahr 2016 für euch, liebe Leser“

  1. Liebe Jutta,
    einen Wollladen habe ich nicht, dafür habe ich das Eichhörnchen-Gen. Ich kaufe öfters Wolle für diesen oder jenen Zweck und dann kommt was dazwischen….. oder ich habe Wolle für meine Lieben gekauft und die gefällt dann doch nicht. So kommt man zu einem größeren Vorrat.
    Es freut mich, dass Dir die Wolle gefällt. Macht daraus viele schöne Dinge, dann freue ich mich auch, dass sie noch gebraucht wird.
    Liebe Grüße
    Barbara

  2. Liebe Barbara,
    ich bin fertig! Was für ein Paket! Mein Mann kam damit die Treppe hochgewankt und als ich es ausgepackt hatte, musste ich mich erst mal setzen. Der Wahnsinn! Und dieses Gabelhäkelgerät…ich bin begeistert und kriege mich nicht mehr ein.
    Vielen herzlichen Dank für die tollen Sachen in so großer Vielfalt, dass ich das erst einmal sacken lassen muss. Hast du einen Wollladen?
    Ich freue mich so, ich weiß nicht, was ich sagen soll, derzeit bin ich im Überwältigtseinmodus und finde nicht mehr heraus. Wie toll!
    Du bist eine Wucht, ich danke dir von Herzen!
    Jutta

  3. Liebe Barbara,
    wie wunderbar, ich freue mich, dass sich eine „alte“ Leserin zu Wort meldet, vielen Dank für die guten Worte! Das motiviert mich, endlich mal wieder ein paar Rezepte zu bloggen.
    Wie schön, dass Sie uns unterstützen wollen, das ist ganz lieb. Nadeln können wir auch gut gebrauchen, sehr gute Idee! Das mehrfädige Garn wäre wohl eher etwas für die versierten Handarbeiterinnen, da bin ich mir nicht sicher, ob diese Herausforderung ein wenig zu groß ist. Allerdings hat unsere Superhäklerin so gute Fortschritte gemacht (ich bin immer noch baff), dass ich ihr alles zutraue. Sie scharrte beim letzten Mal schon mit den Hufen, um Stricken zu lernen und hat schon den Maschenanschlag und rechte Maschen geübt:-)
    Zudem haben wir in der Nähe noch eine Unterkunft, in der auch eine Handarbeitsgruppe existiert und von drei Frauen geleitet wird. Falls die Wolle für uns zu schwer zu verarbeiten ist, würde ich sie, falls Sie sie senden möchten, weiter geben. Vorausgesetzt, dass das so in Ordnung ist für Sie.
    Herzlichen Dank für die guten Wünsche, die ich gerne bekräftige und an Sie sende, einfach toll, dass es so liebe Menschen gibt
    Jutta

  4. Hallo Jutta,
    das ist eine sehr gute Idee, werde in den nächsten Tagen ein Paket an Ihre Adresse senden.
    Ich habe aber noch 2 Fragen:
    Brauchen sie auch Stricknadeln und kann es auch Strickmaschinenwolle sein, die man mehrfädrig verstricken muss?
    Da ich mich noch nie für die Mühe bedankt habe, die sie sich mit Ihrem Blog machen, möchte ich das heute tun.
    Sie waren der erste Blog den ich regelmäßig gelesen habe und sie haben mich auch stark beeinflusst einen Miele DGC und einen Manz zu kaufen und mit dem Brotbacken anzufangen. Nochmals vielen Dank dafür.
    Selbst gebackenes Brot ist halt einfach viel besser.
    Für 2016 wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und Gesundheit und mir natürlich noch viele interessante Beiträge auf Ihrem Blog
    Ihre Barbara

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.