Nobbi, Schnuppschnüss und unser lieber Scholli

Dieses Jahr ist das erste richtige Gartenjahr in unserem Kleingarten „Am Waidesgrund“ und unserer Parzelle 10 aka „Lieber Scholli“. Die Anlage wurde 2019 komplett neu erstellt, als Ersatz für eine Schrebergartenkolonie, die leider einem Bauprojekt weichen musste. Bedingt durch die Pandemie waren alle Grundstücke innerhalb kürzester Zeit vergeben und 23 Parzellen wurden im Mai 2020 an die glücklichen Besitzer übergeben. Damals mussten noch Erdarbeiten vorgenommen werden, Wege wurden angelegt und so haben wir nicht viel pflanzen können. Allerdings haben wir fast den ganzen Garten zum Zwecke der Bodenverbesserung mit Kartoffeln bepflanzt, was auch wirklich gut funktioniert hat. Irgendwann, aber eigentlich zu spät, kamen noch Bohnen, Tomaten und Blumen in die Erde, aber das war alles eher aus der Not geboren.

Im November letzten Jahres kamen schon Knoblauch und Zwiebeln für die diesjährige Ernte in den Boden, ab Februar wurden Chilis und Paprika aus Samen gezogen, später kamen noch Tomaten, verschiedene Kohlsorten, Sellerie, Fenchel, Blumen usw. hinzu. Je weiter das Frühjahr voran schritt, desto hibbeliger wurde ich, endlich wieder die Finger schmutzig zu machen, darauf habe ich mich so gefreut. Im März wurden zwei Sorten Spinat gesät und auch die dicken Bohnen durften schon in die Erde. Beete wurden abgesteckt, Reihen gezogen und alles piccobello umgesetzt, was den ganzen Winter über geplant wurde.

Wir wollen das Mischkulturenkonzept von Gertrud Franck ausprobieren. Hier wird in Reihen gesät, wobei immer abwechselnd Spinat auf Gemüse folgt. Unsere fünf Beete verfügen jeweils über 20 Reihen à 3 Metern, jedes Beet verfügt also über 10 Gemüsereihen und 10 Spinatreihen. Der Spinat kann gegessen werden, dient aber eigentlich als Mulch, zur besseren Begehbarkeit und zu Anfang des Wachsens der Gemüsekulturen auch als Schutz für die kleinen Pflänzchen rechts und links. Wenn er anfängt zu schießen, wird er abgehackt und bleibt in den Reihen liegen. Norbert hat in den letzten Tagen alles an Spinat abgeschnitten und als Mulch ausgelegt. Eine Reihe haben wir stehen lassen, um Samen für die nächste Saison zu gewinnen.

Die Reihenfolge der Kulturen bleibt immer gleich, allerdings wandert jede Kultur in jeder Saison um eine Reihe weiter. Wo in diesem Jahr Spinat stand, steht im nächsten Jahr Gemüse usw. Es handelt sich also um ein rollierendes System, bei dem auch auf Verträglichkeit untereinander geachtet wird und auf die Kulturzeiten. Der Boden sollte möglichst immer durch Mulchmaterial bedeckt sein. Wenn man sich von der Ordentlichkeit mal verabschiedet hat, lernt man die Vorteile zu schätzen. Der Untergrund hält die Feuchtigkeit viel länger, die Pflanzen nebenan werden geschützt und man kann viel besser in den Beeten arbeiten und herumlaufen. Wir jedenfalls sind hellauf begeistert, auch wenn es zunächst seltsam ist, Dinge, die man essen kann, zum Zwecke des Mulchens anzubauen. Wer sich für diese Art des Gärtnerns interessiert, dem empfehle ich das Buch von Gertrud Franck und Brunhilde Bross-Burkhardt „Gesunder Garten durch Mischkultur“ aus dem oekom Verlag*.

Startdatum für das Pflanzen ist ja das Ende der Eisheiligen, die in diesem Jahr aber etwas länger blieben; bis Ende Mai war sehr schlechtes Wetter, mit Regen und Kälte, an das Pflanzen war nicht zu denken. Mittlerweile sind aber alle Kulturen gepflanzt und gesät, Radieschen wurden schon geerntet, Spinat natürlich auch und fast alles wächst und gedeiht prächtig. Bis auf den Porree, dessen Anzucht mir nicht gelungen ist und der gekauft wurde, habe ich alles entweder gleich in die Reihen gesät oder die Pflanzen vorgezogen. Wenn man sie dann später wohlgewachsen im Beet stehen sieht, ist man schon stolz und freut sich auf den Verzehr in der Zukunft. Ein paar Samen sind überhaupt nicht aufgegangen, manche besser geraten als erwartet.

Wir haben noch viel zu tun, die Erde ist voller Quecken, die permanent ausgestochen werden müssen, einige Beete legen wir noch an, Blumen und Stauden sollen noch Plätze erhalten, vielleicht noch ein oder zwei Obstbäumchen dürfen einziehen. Der Topinambur guckt auch überall aus dem Boden, die Kartoffelkäfer sitzen sogar auf den Tomaten und wie im letzten Jahr bin ich stark mit dem Sammeln von Käfern und Gelegen beschäftigt. Es nervt!

Alles ist sehr bunt und unkonventionell, die Bienen lieben es und die Gartenfreunde fragen ständig, wann wir unser Gartenhaus bestellen. Ungläubiges Staunen, wenn wir andeuten, dass wir vermutlich gar keins bauen.

Jetzt könnte ihr euch mal anschauen, wie es dort so aussieht – bitte hier entlang zur Galerie:

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6 Antworten auf „Nobbi, Schnuppschnüss und unser lieber Scholli“

  1. Das rollierende System klingt interessant, da muss ich mich auch mal einlesen. Wir haben den Gemüsegarten am Haus, dieses Gartenjahr ist nicht wie andere, bei dir ist vieles gut gewachsen.
    Danke für den Garteneinblick.

  2. Hallo,

    ich find es immer wieder toll, dass wieder mehr Menschen zurückkehren zur Natur.
    Mischkulturen sind sehr sinnvoll, wenn man nicht
    mit Chemie oder Netzen arbeiten möchte. Denn durch die unterschiedlichen Düfte der Pflanzen „verwirrt“ es die Schädlinge und der Ausfall ist nicht so groß. Man
    sollte aber auch beachten, dass auf Starkzehrer wie etwa Kartoffeln oder Tomaten, Mittel- oder Schwachzehrer folgen., Deshalb das ist schon gut mit den unterschiedlichen Beeten und evtl. denkt ihr ja auch über etwas Gründüngung nach. Das sorgt auch zusätzlich für die Bienen und später für eine
    Humusbildung.

  3. Einfach herrlich! Da werdet Ihr eine Menge zu ernten haben! Wer isst das alles? 😉
    Wenn ich dagegen an meinen Wühlmaus-zerpflügten Garten denke, die haben mir das Kartoffelbeet mit meinen so schön vorgekeimten Kartoffeln fast komplett abgeräumt. Aber heute ist ein erstes dickes Exemplar in die Falle gegangen….

    Liebe Gärtnergrüße!

    1. Wir haben ja einen großen Keller und viele viele Gläser zum Einwecken. Was die Wühlmäuse betrifft, habe ich gelesen, dass man einen Hering in den Gang legen soll, der Geruch würde die Maus vertreiben. Einen Versuch ist es vielleicht wert. Zum Glück sind wir bislang von diesen grässlichen Terroristen verschont worden. Uns reichen schon die Kartoffelkäfer. Liebe Grüße zurück <3

    1. Und du glaubst ja nicht, wie oft ich an dich denke. Die Dicken Bohnen habe ich nämlich nur angebaut, damit ich dein Pastarezept mit Bohnen und Speck essen kann. Das hat mir so gut geschmeckt, als ich es nachgemacht habe, dass ich es unbedingt einmal mit ganz frischen, eigenen Bohnen essen möchte.

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