Teil 1 – Praktikumsbericht: Herstellung warmer Speisen unter Verwendung diverser Elektrogeräte (Miele-Kocherlebnis)

Wie der geneigte Leser mittlerweile weiß, bin ich überhaupt nicht neugierig. Ich gehe nur gerne bestimmten Dingen auf den Grund.

Nur so ist es zu erklären, dass ich mich zu einer Vorführung von Miele-Geräten im Zuge eines Kochkurses angemeldet habe. Auslöser meines, natürlich rein wissenschaftlichen Interesses waren schriftliche Äußerungen zweier Bloggerinnen. Später kam noch eine dritte Fachfrau hinzu. Bei den erstgenannten Koryphäen im Bereich des Koch-und Backhandwerks handelte es sich um Ulrike Küchenlatein und Miriam Chaosqueen. Beide Damen hatten vor einiger Zeit eine Anschaffung getätigt, die es ihnen seitdem ermöglicht, Koch- und Backgut in einer zuvor niemals erreichten Qualität herzustellen. Die dritte Dame kriejen mer später.

In Lübeck landete ein Miele H 5681 BP, während Kiel mit einem H 5361 B aufwartete. In Lübeck munkelte man sogar, dass der Neue dem dort ebenfalls vorhandenen Manz-Ofen gefährlich werden könne.

Diese Aussage und die Lobgesänge auf die Neuerwerbungen brachten meinen Forscherdrang auf Hochtouren. Glücklicherweise haben wir eine Miele-Zweigniederlassung nur 5 km vom Wohnort entfernt. Was lag also näher, als die Wunderöfen intensiv unter die Lupe zu nehmen?

Am 13.01. war es soweit, ich nahm, natürlich ausschließlich zu Forschungszwecken, an einem Miele-Kocherlebnis teil. Um 11.00 Uhr ging es los, um 17.00 Uhr war die Evaluation abgeschlossen und ich hatte mich im Verlauf dieser Fortbildung tief in die Materie des Miele'schen Kochuniversums eingearbeitet:

Herde, Öfen, Dampfgarer, Combi-Dampfgarer und deren bestimmungsgemäße Verwendung.

Eine nette und kompetente Dame, übrigens auch eine Frau L., weihte die ElevInnen ein in die Geheimnisse des Kochens und Backens mit Mielegeräten. Wir wurden gleich aufs Angenehmste empfangen, dabei hatte ich doch mit Arbeit gerechnet. Die hielt sich während des gesamten Praktikums in sehr engen Grenzen. 

Ein schön gedeckter Tisch mit einer großen Anzahl von Weingläsern sowie der Begrüßungssekt ließen meine Laune schon zu Anfang einem ersten Höhepunkt entgegentorkeln. Auch die Fleißarbeit Frau L.s kann hier nicht ausufernd genug gewürdigt werden.

Mise en place in Reinform – es war so gut wie alles akribisch vorbereitet und an mehreren Kochplätzen tummelten sich Lebensmittel in Hülle und Fülle. Morgendlicher Eisregen hatte dazu geführt, dass statt 15 angemeldeter Seminarteilnehmer nur neun erschienen waren. Parole? "Schlaraffenland"!

Während des Seminars habe ich mich ausschließlich der Lehre hingegeben und mein ganzes Sein auf Lernen eingestellt. Deshalb sind vom Anlass selber keine Fotos vorhanden. Allerdings habe ich, natürlich nur zu Übungszwecken und um das Gelernte zu festigen, die meisten Gerichte nachgekocht (allerdings ohne Mielegeräte). Die Dokumente in Form von Fotografien sind also nicht am Originalschauplatz entstanden.

Das Pensum des Seminartages las sich so:

  • Broccolicremesuppe mit Olivenbrot

Miele - Broccolicremesuppe

  • Lachs mit Möhrenstreifen und Couscous

Miele - Lachs, Möhren, Kohlrabi, Couscous

Miele - Zitronenhuhn, Käsesoufflé, mediterraner Salat

  • Schwäbischer Apfelkuchen

Miele - Schwäbischer Apfelkuchen, Detail

Mit einer Miele-Schürze versehen machten wir uns frisch ans Werk. Frau L. kochte und wir guckten zu. Nur kleinere Handreichungen wurden von den Teilnehmern erledigt. Alle Geräte wurden vorgestellt und ich kann mich den beiden Damen nur anschließen. Die Öfen sind wirklich eine Wucht. Ganz großes Kino und mit Ergebnissen bei der Speisenzubereitung, die (fast) unschlagbar sind.

Völlig neue Dimensionen taten sich auf, als die Dampfgarer an die Reihe kamen. Über diese Helferlein hatte ich noch nie nachgedacht und ein Gebrauch stand nie zur Debatte. Vor allem der Combi-Dampfgarer, der keine Ober- und Unterhitze hat und auch nicht über eine Grillfunktion verfügt, ansonsten aber dampfgart und Funktionen eines Backofens besitzt, erweckte intensives Interesse mit spannenden Möglichkeiten zur Feldforschung.

Mehrere Cappuccini (?), Weißwein, Rotwein und Kaltgetränke später war der Tag leider schon vorbei. Ging schnell, ich hatte mir die reine Lehre irgendwie viel trockener vorgestellt. Die zubereiteten Gerichte wurden an großer Tafel mit netten Mitlernenden verspeist, ein Rezeptordner sowie die Schürze gingen in den Besitz des Wissensdurstigen über und munter verabschiedete man sich voneinander.

Auf dem Weg nach Hause und auch in den nächsten Tagen dachte ich viel über das Gelernte nach und auch darüber, wie ich der Wissenschaft weiter dienen könne. Zu dumm, wenn das erworbene Wissen und die sich damit auftuenden Möglichkeiten der Forschung hier ein abruptes Ende nehmen sollten.

Mein Mann und ich kamen also auf eine selbstlose Idee. Zugegeben, der Weg zum Ziel ist steinig und mit vielen, vielen Mahlzeiten gepflastert. Aber wahre Hingabe erfordert Opfer, die wir bereit sind, zu bringen.

Auszug aus dem Vertragstext:

"Da sich Kiel und Lübeck bereits auf dem Gebiet der Miele-Einbau-Backofen-Forschung einen Namen gemacht habe, erklären sich Frau und Herr Schnuppschnüss bereit, Versuche auf dem Gebiet des Combi-Dampfgarens vorzunehmen. Diese werden über einen  unbestimmten Zeitraum in lockerer Reihenfolge ausgeführt, dokumentiert und veröffentlicht. Fotografisch werden die Ergebnisse ebenfalls festgehalten und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Kosten des Verfahrens tragen die Forschenden. Frau Schnuppschnüss ist für die Entwicklung und Ausführung der Tests zuständig, Herr Schnuppschnüss erklärt sich bereit, gemeinsam mit der Entwicklerin abschließende Kontrollen vorzunehmen. Nach erfolgter Dokumentation müssen die Ergebnisse vernichtet werden. Über die Art und Weise der Vernichtung wird noch zu verhandeln sein, orales Vorgehen scheint hier sinnvoll."

Gedankenstütze für spätere, ausführliche Dokumentation:

  • das Olivenbrot hat mir nicht geschmeckt
  • der Apfelkuchen hat mir bei Miele nicht sooo toll geschmeckt. Beim Nachbacken Zuhause waren die Äpfel viel zu hart
  • der Rest war sehr gut
  • vor allem das Soufflé in Verbindung mit der Zitronensauce und dem Salat war himmlisch
  • mein Soufflé ist nicht zusammengefallen
  • die Ergebnisse des Kochens Daheim waren mit denen im Kurs schon zu vergleichen. Aber nur fast
  • Kochen mit dem Dampfgarer bzw. Combi-Dampfgarer hat mich sehr fasziniert
  • 25 Euro für dieses Erlebnis sind gut investiert
  • Rezepte der Gerichte veröffentlichen
  • Testbericht, Manz vs. Miele, veröffentlichen
  • bardiertes Putenbrustfilet von gestern einem interessierten Publikum vorstellen
  • über den Umbau des Küchenlabors und die Anschaffung des Testgerätes schreiben

Und hier geht es zu Teil 2

 

Kirmeier Royal – und Schnuppschnüss war dabei!

Noch brummt mir der Schädel – nicht vom übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke (oder dem Verzehr roten Fleisches – Eingeweihte wissen, was ich meine…), sondern vom Sauerteig.

Sauerteig in allen Varianten, Sauerteig sauer, Sauerteig süß, Sauerteig als Getränk, in Nudeln, im Pfannkuchen, im Müsli (Gott bewahr!), in jeder erdenklichen Speise, Sauerteig als Lied (Herr Kirmeier hat aber nicht gesungen), als Heilmittel, als Medizin für den Hund (ach nee, das war verbranntes Sauerteigbrot), Sauerteig als Religion, als Wissenschaft, als…. großartiger Spaß.

Denn es war einfach herrlich, diesen Herrn Kirmeier

Kirmeier_bei_der_handreinigung

in Aktion zu erleben. Ich muss gestehen, zunächst dachte ich, bei diesem Herrn – O-Ton Kirmeier – „fährt der Aufzug nicht mehr bis zum obersten Stockwerk.“ Der Mann sprang und hüpfte wie ein leibgewordener Derwisch, dem eine Überdosis Sauerteigschorle mächtigst zu Kopf gestiegen ist, in Manzens Küche herum und posaunte mit sieben Trompeten, die sich in seinem Rachenraum versteckten, die Geheimnisse und Wunder der Sauerteigbereitung- und nutzung heraus.

Angefangen bei der Anekdote über den Verdauungsapparat des Gockels, die sich mir bis jetzt noch nicht wirklich erschlossen hat, über die Verwendung des Sauerteiges als Heilmittelchen bis zur endlichen Verwendung als Backzutat, was sage ich, als essentielle Ingredienz zur Bereitung des einzig wahren Brotes, der Mann war ein niemals versiegender Born, was Tipps, Tricks, Erfolgsgeschichten und Heilslehren mit und vom Sauerteig, Sauerteig, Sauerteig angehen.

Zunächst noch ein wenig Profanes: Niedertemperaturgaren im Manz-Ofen (natürlich nicht im einzig wahren Manzfred, nämlich MEINEM Manzfred, sondern in den Prototypen, die bei Manz im Laden und in der Küche so rumstehen…).

Nach der Frage, ob wir die Kartoffeln gewaschen oder „mit Heilerde“ essen wollten (wir entschieden uns für die weniger exotische Variante), wurde ein schönes Stück ausgelöster Schweinenacken mit Kräutern der Provence bestreut und kam morgens um 10.00 Uhr ohne Salz, dafür aber mit etwas Wasser, ungeschälten Möhren und ungeschälten Zwiebeln sowie einem Deckel in den auf volle Pulle vorgeheizten Ofen. Nach 20 Minuten wurde auf 90° C heruntergeschaltet und das Fleisch nebst Zutaten bis 18.00 Uhr im Ofen belassen.

Ich greife ein wenig vor und verkünde das Ergebnis: Fleisch butterweich, dazu angetan, um es „mit ohne Zähne“ zu essen, geschmacklich sehr gut, auch ohne Salz (was mich wirklich gewundert hat) und vom Geschmack und von der Konsistenz her sehr zu empfehlen. Das Aussehen war nicht so appetitlich, das Fleisch war sehr hell, hatte wenig Farbe (woher auch?) aber lecker war es trotzdem. Leider musste ich zum Zug und konnte deshalb das Gemüse nicht mehr probieren….

Die oben erwähnten Kartoffeln wurden zu Pommes verarbeitet. Mit Schale. Die Kartoffelstifte kamen in den auf 200°C vorgeheizten Manzofen, gleich auf die Edelstahlbackplatte. Ofen um 40°C hochgeschaltet, damit die Heizphase einsetzt und dann 30 Minuten (??? ich kann mich nicht mehr richtig erinnern) gebacken. Diese Pommes waren sehr, sehr gut. Haben mir ausgezeichnet geschmeckt und waren zudem absolut fettfrei. Ich habe sie noch nicht einmal gewürzt und trotzdem fand ich sie sehr gelungen.

Das war sowieso ein schönes Erlebnis, dass alles auf die Backplatten kam, ohne Backfolie als Unterlage oder Backbleche. Möglicherweise liegen meine nicht so tollen Backergebnisse einfach daran, dass ich immer die Backfolie untergelegt habe. Es wird sich demnächst zeigen, ob es daran gelegen hat. Herr Kirmeier hat die Abschirmbleche immer im Ofen belassen. Fand ich auch gut – das habe ich mir auch vorgenommen, diese Dinger immer drin zu lassen. Mein Gebäck wird ja sowieso immer zu dunkel.

Nun aber wieder zurück zum, na??? Sauerteig, genau!

Die Vermehrung des Sauerteigs war unsere erste eigenständige Bewährungsprobe.

Die Technik der Verwendung von 3-Liter-Plastiktüten und eines Sauerteigtütenhalters (einem abgeschnittenen Messbecher) war allein schon den Besuch des Seminars wert. Wir haben Tränen gelacht.

Reifer Sauerteig in einem Plastikbeutel (Beutel Nr. 1), der auf bestimmte Art und Weise gefaltet und verknotet war, wurde mittels abgeschnittener unterer Ecke und dem daraus resultierenden Loch in den Plastikbeutel im Sauerteigtütenhalter (Beutel Nr. 2) gespritzt. Danach wurde das Loch in Beutel Nr. 1 entweder auf ganz bestimmte Art und Weise unter Verwendung eines Gummirings geschlossen oder der Beutel entsorgt. Hier war zu beachten, dass Beutel Nr. 1 vor dem Entsorgen gefaltet werden musste, und zwar auf eine besondere Art und Weise.

Wenden wir uns nun wieder Beutel Nr. 2 im Sauerteigtütenhalter zu: in diese Plastiktüte wurde eine bestimmte Menge Wasser gegeben, die Tüte, ja genau, auf eine besondere Art und Weise verschlossen und dann wurde per Reibung der Sauerteig mit dem Wasser vermischt. Das ging auch gut im Teamwork.

Kirmeier_freunde_frs_leben

Diese Mischung schüttete man in eine große Schüssel, obendrauf eine bestimmte Menge Wasser und darauf Roggenmehl. Dann vermengte man diese Zutaten und BITTE NICHT KNETEN! sondern, ihr werdet es nicht glauben, auf eine bestimmte Art und Weise wurde der Teig mit der Faust durchfurcht. Klappte nach ein paar Anläufen prima und der Teig wurde erstaunlich fügsam.

In handliche Portionen geteilt, landete dieser Ansatz in Plastikbeuteln, die auf besondere Art und Weise…… ihr wisst schon.

Hatte ich schon die Temperatur von 35° C erwähnt? Glaubt es oder glaubt es nicht, davon habe ich in der letzten Nacht geträumt. Diese Temperatur ist für unseren Teig so wichtig, wie die Mutter für ihr Kind, die Sonne für die Photosynthese, die Luft zum Atmen, der Regen, die Welt, das Universum und der ganze Rest…. Ohne 35° C geht so Manches, aber beim Sauerteig?? Dem richtigen, dem wahren, dem einzigartigen??? Nee, ohne 35° C keine Chance.

Die Beutel reifen also bei 35° C ein bis zwei Tage im Brutschrank. Den hat natürlich Jeder Zuhause – und wenn nicht, dann kann man die Tüten auch in die Hosentaschen stecken. Dort bekommen sie die richtige Temperatur. Auf meinen Einwurf, man könne die Tüten ja auch in den BH stecken, guckte Herr Kirmeier verdutzt und gab dann wirklich kreuzernst zur Anwort: „Aber nur, wenn er vorgewärmt wurde – ansonsten sind die Tüten zu kalt und man beginnt zu frieren“. Wieder was gelernt – hab mir gleich ein paar größere BHs besorgt. 400 Gramm Sauerteig auf jeder Seite, das ist kein Pappenstiel. Vielleicht kann ich mich ja demnächst mal bei 9live bewerben … Ich schweife ab, zur Sache, Schätzchen. Also, diese reifen Tüten können dann bis zu 4 Wochen im Kühlschrank lagern, bis in alle Ewigkeiten in der Tiefkühltruhe oder aber weiter verwendet werden. So einfach ist Vermehrung…

Gebacken haben wir mit reifem, „bebrütetem“ Sauerteig die folgenden Meisterwerke:

Pizza mit ST-Boden, Chiemgauer Brötchen, Semmeln, Brot, Vinschgauer und aus dem Semmelteig auch Gebäcke in anderen Ausformungen wie Brezel, Schleifen, gedrehte Knüppel usw. Geschmacklich einwandfrei, geradezu herausragend. Die Krume weich, fluffig, das Brot locker. Heute Morgen (ich hoffe, Herr Kirmeier liest das hier nicht) habe ich ein paar Brötchen im Ofen aufgebacken – super lecker!

Kirmeier_ergenisse

Die Sache hat nur einen klitzekleinen, putzifummeligen, unbedeutenden Haken: in den Teig (1100 Gramm Mehl, 400 Gramm Sauerteig, 800 Gramm Wasser) kamen zwei Würfel Hefe (jetzt hoffe ich, dass Pöt das nicht liest). Bei längerer Gehzeit kann man die Hefemenge jedoch reduzieren bis auf 5 Gramm bei 8 Stunden.

Ich hab’s nicht so mit Religion. Deshalb gehöre ich auch nicht der „Kirche des reinen und heiligen Sauerteiges“ an. Aber manch’ ein Jünger dieses Glaubens wird sich mit Grausen abwenden. Ich fürchte, diese Bäcker können sich einen Gang nach Creglingen (der ihnen wahrscheinlich wie der nach Canossa vorkommt), schlicht und ergreifend sparen.

Alle anderen werden ihren Spaß haben. Wer möchte nicht erleben, wie Herr Kirmeier in seiner humorvollen, bayrischen Art seinen Sauerteig preist. Man spürt förmlich, dass die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten im Umgang mit dem wertvollen Gut sein Lebensinhalt ist – und diese Euphorie ist ansteckend.

Kirmeier_in_action

Man mag geteilter Meinung darüber sein, ob Krusten am Braten igitt sind oder nicht (ich plädiere auf „nicht schuldig!“), aber dieses Gesamtkunstwerk Kirmeier sollte jeder Backwütige unbedingt einmal besichtigen. Die Power, die dieser Mann ausstrahlt, ist schon erstaunlich. Ich war gestern Abend platt und Kirmeier dozierte und dozierte und dozierte – ich hab keine Ahnung, woher er diese Energie holt.

Häää? Was hab ich da gerade geschrieben??? Woher soll er diese Energie schon haben –aus dem Sauerteig natürlich, ‚tschulligung!

Eine sehr traurige Begebenheit muss ich am Ende noch berichten: Kirmeier hat nicht gebügelt. Kein Brot und keinen Kuchen. Er hat uns seinen Ersatztoaster mal gezeigt,

Kirmeiers_toaster

hat uns erklärt wie er frühstückt (er sitzt vor seinem Teller, links die Zutaten für das Frühstück, das Brot, der Kaffee und rechts das Holzbrett und das Bügeleisen) und wie das Bügeln vor sich geht, hat er uns auch verraten: Brotscheiben auf Leinen, Kuchen auf Seide. Aber gesehen haben wir das leider nicht. Na ja, ich hab ja Phantasie und kaufe demnächst ein Oldie-Bügeleisen (ohne Dampf). Schau’n mer mal!

Wer das Bügeln live erleben möchte, kann zu Pfingsten zu den Herrgottstaler Backtagen fahren. Wopa aus dem Backforum gab mir den Hinweis, dass der Kirmeier Karl nur dann in Creglingen weilt.

Aber auch am 1. Adventswochenende hat Manz viele Attraktionen zu bieten. In Creglingen wird die neue Produktionshalle eingeweiht und das alljährliche Weihnachtsbacken mit einer Menge Events findet auch wieder statt. Herr Häussler hat jedenfalls unbedingt dazu geraten, im Advent dem Werk und den vielen, vielen Manzis einen Besuch abzustatten.

Und falls ihr Herrn und Frau Schnuppschnüss mal kennenlernen wollt – wir sind am 1. Adventssamstag auf jeden Fall da.

Kruzifünferl, dös wird a Gaudi!

 

Wie alles begann – die Kaufentscheidung

Manz vs. Häußler
oder

Die Geister die ich rief, werd’ ich nun nicht mehr los;

Geschichte einer Kaufentscheidung

Wenn man sich, wie ich, auf die Fahnen geschrieben hat, das Brot für den täglichen Bedarf nur noch selber zu backen, dann kommt man irgendwann auf die Idee, sich einen adäquaten Ofen zuzulegen, der möglichst optimale Ergebnisse erzielt. Zwei Firmen stellen solche Öfen her: Manz und Häußler.

Nach intensiven Recherchen im Netz, Fragen, Katalogbestellungen, lieben Infos durch Brotbäcker usw.. habe ich mich dann entschlossen, vor den Kauf den Besuch der von beiden Firmen angebotenen Koch- und Backseminare zu setzen.

21.-22.06.2007: Hefegebäckkurs und Basisbackkurs bei Häußlers:

Ich bin zu Häußler in Heiligkreuztal gefahren mit dem Gedanken: "Anschauen kann ich mir das ja mal, aber ich kaufe sowieso einen Manz.“ Das konnte ich nach dem Besuch in Oberschwaben so nicht mehr unterstreichen… Die Mitarbeiter und die Familie Häußler verstehen es einfach, mit ihrer sympathischen Art eine solch nette Atmosphäre zu schaffen, dass man am liebsten gleich alle Kurse machen möchte und sofort einen Ofen mit nach Hause nehmen will.

Donnerstags war der Hefegebäckkurs. Ein netter Herr Renz, seines Zeichens Bäckermeister, weihte uns in die Geheimnisse des Zopfflechtens und -füllens ein. Mir ist das ein oder andere Licht aufgegangen, aber ich könnte jetzt nicht behaupten, dass ich Essentielles gelernt hätte. Wir waren aber eine sehr nette Gruppe von 11 Leuten, die sich da zusammengefunden hatte und beim Probieren und Kaffee trinken hatten wir eine Menge Spaß. Selber hat man nichts gemacht, nur am Ende konnte sich jeder Teilnehmer seinen eigenen Zopf flechten. Aber ein paar kleine Handgriffe hab ich mir doch abgeguckt, Kniffe, auf die man vor lauter Betriebsblindheit nicht kommt und auch die Rezepte waren ganz nach meinem Geschmack (Osterhasen und Nikoläuse formen, Dreierzopf, Mozartzopf, Nusszopf, Marzipanzopf, Kirschnudeln).

Am Freitag war dann Showtime – Frau Häußler präsentierte ihre Kunst und vor allen Dingen die Geräte. Auch wenn man sich nicht fürs Backen und Kochen interessiert, auch wenn man nicht vor hat, ein Gerät zu kaufen, diesen Kurs sollte man sich mal antun. Es war wirklich faszinierend, wie diese nicht mehr ganz junge Frau sechs Stunden lang eine Art "Kaffeefahrt" veranstaltete. Das meine ich jetzt nicht negativ, ich war wirklich platt, wie nett und nur  ganz wenig aufdringlich man teure Geräte an den Mann oder die Frau bringen kann. Die Frau ist einfach ein Profi und ein absolutes Verkaufsas. Wir haben teilweise Tränen gelacht und Frau Häußler war so temperamentvoll und geschwätzig, es war eine wahre Pracht. Es gab Leute, die waren schon zum dritten Mal dort….

Sie hat die Herde, Knetmaschinen, Getreidemühlen und die Nudelmaschinen präsentiert und man hatte einfach das Gefühl, SOFORT ALLES haben zu müssen. Fünfzig Menschen hingen gebannt an ihren Lippen und es war wirklich lustig.
Frau Adelinde hat Grundrezepte von verschiedenen Brotteigen vorgestellt, die Herstellung von Sauerteig erklärt, eine Lanze gebrochen für vollwertige, regionale und saisonale Produkte, kleine Tipps gegeben, wie man sich das Backen erleichtert, ach, ich kann gar nicht alles aufzählen, was alles an Interessantem aufs Tapet kam. Sie verwendet z.B. für einen Mischbrotteig von 10 kg Mehl nur zwei Würfel Hefe… ich war schon erstaunt! Wahrscheinlich wird der Brotbackguru nichts Neues lernen und vielleicht wird so manch einer denken – och nee, das kenne ich aber ganz anders. Aber für den Hausgebrauch, wenn Brot backen keine Wissenschaft sein soll, dafür reichte es allemal – zumindest bei mir.

Frau Häußler hat gebacken: Dinette mit Speck und Zwiebeln, Dinette nur mit Kümmel und Salz und Dinette mit Äpfeln, Brötchenrad, kernige Weckle, Weizenmischbrote in verschiedenen Ausführungen (im Gärkorb; gebacken mit Schluss nach oben; gebacken mit Schluss nach unten; bemehlt und eingeschnitten; mit Brotstempel verziert; als Knüppelbrot – mehr fällt mir jetzt nicht ein). Übrigens konnte man am Ende der Veranstaltung Brot mit nach Hause nehmen – gegen Bezahlung!

Für mich waren die Kurse, vor allem am Freitag bei Frau Häußler, schon lehrreich. Da ich auch noch nette Leute kennen gelernt habe und die gesamte Häußler-Crew so herzlich und sympathisch war, hätte ich am liebsten sofort einen Ofen gekauft. Mich haben aber natürlich auch die Produkte absolut überzeugt. Die knusprige Kruste der Brote und die feine Textur des Hefegebäcks, die tollen Böden der Dinette… ich war hin und weg. Na ja, und die Teigknetmaschine…. und die Getreidemühle…. mein armer Mann! Ganz toll fand ich auch, dass mich ein Mitarbeiter der Firma am Bahnhof abgeholt hat und am Freitag auch wieder pünktlich zum Bahnhof brachte – das nenne ich mal Dienst am Kunden, gell?

Eine Woche später (29. – 30.06.2007):

Nun habe ich auch ein Komplettseminar bei Manz besucht, in das ich glücklicherweise hineingerutscht bin, weil ein Teilnehmer absagte. Was soll ich sagen – ich bin begeistert. Auch hier hätte mich ein Mitarbeiter am Bahnhof abgeholt und auch wieder zurück gebracht. Ich bin aber kurzentschlossen mit dem Auto gefahren.

Die Art der Präsentation bei Manz kann mit der Häußler’schen Verkaufsshow nicht mithalten. Hier in Creglingen geht es ruhiger und zurückhaltender zu – was ja kein Fehler ist. Und die Vielseitigkeit des Manz-Backofens hat mich absolut überzeugt. Zugegeben, die Ergebnisse des Brotbackens bei Häußler erscheinen mir einen Tick besser – aber dafür ist der Manz einfach umfassender und schneller einsetzbar. Ein Detail, das ich überhaupt nicht in Betracht gezogen habe bei der Kaufüberlegung ist die Möglichkeit des drucklosen Dampfgarens. Frau Manz brachte uns die Facetten nahe, die sich beim „Kochen“ mit dem Manz auftun. Und die haben mich wirklich umgehauen. Diese Pellkartoffeln, das Gemüse, die Niedrigtemperatur- Gerichte und was weiß ich noch alles – für Menschen, die sich gesund, möglichst fettarm und natürlich ernähren möchten, ist dies eine wunderbare Alternative zum Kochen mit Wasser.

Freitags ging es um 10.00 Uhr los. Bis gegen 13.00 Uhr haben wir mit Frau Manz gekocht und mit 14 Teilnehmern folgende Gerichte zubereitet:
Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Kohlrabi (alles nur abgewaschen und mit Schale im Topf mit Deckel gegart – ein Genuss!), Blumenkohl-Auflauf, Gemüselasagne, Hühnerpfanne, Kartoffelmaultaschen, Makkaroni-Auflauf, Hackbraten, Pommes Frites, Rotkohl, Schweinebraten, Ungarischen Kartoffelauflauf, Dampfnudeln, Quark-Apfel-Auflauf, Reis-Auflauf. Dann war Mittagspause und wir haben alles verputzt, was vorher gekocht wurde.

Gegen 14.00 Uhr ging es dann weiter mit dem Backkurs, geleitet von einem jungen, netten Herrn namens Hein, einem Bäckermeister. Bis 18.00 Uhr wurde gebacken und Teig angesetzt, was das Zeug hielt. Hefezopf, Käsekuchen, Biskuitrolle, Streusel mit Pudding und Kirschen, Weizenmischbrot – alles wurde sehr schön und wirklich lecker. Zwischendrin haben wir noch Kaffee getrunken und das Gebackene verspeist. Wir waren vielleicht satt!

Samstags ging es um 8.30 Uhr weiter. Der am Vorabend angesetzte Sauerteig wurde verarbeitet, Laugengebäck, Baguettes, Brötchenrad, Vinschgauer, Roggenmischbrot hergestellt und Pizza gebacken. Ein Schmankerl waren noch die Figuren, die gebacken wurden: Weihnachtsmann, Igel, Maus, Eidechse… wirklich putzig!

Man bekam ein tolles Gefühl dafür, wie sich ein Teig anfühlen sollte, wie lange man ihn gehen lässt und wie man Teig knetet und formt (sehr lustig die Ergebnisse des Laugenbrezel-Formens). Und mit so einer netten Truppe wie der unseren machte das ganze Werkeln noch mal so viel Spaß. Es war richtig toll! Natürlich haben wir auch hier zwischendrin alles aufgefuttert, was wir so hergestellt hatten. Und bekamen am Ende noch einen riesigen Korb mit den selbstgemachten Broten und Brötchen mit nach Hause. Hier waren die Backwaren im Seminarpreis inbegriffen!

Fazit: Eine eindeutige Empfehlung für einen der Öfen kann ich nicht geben. Dafür sind die individuellen Vorstellungen eines jeden Bäckers einfach zu speziell. Ich habe mich für den Manz 30/2 entschieden, andere Backwütige werden mit dem Häußler glücklich.

Wer einen Ofen möchte, der hauptsächlich zum Brotbacken dienen soll und wer langfristig planen kann, für den ist wahrscheinlich der Häußler die bessere Wahl Aber den Häußler muss man halt 1,5 Stunden vorheizen und dann noch 30 Minuten warten, bis sich die Hitze komplett verteilt hat. Wer das nicht möchte und zudem noch drucklos dampfgaren möchte, der kauft besser den Manz.