Hochzeitstorte (6/3) – Die Rezepte: Ganache, dunkel

Mit der dunklen Ganache wurde eine Oma-Buchholtz-Sachertorte, die mittlere Etage der Hochzeitstorte, umhüllt. 

Ganache, dunkel1
Falls ihr Oma-Buchholtz-Sachertorte schon nicht mehr lesen könnt, dann verzichtet Morgen auf einen Blick ins Blog – da erscheint dann nämlich das Rezept der Oma-Buchholtz-Sachertorte.

Die Vorgehensweise bei der Herstellung dieser Ganache ist identisch mit der Zubereitung der hellen Sahne-Schokoladen-Creme von gestern. 

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Ganache, dunkel
Kategorien: Motivtorte, Füllung, Schokolade, Sahne
Menge: 1 Rezept

Zutaten

500 Gramm   Sahne
550 Gramm   Kuvertüre (bitter)
1 Pack.   Vanillezucker
1 Essl.   Vanillesirup
1 Prise   Salz

Quelle

  Diverse Quellen
  Erfasst *RK* 07.08.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Sahne aufkochen, Gewürze und Aroma zufügen. Masse so lange rühren, bis die Temperatur bei 80° C liegt. Gehackte Schokolade zufügen, 3 Minuten stehen lassen.

Mit einem Schneebesen allmählich die Schokolade mit der Sahne verbinden. Zum Schluss mit einem Gummispatel abziehen, in einem kühlen Keller über Nacht ruhen lassen.

Am nächsten Tag mit einem Handrührgerät aufschlagen und wie gewünscht verwenden.

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Übrigens, das, was unter der Ganache schlummert, oben auf dem Foto, das ist eine – rischitsch – Oma-Buchholtz-Sachertorte. Wollte ich nur mal anmerken.

Hochzeitstorte (6/2) – Die Rezepte: Ganache, hell

Keine Fotos. Nicht dran gedacht. Keine Zeit. Nun ja, ihr habt ja Phantasie. Und Monika mit ihren tollen Torten. Hier findet ihr auch eine hervorragende Anleitung für Ganache. Mit Bildern. Lohnt sich.

Eine Ganache besteht aus Schokolade, Milch (oder Sahne) und Aromen. Man kann sie für Füllungen oder Überzügen verwenden, Pralinenhohlkörper damit bestücken und unendlich viele Dinge mehr damit machen.

Wikipedia sagt:

"Die Ganache wird aus SchokoladenKuvertüre, Sahne und manchmal auch Butter hergestellt und für die Füllung von Pralinen sowie den Überzug von Torten benutzt. Die Konsistenz einer Ganache kann von „sehr cremig“ fließend bis zu „schnittfest“ eingestellt werden. Das Gewichtsverhältnis Sahne zu Kuvertüre ist vom Verwendungszweck abhängig; 1:1 für Tortenfüllungen, 1:2 für Pralinenfüllungen, 1:3 für Glasuren. Je mehr Sahne eine Ganache enthält, desto weicher und cremiger wird sie. Die Sahne wird kurz aufgekocht und sodann über die in Stücke gebrochene oder gehackte Schokolade gegossen, alternativ können die Schokoladenstücke auch in die vorher aufgekochte Sahne gegeben werden. Nun rührt man von der Mitte nach außen und stellt so eine stabile Emulsion her. Diese muss vollständig auskühlen (Kühlschrank) und kann dann wie Sahne aufgeschlagen werden. Hat die Ganache einen schönen Glanz, ist sie fertig und kann verarbeitet werden und anschließend bei Zimmertemperatur erstarren.

Die Ganache kann sowohl aus dunkler, weißer oder Milchschokolade gemischt werden. Um die Masse zu aromatisieren, können unterschiedliche Aromate wie Mokka, Vanille, Rum, Kirschwasser, Liköre, aber auch Fruchtpürees oder grüner Pulvertee (Matcha) zugegeben werden.

Verwendet wird Ganache zum Beispiel im Carac und Trüffel."

Lecker ist das Zeug ja und über etwaige Auswirkungen figurtechnischer Art denken wir einfach nicht nach. Die 80°C – Nummer im Rezept habe ich in einem Filmchen bei Callebaut gesehen. Die Seite ist wunderbar informativ, allerdings muss man sich anmelden, damit man TV gucken kann.

Mit der hellen Ganache habe ich die Punschtorte (böse, böse…) und vielleicht, möglicherweise oder vielleicht auch nicht den Schichtkuchen eingeschmiert. Rezept hier:

 

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Ganache, hell
Kategorien: Motivtorte, Sahne, Schokolade
Menge: 1 Rezept

Zutaten

200 Gramm   Sahne
400 Gramm   Schokolalde, weiß
1 Prise   Salz
      Aroma

Quelle

  Rezept modifiziert.
  Original: Monika vom Blog "Meine bunte Tortenwelt und
  mehr…"
  Erfasst *RK* 17.08.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Sahne aufkochen, Gewürze und Aroma zufügen. Masse so lange rühren, bis die Temperatur bei 80° C liegt. Gehackte Schokolade zufügen, 3 Minuten stehen lassen.

Mit einem Schneebesen allmählich die Schokolade mit der Sahne verbinden. Zum Schluss mit einem Gummispatel abziehen, in einem kühlen Keller über Nacht ruhen lassen.

Am nächsten Tag mit einem Handrührgerät aufschlagen und wie gewünscht verwenden.

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Hochzeitsorte (6/1) – Die Rezepte: Schichtkuchen (M-TM)

 

Schichttorte, knapp 8 cm

Es ist vorbei. Das Schweigen, das Lotterleben, die unendliche Einsamkeit, die euch umfangen hat, weil das Blog brach lag. Jauchzet, frohlocket: zur Tür raus, jeder nur ein Stück, linke Reihe anstellen

Nee, ihr müsst nicht zur Kreuzigung, ab sofort gibt es für euch die volle Dröhnung, weil ich euch so lange habe schmoren lassen, Torten- und Ganacherezepte sind auf dem Weg. Jedes für sich, damit ich schön darauf verlinken kann.

Schichtkuchen und Punschtorte habe ich schon mal gebloggt, aber aus Gründen der Übersichtlichkeit mache ich das einfach nochmal. Zudem habe ich bei der Punschtorte Änderungen vorgenommen, die zumindest für mein Seelenheil dringendst notwendig waren. Diese Punschtorte wird mich irgendwann nochmal ins Grab bringen.

Die Hochzeitstorte bestand – von oben nach unten –  aus einem Schichtkuchen von 20 cm Durchmesser, einer Sachertorte Oma Buchholtz von 25 cm Durchmesser und einer Punschtorte von 30 cm Durchmesser. Die ungefähre Chronologie der Ereignisse bis zur Präsentation folgt in einem gesonderten Beitrag, nach der Rezeptwelle. Hier also Teil 1 der Herstellanleitungen, damit ihr beim Finale so richtig mitfiebern könnt.  

SCHICHTKUCHEN

Schichttorte, knapp 8 cm 
 
 

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Schichtkuchen (M/ TM)
Kategorien: Torte, Motivtorte, Hochzeitstorte
Menge: 1 Backform von 20 cm Durchmesser

Zutaten

H BODEN
300 Gramm   Butter, weich
300 Gramm   Zucker
1 Pack.   Vanillezucker
6     Eier
1 Prise   Salz
300 Gramm   Mehl
1 Teel.   Backpulver
H FÜLLUNG I
200 Gramm   Johannisbeerkonfitüre
H FÜLLUNG II
225 Gramm   Marzipanrohmasse
100 Gramm   Puderzucker
4 Essl.   Grand Marnier
H FÜLLUNG III
100 Gramm   Kuvertüre, halbbitter
1 Essl.   Zucker
1     Bröckchen Palmin
3 Essl.   Wasser
H ÜBERZUG
      Ganache, dunkel
600 Gramm   Fondant; ca.
      Farbe nach Belieben
      Bäckerstärke oder Puderzucker zum Ausrollen

Quelle

  Rezept modifiziert.
  "GU – Lieblingskuchen"
  ISBN: 3-7742-6073-7
  Erfasst *RK* 16.08.2010 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Manzfred auf 160° vorheizen.

Eine Form mit einem Durchmesser von 20 cm fetten und mit Mehl bestäuben.

Butter, Zucker, Salz und Vanillezucker zu einer sämigen Masse verrühren.

Eier einzeln unterziehen. Mehl mit Backpulver mischen, sieben und mit dem Schneebesen per Hand in zwei Etappen unterziehen.

Teig in die Form geben und 50-60 Minuten backen. Eventuell nach der von Monika vorgestellten even-baking-Methode backen:

http://tortentante.blogspot.com/2009/04/kuchen-gleichmaig-backen.html

Am Ende der Backzeit eventuell mit Alufolie abdecken. Stäbchenprobe machen! Kuchen aus der Form nehmen und erkalten lassen. Oberseite gerade schneiden und fünfmal durchschneiden, so dass sechs dünne Teigplatten entstehen.

Für die Füllungen Johannisbeergelee erhitzen.

Marzipan, Puderzucker und Grand Marnier in den TM geben, 10 Sekunden auf Stufe 6, dann im Linkslauf so lange rühren, bis eine homogene Masse entsteht. Umfüllen.

Kuvertüre 5 Sekunden, Stufe 8, schreddern. Wasser, Palmin und Zucker zufügen und 2 Minuten, 37°, Stufe 2, zu einer pastösen Masse rühren. Falls die Masse zu flüssig wird, kurz in den Kühlschrank stellen und kräftig rühren, damit eine homogene Struktur entsteht.

Marzipan auf Kuchengröße ausrollen. Falls die Masse zu feucht ist, später einfach auf den Boden aufstreichen.

Unteren Boden mit der Hälfte des Gelees bestreichen. Zweiten Boden auflegen und mit der Hälfte der Schokoladenmasse bestreichen. Den dritten Boden auflegen und mit der Marzipandecke belegen. Vierten Boden auflegen und mit der restlichen Schokoladenmasse bestreichen. Fünften Boden auflegen und mit dem restlichen Gelee bestreichen. Sechsten Boden auflegen.

Den Kuchen in Klarsichtfolie einpacken. Mit einem Holzbrett und einem Topf beschweren und bis zum nächsten Tag in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag den Kuchen 2x mit Ganache überziehen (1x dünn, um Krümel zu binden, einmal etwas dicker), mit Fondant eindecken und dekorieren.

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Eine meiner Lieblingstorten ist dieser Kuchen. Er ist einfach herzustellen, sieht gut aus, ist zwar schmackhaft, aber ziemlich süß, man kann ihn gut vorbereiten und er ist sehr stabil, also prädestiniert für einen Überzug aus Marzipan oder Fondant. Er bleibt tagelang frisch und man kann ihn auch ungekühlt ein Weile aufbewahren. Da wackelt nichts, da rutscht nichts, da kann man ordentlich was draufpacken. Wirklich zu empfehlen. Zumindest der Schichtkuchen hat mich noch nie enttäuscht. Blöde Punschtorte.

Ich hatte mir vorgenommen, alle Torten 8 cm hoch zu machen. Mit der Ganache drunter und dem Fondant drauf sollten  mindestens 9 cm Höhe erreicht werden, damit die Torten nicht so mickrig aussehen. Dann noch Deko und gut. Im Fall der Schichttorte ist mir dieses Vorhaben ganz gut geglückt. Allerdings habe ich soeben beim Betrachten des Fotos der fertigen Torte festgestellt, dass ich anscheinend den Kuchen nicht mit Ganache eingeschmiert habe. Sieht jedenfalls verdammt danach aus. Was es so alles gibt… schlicht und einfach vergessen. Was irgendwie nicht verwundert. Blöde Punschtorte.

Soweit die Pflicht, die Kür kommt später.

 

 

Hochzeitstorte (5): Cake Test Dummies

HZT Cake-Test-Dummies 
Hatte ich in einem der letzten Postings eigentlich schon erwähnt, dass ich einen riesigen Bammel vor der Hochzeitstorte hatte? Nein? Dachte ich mir.

Jedenfalls hatte ich einen so riesigen Bammel, dass die Torte(n) misslingen könnten, dass ich mir drei Styropor-Torten-Dummies in der Größe der zu backenden Torten bestellt habe, um sie ungefähr so zu dekorieren wie das endgültige Backwerk.

Oh nee. Datt Ding machte mich feddisch.

Eine paar Tage zuvor hatte ich schon drei runde Holzplatten, die der Brautvater hergestellt hatte, mit Fondant bezogen. Das habe ich mit einem Rollstab gemustert. Der Rand der Platte wurde mit Satinband verdeckt. Dabei fiel mir auf, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, Dekostecknadeln in Holz zu stechen. Aber Fotoklebeetiketten halten Satinbändchen auch.

Samtags habe ich angefangen die Dummies zu beziehen. Das bedeutete Fondant herstellen, Icing herstellen, Blümchen herstellen, Fondant für die braune, mittlere Torte ausprobieren. Das Braun meiner Wahl war unmöglich und sah einfach grauenhaft aus. Alles wieder runter vom Dummy und neu machen. Schokobraun und Teddybraun gemischt war da schon viel besser.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Zum ersten bei Monika, einem großem Vorbild mit ihrem wunderbaren Blog "Meine bunte Tortenwelt und mehr…" Ich weiß nicht, wie oft ich mir hier Rat und Anleitung geholt habe. Ich habe den Fondant nach ihrem Rezept hergestellt, die Blütenpaste, das Icing, einen Schokokuchen, einen Eierlikörkuchen, diverse Tricks und Tipps konnte ich nutzen - ach, ohne Monika hätte ich das nie hinbekommen. Und Blüten kann sie machen, da klappt mir jedesmal die Kinnlade runter. Und diese Torten, so akkurat, sie ist wirklich eine große Künstlerin.

Ein weiterer Quell permanenter Inspiration ist die Seite "Torten-Talk", eine Community, die sich dem Austausch über Tortendekoration und Zuckerkunst verschrieben hat, mit lieben und hilfsbereiten Teilnehmern, die immer da sind, wenn man Rat benötigt. Und tolle Köstlichkeiten gibt es dort… So habe ich die Rezepte für eine Himbeerganache, die Pina-Colada-Torte und die umwerfende Oma-Buchholtz-Torte von dieser Seite. Und die Erlaubnis, dass ich die Rezepte posten darf, und ihr dürft euch schon einmal die Lippen lecken.

Weiter mit den Dummies:

Kein Problem machte die obere Torte (20 cm Durchmesser)…

HZT - Dummy oben 
 …mit champagnerfarbenem Fondant beziehen.  Blümchen malerisch verstreuen, Bögen und Blümchen an Rand, Brautpaar oben drauf, ein paar Zuckerperlen drapieren. Fertig.

Wobei Bögen am Rand… das war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Ich habe innerhalb von vier Stunden, in denen ich verzweifelt versucht habe, per Spritzbeutel und Zuckerguss  ordentliche Bögen zu spritzen, lernen müssen, dass ich das nicht kann. Um 0.30 Uhr am Dienstagmorgen habe ich aufgegeben. Und wieder einmal wurde ein nicht vorhandener Plan B benötigt. Ich habe dann die Bögen aus Fondant mittels einer Art Spritzpistole zunächst als Strang vorbereitet, zurechtgeschnitten und per Zuckerkleber auf die Torte geklebt. Was eine Wahnsinnsarbeit ist, weil man genau messen muss, damit die Bögen schön einmal rundherum passen.

HZT - Bögen ausmessen1 

Die untere Etage (30 cm Durchmesser) war auch heikel. Den Rand habe ich nicht geschafft zu dekorieren und der Schriftzug mit den Namen des Brautpaares und das Datum… grauslich. Ich legte nach dem Bögen-Fiasko wieder los, mit neuem Mut, bewaffnet mit Spritzbeutel, Icing und Plastikbuchstaben, die man sanft in den Fondant drückt, um dann diesen Schriftzug mit Zuckerguss nachzuspritzen. Eigentlich hatte ich ja gelernt, dass ich das nicht kann – das mit Spritzbeutel und Icing. Und das mit den Buchstaben kann ich auch nicht. Die lassen sich nämlich nicht in getrockneten Fondant drücken. Na ja, eigentlich schon, nur dann bricht der Fondant. Merke: Buchstaben immer in frischen Fondant drücken. Diese Spritzerei hat mich um Jahre altern lassen. Es sah doof aus, es war krakelig, das Datum zu nah an den Namen, aaaaahhhhh!!!! Mir wurde flau.

HZT Dummy unten 

Gut gelungen waren die Trauringe. Die vier Rosen hingegen sahen irgendwie verloren aus. Gefiel mir auch nicht so richtig.

Überhaupt nicht gelungen war die mittlere, braune Torte. Wobei mich die Kombination von zwei hellen und einer braunen Torte sehr ansprach, gefiel mir total gut. Aber die Deko.

Die Braut fand dafür den passenden Ausdruck: "Massiv." Ja, genau das war das Wort, nach dem ich gesucht hatte. Das passte alles irgendwie nicht. Die komischen Sternchen. Das fette Band drumherum. Hmpf. Schön fand ich dieses Rosenbukett, aber die Blütenblätter wiederum.. nochmal hmpf.  

HZT - Mitte 

Dienstag kam Eva, um sich ein erstes Bild von der Torte zu machen. Sie meinte, dass das Brautpaar so verloren auf der oberen Etage stehe. Ob man etwas Braunes unter das Paar machen könne. Und vielleicht Bögen an allen Rändern.

Das kam mir sehr entgegen, denn die einzelnen Torten bekamen so eine Verbindung durch den gemeinsam gemusterten Tortenrand. Was ich mit dem Brautpaar machen würde, war mir noch nicht klar, da hatte ich noch keine Idee. War ja noch viiiieeel Zeit, war ja erst Dienstag.

Hochzeitstorte (1): Da ist datt Ding

Hochzeitstorte (2): Warum macht Schnuppschnüss sowas?

Hochzeitstorte (3): Backwahn im Anmarsch

Hochzeitstorte (4): Herzhaftes am Polterabend

 

Hochzeitstorte (4): Herzhaftes am Polterabend – Kichererbsensalat, Tomaten-Bulgur und Kastanien

 

Bulgursalat1 

Heute spielt Kuchen nur eine untergeordnete Rolle. Und das kam so (bitte Taschentücher bereit halten):

Einige Tage vor besagtem Freitag, dem Freitag in der Woche vor der Hochzeit, der Freitag der standesamtlichen Trauung und der Freitag, an dem ich in tiefste Verzweiflung gestoßen wurde, also einige Tage vor dem Freitag, an dem der Polterabend stattfand, nämlich so ungefähr Anfang der Woche nach dem Freitag mit der Kuchenprobe, fand ich mich gegenüber bei Doris ein und sie zeigte mir die Liste mit den Salaten, die gute Geister für den Polterabend am 20.08.2010 herstellen wollten.

Das war eine sehr lange Liste und ich – Stadtkind ohne Ahnung, was auf Dörfern so abgeht – meinte: "Öhm, ich kann auch einen Salat machen. Aber wer soll das alles essen?" Doris: "Wir erwarten ungefähr 300 Gäste." Ich habe dann zwei Salate gemacht.

Einen Kichererbsensalat, der mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Den Gästen auch nicht. Kann ich verstehen. Das Rezept erspare ich euch. Das Foto nicht.

Kichererbsensalat 

Und den bekannten Bulgursalat (Foto siehe ganz oben), der nicht nur uns mal wieder super geschmeckt hat. Da durfte ich dann gleich am nächsten Tag das Rezept weiterreichen. So soll's sein.

Ach ja, und die Kastanien.

Norbert fragte am späten Nachmittag, wann wir uns denn auf den Weg machen sollen. Ab 19.00 Uhr stand auf der Einladung. Das Stadtkind meinte: "Nicht so früh, wenn wir um 19.00 Uhr antanzen, sind wir vielleicht die Ersten (auf den Boden schmeiss vor Lachen), lass' uns gegen 20.00 Uhr losgehen." Haben wir auch gemacht. Und das mit den Ersten war mein Ernst, ich dachte das wirklich.

Auf dem Weg zum Ort des Geschehens sahen wir viele Menschen, die das gleiche Ziel hatten wie wir. Und viele, viele Andere waren anscheinend doch schon um 19.00 Uhr dort angekommen. Ich kann das Erlebte, das ich bis jetzt kaum verarbeiten konnte, hier nur bruchstückhaft wiedergeben:

Kapelle spielt, Bierstand, super Wetter, Bier zischt, DJ, Zelt mit Salaten (lange Schlange), Biertische, Bänke, Straße vollkommen dicht (überall Menschenmengen), ein trotzdem sehr entspanntes Brautpaar, bekannte Gesichter, Geschirr in der Garageneinfahrt, sensationeller italienischer Brotsalat (Rezept habbisch, juhu!!), unbekannte Gesichter (95% der Anwesenden), Feuerwehrwagen mit riesigem Hänger und Papierregen ohne Ende (ein Glück, dass es nicht geregnet hat), nette Gespräche, kein Durchkommen, Ruth und der Kall-Heinz und wir duzen uns jetzt, 22.00 Uhr – kein einziger Salat ist übrig (nur der mit den Kichererbsen – kann ich immer noch verstehen), meine Lieblingsworte an diesem Abend "Der Wahnsinn" dicht gefolgt von "Dass ich das noch erleben darf" und "Wenn ich das verpasst hätte…."

Ach ja, die Kastanien waren auch schnell weg. Und mich hat tatsächlich Jemand gefragt, wie man die denn isst. Die Kastanien. Ich habe dann gesagt, dass man sie nicht schälen muss. Guckt mal:

 Laugenkastanien 

Julia, die Schwester der Braut, schenkte mir am Tag der Hochzeit eine Zeitung, die sie ganz liebevoll und ausführlich erstellt hatte. Sehr informativ und sehr lustig. Unter anderem enthielt diese Zeitung auch eine Aufstellung mit Posten des Polterabends. Bis morgens um 5.00 Uhr wurden verzehrt:

560 L Bier, 100 L Apfelwein (vom Bräutigam persönlich hergestellt), 430 Würstchen, 38 (-1) Salate, 10 riesige Brotlaibe mit 2 kg Schmalz bestrichen, 8 Kisten Herzgummibärchen sowie Unmengen von Sekt, Rot- und Weißwein und Softgetränken.

Die anfängliche Schätzung von 300 Gästen wurde am nächsten Tag leicht nach oben korrigiert. Es waren sage und schreibe 600 Leute an diesem Abend zugegen, um mit den lieben Schnabels dieses rauschende Fest zu feiern. Sowas hatte ich in meinem ganzen Leben (Stadtkind) noch nicht mitgemacht und als ich dann so auf dem Bänkchen saß, mir das Treiben anschaute und meine Gedanken schweifen ließ in Richtung "heute in einer Woche ist Hochzeit", da wurde mir auf einmal ganz ganz anders.

Ich sah diese 600 Menschen und alle ihre Angehörigen, Freunde und Bekannten lachen, tuscheln und sich über die Hochzeitstorte, die total missratene, mokieren. Ich sah Fremde mit Fingern auf mich zeigen, ich sah Schmierereien auf Hauswänden und hörte Lacher auf Zusammenkünften, die mir galten. Die Dimension dessen, was da auf mich zukommen könnte, wurde mir an diesem Abend schlagartig und mit brutaler Härte bewusst.

Ich habe dann mit meinem Mann darüber gesprochen. Darüber, ob es etwas gibt, so eine Art Zeugenschutzprogramm für miese Bäcker. Ich dachte an Umzug in eine andere Stadt, den Verzicht auf Kontakt zu Freunden und Familie für lange, lange Zeit, an eine neue Identität und  an Gesichtsoperation.

Mein Mann hat mir dann noch kopfschüttelnd ein Bier geholt und mich Gramgebeugte vorsichtig nach Hause geführt.

Als Wegzehrung bis zum nächsten Eintrag will ich euch das Rezept für die Laugenkastanien nicht vorenthalten. 

Aussicht auf Teil 5 gefällig? Cake Test Dummies.

Hochzeitstorte (1): Da ist datt Ding

Hochzeitstorte (2): Warum macht Schnuppschnüss sowas?

Hochzeitstorte (3): Backwahn im Anmarsch

 

 

 

 

Hochzeitstorte (3): Backwahn im Anmarsch

HZT Pina-Colada-Torte 

Samstags kamen wir aus dem Urlaub zurück. Noch vier Wochen bis zur Hochzeit, also noch viiiiieeel Zeit. Dachte ich.

Dienstags trafen sich Eva-Maria, Doris und ich zum Tortentötter (töttern heißt im oulen Remschied soviel wie quatschen). Eva hatte in einem Buch von Peggy Porschen eine Hochzeitstorte (rechts) gesehen, die Rosa, Braun und Beige gehalten war. Rosa musste nicht sein, aber Champagner und Braun fand sie gut. Und die Bögen mit den Pünktchen und Blümchen. Hm, sagen wir mal so, ich war damit einverstanden, konnte es mir aber noch nicht wirklich vorstellen, wie eine braune Torte als Komponente einer champagnerfarbenen Hochzeitstorte wirkt, Peggy hin, Peggy her.

 

DSC_0011

 

Dann hatte Eva eine Idee, die ich auch schon hatte, nämlich das florale Muster der Einladung auf die Torte zu bringen. Und eine bestimmte, geschmackvoll-moderne und ein wenig abstrakte  Figur als Aufsatz hatte sie sich auch schon ausgesucht. Ich war froh, dass ich konkrete Vorschläge bekam, damit konnte ich etwas anfangen und meine Angst, kläglich zu versagen, legte sich sanft zur Ruhe.

Rosen von der Goldhochzeit meiner Eltern hatte ich noch en masse im Keller, die fanden großen Anklang und sollten verwertet werden. Zudem war es der lieben Braut ein großes Anliegen, eine schlichte Hochzeitstorte zu bekommen. Nichts Pompöses mit viel Trallala, sondern eher edel. Fand ich gut.

 

DSC_0021

 

Nun denn, das dürfte irgendwie zu schaffen sein. Dachte ich.

Aber was sollten das bloß für Torten sein, die unter der Dekoration schlummern? Ideen hatte ich viele, aber keine Ahnung, ob das dem Paar und der Hochzeitsgesellschaft schmecken würde. Auch musste die Wettersituation berücksichtigt werden. Wenn es sehr warm wäre am Termin, dann hätte ich Sahnetorte nicht gerne als Füllung angeboten. Buttercreme fand ich schon kritisch. Saftig sollten sie sein. Schmackhaft, aber trotzdem fest. Gut aufzubewahren, auch für einen Tag außerhalb des Kühlschranks. Stöhn… ich wurde langsam doch wieder nervös.

Zum Glück hatte ich einen prima Einfall. Am 13.8., einem Freitag, noch zwei Wochen bis zum Termin, präsentierte ich Braut und Brautmutter zu Testzwecken das da: 

 

HZT Komplettansicht Probetorten1

Als die Beiden das sahen, musste sofort der Brautvater kommen, mit Videokamera und Lust auf Kuchen. Ich hatte Norbert beauftragt, eine Art Wahlzettel zu kreieren, auf dem die Torten nebst Platz für Notizen verewigt waren. Die Zettel lagen neben den Kuchentellern und warteten darauf, mit Anmerkungen gefüllt zu werden. Aber zuerst futterten wir uns von oben nach unten die Liste entlang, ich mache das jetzt aber mal von oben nach unten am Foto entlang:

Ganz oben:

 DSC_0037 

Zweite von oben:

 HZT Schokoladentorte

 

Dritte von oben:

 

HZT Eierlikörkuchen  

 Rechts oben:

 

DSC_0037

 

Rechts unten:

 

DSC_0037

 

 Ganz unten:

 

HZT Oma BJPG 

Danach war mir ein bissi schlecht und ich hätte zu gerne einen Schnaps getrunken. Aus der Entscheidung, welche Kuchen nun genommen werden sollen, haben sich die Eltern und ich heraus gehalten. Aber in einem Punkt waren wir uns alle einig:

Oma Buchholtz macht das Rennen.

Das ist ein Kuchen, der ist wirklich phänomenal und jeder, der Motivtorten herstellen möchte, sollte diesen Kuchen immer parat haben. Oma Buchholtz – wir lieben dich und legen bei jedem Backen ab sofort eine kurze Gedenkminute für dich ein (ausführliche Würdigung im Rezeptposting!).

Mehr war an diesem Tag nicht drin, Eva-Maria wollte sich mit ihrem zukünftigen Mann besprechen, der während unserer Kuchenschlacht in Köln auf dem Junggesellenabschied weilte, um das wunderschöne hessische Lied von der Runkelroiwerobbmaschin auf Kölsch zu singen, während er versuchte, Apfelwein an den Mann oder die Frau zu bringen. Das ist den Hessen bei uns in sechs Jahren nicht geglückt und Herrn Schnabel ist es auch in Köln nicht gelungen. Watt der eschte Rheinländer jut verstehen kann.

Wo war ich? Die Torten.

Am Sonntag kamen Eva-Maria und Joachim auf einen Sprung rüber – hier sah es aus wie nach einem Angriff der Killertomaten auf Ecstasy. Die Beiden konnten sich nicht mal setzen, überall Kram für Blüten, Tortenbücher, Wahlzettel, Blättchen, Ordner – ihr habt das Foto vom Tisch ja schon gesehen. Hier nochmal:

P1230106 

Die beiden Turteltauben erzählten eine lustige Geschichte. Samstags hatten sich beide Familien zusammengesetzt und mit den Torten ein Probeessen nach Art einer Weinprobe veranstaltet. "Oh, diese Preiselbeeren sind etwas herb im Abgang, haben aber einen Nachhall von Beere und Obst." "Ein angenehmes Mundgefühl, vorherrschend der Geschmack von Sahne, verbunden mit einem Hauch Eierlikör und Himbeere." Die Probe war erfolgreich und erfüllte meine geheimen Träume von einer Torte, deren Inhalt besteht aus

Schichttorte, Punschtorte und Oma Buchholtz Sacher.

Juhu, ich bin vor Freude in die Luft gesprungen. Obwohl mir die Pina-Colada-Torte auch super geschmeckt hat, aber bei Hitze wäre sie nicht so stabil gewesen. Herrlich!

Von dem Tag an ging es mir viel besser, denn in der Woche zuvor habe ich wirklich Panik geschoben. Das florale Muster hatte ich mir schon aus dem Kopf geschlagen, da ich keine Ahnung hatte, wie ich das bewerkstelligen sollte.

Wie gesagt, mir ging es besser, als schon mal klar war, welche drei Kuchen ich backen sollte und ich bereitete mich seelisch und körperlich – nein, nicht auf's Backen, sondern –  auf den POLTERABEND vor.

Und das wird dann Teil 4 – Tschühüss! Ach so…

 

UND JETZT ALLLEEEEEE 

 

 

Rezepte gibt es auch noch. Ganz am Schluss, wenn die Berichte durch sind. Sonst gibt's Durcheinander und datt wolle mer nit. Aber vielleicht die ganze Geschichte?

Hochzeit (1): Da ist datt Ding

Hochzeit (2): Warum macht Schnuppschnüss das?

Hochzeitstorte (2): Wieso macht Schnuppschnüss sowas?

Also, das war so:

Die Doris ist eine Nachbarin. Der Gerhard (ich sach jetzt mal Gerhard, obwohl wir uns siezen) ist ihr Mann. Die Beiden wohnen gegenüber, da, wo der schöne Kirschbaum steht. Ihr wisst schon, der, den man sieht, wenn man aus dem Küchenfenster schaut.

 Kirschbaum, Schlautek 

Doris und Gerhard haben zwei Töchter und von einer, der Eva-Maria, hörte ich, dass sie bald den Joachim heiraten wird. Das freute mich, denn den Joachim (ich sag jetzt mal Joachim, obwohl wir uns siezen) kenne ich auch. Der hat bei uns im weitläufigen Anwesen schon Bäume geschnitten und mich über Johannisbeeren aufgeklärt. Der kann das, der ist Ingenieur. Und echt nett.

Ich freute mich also über die Nachricht, dass die Beiden heiraten und Doris, die mich darüber informierte, lud mich und Norbert (das ist mein Mann – den duze ich) auch zum Polterabend ein. So weit, so gut.

Kurz vor unserem Urlaub in Österreich

P1220808 
klingelt es an der Tür und dort steht Doris. In der Hand eine Einladung zum Polterabend und im Gepäck ein maximales Problem. Die Hochzeitstorte. Die sollte eigentlich von Jemandem hergestellt werden, der aber am Hochzeitstag aus überaus verständlichen Gründen verhindert sein wird. Nun ist sechs Wochen vor dem Termin nicht wirklich klar, woher die Torte kommen soll.

Ich höre Doris sagen, dass ihr Mann zur Not die Torte backen will, aber doch eigentlich gar keine Zeit dafür vorhanden sei, die Vorbereitungen seien umfangreich und ich höre eine andere Stimme, die sagt:

"Soll ich euch die Torte backen?"

Ich schaue nach rechts, ich schaue nach links, ich schaue zurück und auch nach vorne. Ich sehe nur Doris und mich, also gehe ich davon aus, dass ich diesen Satz gesprochen haben muss. Und irgendwie habe ich das auch so gemeint. Ich backe ja gerne.

Also werden Bücher mit Hochzeitstorten, Motivtorten, Mustern und was weiß ich noch alles herausgesucht, Doris in den Arm gedrückt, als Anschauungsmaterial für die Braut und den Bräutigam.

Motivtortenbücher 

Gleich nach dem Urlaub wollen wir uns treffen und unser weiteres Vorgehen besprechen. Wie soll die Torte aussehen? Wieviel Etagen? Wie gefüllt? Welche Farbe? Wieviel Personen kommen? Ach ja…Peanuts. 

Wir fuhren dann erst mal nach Pichl in die schöne Steiermark und ich hatte nicht den Funken einer Ahnung, was ich da angerichtet hatte.

Hochzeit (3) in Kürze, gell? Und bitte betrachtet bis dahin ausgiebig das Buch mit dem schwarz-gelben Buchrücken und der schwarz-weißen Schrift…

Und damit auch Niemand was verpasst: Hochzeit (1): Da ist datt Ding

Hier geht es weiter: Hochzeit (3): Backwahn im Anmarsch

Hochzeitstorte (1): Da ist datt Ding

Ihr wart sooo lange geduldig, dass ich euch jetzt, wenn auch mit wenig Text, zumindest ein Foto der Hochzeitstorte präsentieren möchte.

Den Werdegang vom Ursprung bis zur Vollendung (hach…) werde ich na-tür-lich in epischer Breite an dieser Stelle veröffentlichen. Da ich in den letzten 60 Stunden nur 9 Stunden Schlaf bekam, fällt mir Epik in Fülle und Gänze zurzeit jedoch schwer. Deshalb mache ich euch jetzt ein wenig Appetit auf die laaaaaaaaange, anstrengende, zu Tränen rührende und nicht nur von geschmeidigem Tun erfüllte Geschichte, die, wie im Märchen, zu einem guten Ende kam. Ist das ein tolles Gefühl, wenn man das da unten hinter sich hat!

Das Bild wurde im Keller fotografiert, wo die Torten geparkt wurden, bevor sie mithilfe einer Nachbarin und einer ortsansässigen Freundin der Brautmutter nach Butzbach kutschiert wurden. Der Tortenständer befand sich schon am Ort des Geschehens, deshalb eine improvisierte Tortenshow.

Unten: Punschtorte. Mitte: Sachertorte. Oben: Schichttorte.

Jetzt aber….

HZT ist fertig!!!! 
 PS: Klick aufs Bild macht große Kuchen.

TEIL 2….

Punschtorte „Biene Maja“ (M/TM)

Punschtorte, Anschnitt1

Mein Vater hatte Geburtstag. 75 Jahre ist er alt geworden und was lag da näher, als eine Biene-Maja-Torte zu backen? Schließlich ist doch jedem der Zusammenhang zwischen ihm und der Biene bestens bekannt. Oder?

Zumindest in Mönchengladbach und den umliegenden Gemeinden wissen viele Menschen,  was es mit Biene Maja und meinem Vater auf sich hat. Dazu später mehr. Zunächst einmal will ich jedoch berichten, wie so einen Biene-Maja-Torte hergestellt wird. Kurze Umschreibung: Pleiten, Pech und Pannen.

Und das ging so: aufgrund diverser Backaktionen, die des öfteren in die Hose Tonne gingen, war mir ein wenig mulmig und ich beschloss, ein Probeexemplar einer Punschtorte herzustellen, die in Bäcker Neefs Buch "Sonntagskuchen & Festtagstorten" zu finden ist. Aus dem Buch hatte ich schon den Pflaumensandkuchen  gebacken und war sehr angetan. Die Punschtorte wollte ich zunächst ohne Dekoration herstellen, aber so gefüllt, wie sie sein sollte und auch mit einer Fondantglasur überzogen, die ich selbst herstellen wollte. Von Anfang an ging alles schief, was nur schief gehen konnte.

Der Mürbeboden, ein anbetungswürdiges Objekt fragilster Bäckerskunst, ließ sich nicht vom Formboden lösen. Das Ergebnis sah so aus:

Punschtorte - Mürbeboden - verunglückt

Der Biskuit wurde auf eine für mich bisher noch nie gehörte, gelesene oder gesehene Art zubereitet. In die wunderbar aufgeschäumte Ei-Zucker-Masse (8 Eier!) kippte man geschmolzene Butter. Hä?? Das erschien mir sehr seltsam, aber ich lasse mich gerne überraschen und siehe da, die Überraschung gelang. Die Schaummasse sank in sich zusammen, wovon ich mich aber nicht abhalten ließ und den Teig trotzdem buk. Parole nach dem Backen: "Nennt mich Eierschwammerl!". Das war also auch nix.

Eierschwammerl, gebacken

Beide Objekte habe ich dann nochmals hergestellt. Diesmal mit Backpapier unter dem Mürbeboden und den Biskuit mit flüssiger, aber viel stärker abgekühlter Butter als beim ersten Versuch. Zudem habe ich den Biskuitbacktrick einer begnadeten Tortenkünstlerin, Monika vom Blog "Meine bunte Tortenwelt und mehr…",  ausprobiert.

Punschtorte - Tortentantentrick

  Und siehe da, es klappte. 

 Punschtorte - top und flop Punschtorte - Mürbeboden

Die ersten Hürden waren genommen, Boden und Tortengerüst standen. Nun noch schnell den Biskuit durchschneiden, die Torte füllen, aufeinanderstapeln, Fondant drauf, fertig. Wenn das mal alles so einfach gewesen wäre.

Das Füllen an sich gelang problemlos. Nur diese Tränke, die machte mir Kopfzerbrechen. Erfahrungsgemäß kann es sich nur um ein Missverhältnis zwischen flüssigen und festen Elementen eines Backwerks handeln, wenn ein normal großer Boden – und dann auch noch Biskuit –  mit mehr als einem halben Liter Flüssigkeit befeuchtet werden soll. Da Meisterbäcker Neef aber in seiner Anleitung diese Menge vorgab, ging ich skeptisch, aber folgsam ans Werk. Nach Verwendung von ca. 250 ml war es mit dem Gehorsam vorbei. Unmöglich konnte die Torte noch mehr Feuchtigkeit fassen und ich beließ es dabei. Mir schwante Böses.

Fondant kochen ist gar nicht so schwer. Man benötigt ein gutes Thermometer, am besten digital, wenige Zutaten und Geduld. Mehr nicht. 

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Fondant, flüssig
Kategorien: Tortenguss, Zuckerguss, Motivtorte
Menge: 1 Rezept

Zutaten

300 Gramm   Zucker
75 Gramm   Wasser
57 Gramm   Glucose oder
1 1/2 Gramm   Cream of tartar

Quelle

  Wayne Gisslen, "Professional Baking"
  Erfasst und übersetzt *RK* 05.11.2009 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Eine marmorne Arbeitsplatte mit Wasser benetzen. 4 Stahlriegel zu einem Quadrat zusammenfügen, um den heißen Sirup aufzunehmen, wenn er auf die Marmorplatte geschüttet wird. (Jutta: ich habe ein kleines Backblech mit einer Silikonmatte ausgelegt).

Zucker und Wasser in einem schweren Topf mischen und so lange kochen, bis exakt 105° C erreicht sind.

Entweder die leicht erwärmte Glucose oder die in wenig warmem Wasser aufgelöste Cream of tartar in den kochenden Sirup geben.

Weiterkochen, bis 115° C erreicht sind.

Den kochenden Sirup auf die Marmorplatte gießen und mit ganz wenig kaltem Wasser besprenkeln, um eine Kristallisation zu vermeiden.

Den Sirup bis auf 43° C abkühlen lassen.

Die Stahlriegel entfernen und den Zucker mit einem metallenen Teigspatel bearbeiten. Hierzu die Masse von außen nach innen legen. Der Zucker beginnt, weiß zu werden und sich zu festigen.

Entweder per Hand oder mit der Küchenmaschine (Flachrührer, langsam) die Zuckermasse so lange bearbeiten, bis sie glatt und cremig ist.

Fondant in einem gut verschließbaren Behälter aufbewahren.

Zum Verarbeiten auf Blutwärme, also ca. 38° C, erwärmen. Das geschieht am besten im Wasserbad, permanent rührend. Die Masse sollte gegossen werden können.

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Wenn man sich genau an die Angaben hält, ist es tatsächlich möglich, einen schönen Fondant herzustellen. Das war aber auch das einzige Element, das hingehauen hat. Zumindest beim ersten Versuch.

Punschtorte, Fondantherstellung

Die Torte war ein einziges Fiasko. Nach dem Anschnitt offenbarte sich, dass ich mit meinen Befürchtungen bezüglich der Flüssigkeitsmenge nicht wirklich schief lag. Von einer Torte konnte keine Rede sein, das Backwerk hatte eine eher puddingartige, schwabbelige Konsistenz und war nicht essbar. Mir kam die Flüssigkeit schon entgegengelaufen, als ich den Deckel des Tortencontainers anhob. So eine Schande! Meine zerrrüttete mentale Lage ließ nicht zu, das Machwerk für die Ewigkeit festzuhalten. Der Phantasie des Lesers sind aber keine Grenzen gesetzt. Ja, genau so schlimm war das!

Ich habe mich wirklich geärgert. Über meine eigene Doofheit, soviel Tränke zu verwenden. Über das Rezept, das einfach falsch ist – wird sowas nicht ausprobiert vor der Veröffentlichung? Darüber, dass auf Nachfrage vom Autor keine Reaktion kam. Darüber, dass all die schönen Zutaten in den Müll wanderten. Ich weiß nicht, warum ich 580 ml Flüssigkeit herstellen soll, wenn am Ende nur ein geringer Teil Verwendung findet. Verflixt!

Genug gejammert, ich habe mich nicht abschrecken lassen und das Ding nochmal gebacken. Dreimal ist göttlich, gell? Die Böden, deren Herstellung jetzt prima funktionierte, wurden nicht mehr getränkt. Ich habe den Rest der Flüssigkeit vom ersten Backversuch in eine Blumensprühspritze gefüllt und die Böden nur noch benetzt. Zum Fondantkochen hatte ich keine Lust mehr und habe fertige Glasur verwendet. Übrigens, wenn man zuerst die Randverzierung macht (hier Puderzuckerspritzglasur, rosa gefärbt) und dann den Fondant auf die Torte schüttet, läuft nix runter. Sehr praktisch!

 Punschtorte1 mit Marzipan bestrichen Punschtorte2 mit Marzipandecke Punschtorte3 ohne Blütendeko 

Die Blümchen wurden aus Rollfondant hergestellt und am Ende war ich ganz zufrieden mit meinem Werk.

Punschtorte, Detail2

Und die beste Nachricht. Die Torte sah nicht nur passabel aus, sondern sie schmeckte auch noch hervorragend. Wenn man weiß, wie's geht, ist sie sehr empfehlenswert. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber mittlerweile würde ich sie sogar noch einmal oder zweimal oder dreimal oder ………. backen.

Ach so, Biene Maja!

Also, das war so: als mein Vater noch etwas jünger war und bei den Stadtwerken in Mönchengladbach als Busfahrer arbeitete, wurde jedes Jahr eine Karnevalsfeier organisiert. Zu einer dieser Feiern lief mein Vater im Kostüm auf. Ich muss hinzufügen, dass er nicht zu den baumlangen Kerls gehört und deshalb prädestiniert war für das Outfit. Er war Biene Maja. Wie es sich für eine Biene gehört, hatte er Fühler, Flügel und ein gestreiftes Leibchen. Zudem flog er während der ganzen Feier von Blüte zu Blüte, will sagen, er nervte die Anwesenden und trank deren Gläser leer. Irgendwann waren es die Kollegen leid. Einer nahm die lästige Biene unter den Arm, trug sie zu einem großen, runden, drehbaren Mantelständer und hängte meinen Vater daran auf. Nachdem willige Helfer den Ständer fleißig drehten, flog die Biene Runde um Runde und alle Anwesenden lachten Tränen.

Der Vorfall muss einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nicht nur im Stadtgebiet Mönchengladbachs, auch in den Außenbezirken ging meinem Vater ein gewisser Ruf voraus. Dass dem so war, kann ich anhand der folgenden Anekdote belegen, die sich Monate später zutrug:

Ich habe viele Jahre in einem Altenheim gearbeitet. Ein neuer Zivildienstleistender trat seinen Dienst an. Er wohnte ca. 15 km von Mönchengladbach entfernt in Waldniel, einem kleinen Kaff Dorf in der Nähe der holländischen Grenze. Der Zivi, nennen wir ihn Paul, erzählte beim Frühstück von seinem Onkel, dem Busfahrer. Ich warf ein, dass mein Vater auch Busfahrer sei. Der Zivi fragte, wie er denn heiße. Als ich antwortete, guckte er mich erstaunt an and fragte: "Ist das nicht die Biene Maja???"

Punschtorte, Detail1 

Und zum guten Schluss gibt es auch noch das Rezept:

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Punschtorte (M-TM) "Biene Maja"
Kategorien: Torte, Marzipan, Fondant, Aufwändig
Menge: 1 Mehrlagige Torte, Durchmesser 28cm

Zutaten

H MÜRBEBODEN
100 Gramm   Mehl
35 Gramm   Zucker
70 Gramm   Butter
1 Prise   Salz
1/2     Zitrone, der Abrieb
1     Eigelb
H BISKUITBODEN
8     Eier
150 Gramm   Zucker
1/2     Vanillestange, das Mark
240 Gramm   Mehl
80 Gramm   Butter
1 Prise   Salz
H MARZIPANFÜLLUNG
250 Gramm   Marzipanrohmasse
150 Gramm   Butter
80 ml   Rum
50 Gramm   Aprikosenkonfitüre
1 Prise   Salz
H ZUM TRÄNKEN
350 ml   Wasser ****viel zu viel***
200 ml   Rum ***viel zu viel***
30 Gramm   Zucker
H FÜLLUNG
650 Gramm   Aprikosenkonfitüre
H ZUM EINDECKEN
200 Gramm   Marzipanrohmasse
80 Gramm   Puderzucker
350 Gramm   Fondant
50 Gramm   Mandelblättchen
H GARNITUR
      Kandierte Früchte oder
      Zuckerblüten

Quelle

  Rezept modifiziert.
  Original: Karl Neef "Sonntagskuchen & Festtagstorten"
  ISBN:978-3-7750-0482-4
  Erfasst *RK* 04.10.2009 von
  Jutta Hanke

Zubereitung

Manzfred auf 180° C vorheizen.

Für den Mürbeteig aus allen Zutaten im TM eine sandige Masse herstellen. Den Boden einer Springform von 28 cm Durchmesser mit Backpapier auslegen, Krümel darauf verteilen und festdrücken. 30 Minuten backen.

Die Mandelblättchen auf einem Backblech verteilen und goldgelb rösten. (Jutta: während der Mürbeboden backt, Blech in die untere Etage des Manzfreds setzen. Bräunung kontrollieren, ab und an Blättchen durchschütteln.)

Für den Biskuitboden Eier in heißes Wasser legen und 10 Minuten temperieren. Den Boden einer Springform mit Backtrennpapier auslegen. Eier und Zucker in der Kenwood locker aufschlagen. Das Vanillemark zugeben. Mit dem Schneebesen zuerst das Mehl und dann die flüssige, nicht zu warme Butter unterheben. Die Masse in die Springform füllen und 26 Minuten bei 170° C backen. Stäbchenprobe! Dieser Boden muss nach dem Backen sofort gestürzt werden, damit er völlig eben wird. (Anmerkung, Jutta: habe Monikas Biskuittrick angewandt, das Ergebnis ist überzeugend. Mache ich jetzt immer so: http://tortentante. blogspot.com/2009/04/kuchen-gleichmaig-backen.html)

Für die Marzipan-Zwischenfüllung im TM alle Zutaten glattarbeiten.

Für die Tränke Wasser, Rum und Zucker anrühren.***Das ist viel zu viel Tränke. 1/5 bis 1/4 reicht wahrscheinlich vollkommen aus.***

Den Mürbeteigboden gaaaanz vorsichtig auf eine Platte legen und mit Aprikosenkonfitüre bestreichen. Den Biskuit-Tortenboden dreimal waagerecht durchschneiden und das Unterteil auf den Mürbeteigboden legen. Blumensprühflasche mit Tränke füllen. Jede Lage des Biskuitbodens nach dem Auflegen mit der Tränke besprühen. Die unterste und oberste Füllung besteht aus Aprikosenkonfitüre. Die Marzipanfüllung in die Mitte streichen. Backtrennpapier auf die fertig zusammengesetzte Torte legen, diese auf eine Platte stürzen und ca. 20 Minuten ruhen lassen.

Die zurückgedrehte Torte mit Aprikosenkonfitüre bestreichen. Marzipan mit dem Puderzucker glattarbeiten und mit etwas Puderzucker ausrollen, auf Tortengröße zuschneiden und auflegen. Dünn mit Aprikosenkonfitüre (eventuell durch ein feines Sieb streichen, um Klümpchen zu vermeiden) bestreichen. Die Zuckerglasur in einer Kasserolle anwärmen (Blutwärme) und die Marzipandecke damit glasieren. Seitlich abgelaufene Glasur abstreifen. Den Rand mit den Mandelblätttchen bestreuen.

Nach Belieben dekorieren.

Anmerkungen, Jutta: Torte beim ersten und zweiten Backversuch total misslungen. Mürbeboden zerbrochen, weil er am Boden festklebte. Biskuit zusammengefallen, weil Butter zu warm war. Tränke viel zu viel. Teig total nass. Wurde entsorgt. Schande!

Beim dritten Mal hat dann alles hervorragend hingehauen und der Kuchen hat wunderbar geschmeckt. Ziemlich aufwändig!

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LXX in XXL – Op Art Boxes

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Kennt ihr das auch? Plötzlich und unerwartet ist er da. Der Tag, an dem man eine bestimmte Aufgabe erledigt haben muss. Ein Geschenk besorgt, einen Brief geschrieben, einen Anruf getätigt, einen Besuch gemacht, eine Reise unternommen. Einen Kuchen gebacken. Oder zwei.

Mir passiert das oft. Völlig unvorbereitet stelle ich mit Schrecken fest, dass der erste Advent schneller da ist als erwartet, der Heiligabend – viel zu früh im Jahr – auf den 24.12. fällt und Winterreifen aufgezogen werden müssen, obwohl doch erst der 20.11. ist und seltsamerweise für die nächsten Tage – ohne Rücksicht darauf, dass ich etwas Wichtiges transportieren muss – ein Wintereinbruch gigantischen Ausmaßes angekündigt wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich Unpünktlichkeit hasse. Ich bin in all den Jahren meiner Berufstätigkeit einmal zu spät gekommen. Ich fuhr mit dem Mofa zur Arbeit und das Ding hat mich unterwegs hängen lassen. Ansonsten nehme ich immer einen Bus oder eine Bahn früher, bin schon lange Zeit, bevor überhaupt die Schalter öffnen, am Flughafen und stehe mir lieber die Beine in den Bauch, als nur eine Minute zu spät zu sein.

Deshalb wäre es eigentlich vernünftig, die Planung gewisser Ereignisse ordentlich und sinnvoll zu gestalten. Ich hatte das auch wirklich vor. Eigentlich.

Eigentlich weiß ich schon seit circa fünf Jahren (so lange kenne ich Gudrun), dass sie am 22.11.2008 stolze 70 Jahre alt wird. Eigentlich weiß ich auch, dass ich zu diesem Anlass Kuchen backen soll und werde. Den Frankfurter Kranz hatte sie schon vor geraumer Zeit bei mir bestellt. Vor ziemlich genau einem Jahr, als ich zu ihrem 69. Geburtstag eben diesen Kranz buk. Eigentlich wollte ich ihr, als Überraschung, einen weiteren Kuchen zukommen lassen.Hab ich auch. Aber nicht den, sondern ’nen anderen.

Eigentlich wollte ich einen doppelstöckigen, edlen Kuchen backen. Rund, dezent mit Fondant überzogen. Und mit Gänseblümchen dekoriert. Aus Zuckerguss gespritzt.

Peggy Porschen kann das. Eigentlich müsste ich das auch können. Eigentlich. Das Spritzen der „Blüten“ war ein Fiasko. Ich habe alles gegeben, aber ich habe nicht eine popelige Blüte hinbekommen. Diverse Konsistenzen verschiedenster Zuckerguss-Varianten wurden ausprobiert und für schlecht befunden. Zumindest in meinen Händen wurde jeder Ansatz des Versuchs, eine Blüte auf Pergament zu bannen, zum Grauen, von dem man sich tunlichst abwenden sollte.

Das war Montag (noch fünf Tage bis zum Event). Samstag fand der Geburtstag statt. Jeder halbwegs mental Gesunde hätte nun auf Plan B zurückgegriffen. Ich auch, allerdings war leider kein Plan B vorhanden.

Aber jede Menge Bücher, in denen jede Menge Torten ausgestellt sind, die nur darauf warten, von kreativen Köpfen und handwerklich geschickten Bäckern mal eben aus der Backform geschüttelt zu werden. Für mich als nicht wirklich geübte Motivtortenbäckerin waren die Objekte jedoch – eigentlich – eine Nummer zu groß.

Hilfe nahte in Form eines Buches von Lindy Smith: „Cakes To Inspire and Desire“. Gudrun hatte sich Musik aus den Fünfzigern gewünscht, ihre Siebziger würden bald anbrechen und so entschloss ich mich, die Lücke mit einem Kuchen aus den Sechzigern zu füllen.

Op Art. Das war’s. Schon immer hatte ich mich mit diesem Thema beschäftigt, ich bin geradezu eine Koryphäe, was diese Erscheinung angeht. Deshalb habe ich mich erst mal bei Wikipedia erkundigt, worum es hier überhaupt geht.

Gudrun, bekannt als Dame, die es gerne ordentlich und übersichtlich hat, würde dieser Kuchen bestimmt gefallen. Als ehemalige Krankenschwester würde ihr ein exakter Kuchen Freude bereiten. Das Unternehmen „op art boxes“ konnte also gestartet werden.

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An eben diesem Montag (noch fünf Tage bis zum Event) bestellte ich bei tortissimo die benötigten Utensilien. Unter anderem schwarzes Fondant, ohne das ich komplett aufgeschmissen gewesen wäre. Mittwochs (noch drei Tage bis zum Event)  – tortissimo sei Dank – wurde das Paket bereits geliefert und ich schwebte auf Wolke Sieben. Natürlich war die Wolke viereckig.

In Kurzfassung sah das weitere Vorgehen so aus:

Mittwoch (noch drei Tage bis zum Event):

Eine quadratische Torte backen, 25 x 25 cm. Eine quadratische Torte backen, 15 x 15 cm. Über Nacht auskühlen lassen. Vorher noch ausrechnen, wieviel Teig man benötigt. Das geht ganz einfach, indem man das Volumen des Rezepts der vorliegenden runden Torte ausrechnet (Höhe der Tortenform x halber Radius zum Quadrat x Pi [3,14]) und dann die Menge auf die quadratische Form (hier ein Backrahmen) umlegt. Ich habe es immer gewußt, für irgendwas musste Mathe mündlich im Abi doch gut sein.

Donnerstag (noch zwei Tage bis zum Event):

Torten füllen, beschweren, mehrere Stunden (am besten über Nacht) ruhen lassen. In die Autowerkstatt fahren und von Sommer- auf Winterreifen wechseln, schließlich habe ich zwei Tage später eine Torte zu transportieren. Oder zwei.

Freitag (noch EINEN Tag bis zum Event):

wegen fieser Bauchschmerzen den Arzt aufsuchen. Rückkehr auf die Homebase: 13.00 Uhr = noch 29 Stunden bis zum Event.

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Tortenstenogramm:

Kuchen sorgfältigst gerade schneiden. Buttercreme-Icing, Zuckerkleber und Modellier-Paste herstellen. Fondant kneten, 5 mm dick ausrollen, schneiden. Buttercreme etappenweise (Seite für Seite) auf den Kuchen streichen, damit das Fondant Halt hat. Fondant-Platten grob zugeschnitten ansetzen, mit einem scharfen Messer überschüssiges Fondant abschneiden. Alle vier Seiten in Weiß, Deckel in Schwarz halten.

Etappenweise schwarze und weiße Modellierpaste 1,5 mm dünn ausrollen. Nach einem von mir akribisch vorgezeichneten Plan (ein weiterer Beweis dafür, warum ich früher jeden Schönschreibwettbewerb gewonnen habe)

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und exakten Berechnungen, wie sie nur mein Mann hinbekommt (wofür hat man ihn schließlich Mathe studieren lassen?)

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die Streifen für die Deko zuschneiden. Hierbei äußerst vorsichtig und so ordentlich wie möglich vorgehen. Masse unbedingt mit Folie abdecken, auch die zugeschnittenen Teile abdecken, damit sie nicht austrocknen.

Dekorieren. Das Zuschneiden nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Das Kleben der Musterstreifen mit Zuckerkleber geht dann recht zügig, wenn man sich vorher genau überlegt hat, wie man die Muster ansetzt.

Samstag, 1.30 Uhr (noch 16,5 Stunden bis zum Event):

Ins Bett gehen wäre nicht die schlechteste Idee. Nach fast zwölf Stunden Dekorierens fühle ich mich nicht mehr wirklich in der Lage, einen Saal mit Schwänken aus meinem Leben zum Toben zu bringen. Das Aufkleben ist geschafft. Jetzt (durch das Aufbringen der Deko haben sich die ursprünglichen Kuchenmaße geändert) die Kuchen sehr genau ausmessen und feste Plastikquadrate, knapp kleiner als der Kuchen, als Tortenunterlagen zuschneiden (aus Windowcolorfolie).

Ähhm, sollte ich nicht auch einen Kranz backen? Ja. Morgen.

Und hätte ich den Entstehungsprozess eigentlich fotografieren sollen? Ja. Nein. Keine Zeit, schlechtes Licht, beim nächsten Mal!!!!

Samstag, 7.00 Uhr (noch 11 Stunden bis zum Event):

Frühstück fällt aus. Überlegen, wie die Torte gestapelt werden soll. Das Original im Buch besteht aus vier Etagen, die so verschoben sind, dass Teile des oberen Kuchens über den unteren hinausragen. Das traue ich mich nicht. Also wird eine Ecklösung beschlossen. Plastikstrohhalme in den unteren Boden rammen, damit das Gewicht des oberen Bodens nicht zu schwer wird. Torten auf die zugeschnittenen Windowcolor-Platten setzen. Eine 35 x 35 cm große, quadratische Kuchenplatte (Kunststoffplatte Protex light Weiß aus dem Baumarkt – dort zuschneiden lassen) stellenweise mit Icing bestreichen (damit der Kuchen nicht rutscht), unteren Boden aufsetzen (VORSICHTIGST!!). Oberen Boden auf den unteren setzen (VORSICHTIGST!!). Ebenfalls vorher mit Icing sichern.

Kuchen stolz betrachten und feststellen, dass sich im oberen schwarzen Fondant eine Delle breit macht, die grauenvoll aussieht. Überdies erscheint die Oberseite viel zu nackt.

Verzweifelt überlegen, was geschehen soll. Der Ehemann hat wieder einmal die zündende Idee, eine 70 in Form von römische Buchstaben aus Fondant aufzulegen.

Motivtorten_op_art_boxes_lxx  passt wunderbar ins Konzept. Also auch noch schnell diese Buchstaben aus Zuckerpaste hergestellen und den Kuchen damit bestücken.

Nach der Verarbeitung von 291 Einzelteilen ist es geschafft.

FERTIG!!!

Motivtorten_op_art_boxes4

Ach so. Den Frankfurter Kranz habe ich auch noch gebacken. Ich war gerade beim Dekorieren, als mit Gudrun verwandte Geburtstagsgäste auf ein „Hallo“ zu Besuch kamen. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Auch darüber, dass sie mir in zwei meiner Kochbücher ganz liebe Zeilen geschrieben haben. Natürlich lasse ich nicht jeden Besucher in ein Kochbuch schreiben. Diese beiden aber durften, denn sie haben die Kochbücher geschrieben. Susanna Bingemer und Hans Gerlach heißen diese sehr sympathischen Mitmenschen, welche unter anderem die wunderschönen Kochbücher „Vietnam“ und „Alpenküche“ aus dem GU-Verlag veröffentlicht haben. Dazu demnächst an dieser Stelle mehr!

Liebe Susanna, lieber Hans, schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt, einmal hereinzuschauen!

Samstag, 18.00 Uhr (Event):

Also, ich habe das dann ja noch rechtzeitig auf die Reihe bekommen. Es blieb sogar Zeit zum Umziehen, was vor allem Susanna und Hans bestimmt sehr zu schätzen wussten – die haben mich in den Putzklamotten kennengelernt.

Die Torte war ein voller Erfolg. Viele Gäste, inklusive der Gastgeberin, haben wirklich gedacht, dass es sich bei dem Kuchen um Schachteln handelt, in denen sich Geschenke befinden. Das hat mich natürlich diebisch gefreut. Zudem war die Resonanz nicht nur wegen des Aussehens, sondern auch wegen des Inhalts der Torten recht positiv.

Die untere Torte bestand aus dem bereits bekannten Schichtkuchen, den ich zur Goldhochzeit der Eltern gebacken hatte. Das obere Teil war ein kürzlich vorgestellter Spanischer Vanillekuchen, den ich flach gebacken habe, um ihn dann mit einer Schicht Marzipan zusammenzusetzen. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt aber der Schichtkuchen. Den habe  ich diesmal mit Margarine statt mit Butter gebacken, was der Lockerheit der Krume sehr zugute kam.

Das Fest war überaus gelungen, wir haben uns wunderbar unterhalten, gut gegessen und getrunken, alle Anwesenden hatten viel Freude an dem Abend. Wir haben liebe und nette Menschen wiedergesehen oder kennengelernt, Neues erfahren, Altes hervorgekramt. Wir haben klassischer Musik gelauscht und verschiedene Darbietungen verfolgt.

Hach Gudrun, schön war’s!